28.08.2018
Kinderbetreuung

Bertelsmann-Studie: Qualität in bayerischen Krippen schwankt stark

In der neuen Kita-Studie der Bertelsmann Stiftung schneidet Bayern nicht unbedingt schlecht ab - trotzdem gibt es seitens der Experten Kritik. Sozialministerin Schreyer kontert: Mehr Personal alleine macht noch keine bessere Kita.
Eins zwei drei vier fünf - wie viele Erzieher braucht gute Kinderbetreuung?
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Der Personalschlüssel in bayerischen Krippen und damit deren Qualität verbessert sich laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung seit Jahren nur geringfügig. Seien im März 2012 rein rechnerisch auf eine Fachkraft 4,0 ganztagsbetreute Krippenkinder gekommen, waren es zum 1. März 2017 nur noch 3,7 Kinder unter drei Jahren, lautet das Ergebnis des Ländermonitorings Frühkindliche Bildungssysteme der Stiftung. In den Kindergartengruppen habe es im gleichen Zeitraum eine etwas größere Entwicklung von 9,0 auf 8,5 Kinder je Fachkraft gegeben. Die Stiftung empfiehlt für eine kindgerechte frühkindliche Bildung in Krippen einen Fachkraftschlüssel von 1 zu 3 und für Kindergärten von 1 zu 7,5.

Deutlich sowie bundesweit am stärksten verbessert hat sich in Bayern die Situation für die Leitungen von Krippen und Kindergärten. Hatten im Jahr 2014 noch 25 Prozent der Kita-Leitungen angegeben, keine Zeit für Leitungsaufgaben zu haben, seien es 2017 nur noch etwa fünf Prozent gewesen. Gemessen an den Empfehlungen der Bertelsmann Stiftung verfügten aber nur sechs Prozent der bayerischen Kitas (ohne Horte) über eine angemessene Leitungsausstattung - bundesweit waren es immerhin 16 Prozent. Eine angemessene Leitungsausstattung wäre eine Grundausstattung je Einrichtung von 20 Wochenstunden plus weitere 0,35 Stunden pro ganztagsbetreutem Kind, teilte die Stiftung mit.

Bundesweiter Spitzenreiter ist Baden-Württemberg

Insgesamt steht Bayern im bundesweiten Ländervergleich jedoch nicht schlecht da. "Die Kita-Qualität hat sich bundesweit verbessert", sagte Stiftungs-Vorstand Jörg Dräger, "die Kluft zwischen den Ländern ist allerdings geblieben". Bundesweiter Spitzenreiter sei bereits seit dem Jahr 2014 Baden-Württemberg, im Krippenbereich liege der Schlüssel bei 1 zu 3,1 und im Kindergarten bei 1 zu 7,1. Länder-Schlusslicht bei den Kindern unter drei Jahren sei seit 2014 Sachsen mit 1 zu 6,4, bei den Kindergartenkindern zeigen sich die ungünstigsten Werte seit 2012 in Mecklenburg-Vorpommern mit 1 zu 13,4. Die Unterschiede zwischen den Bundesländern hätten weiterhin zu- statt abgenommen, hieß es.

In Bayern gibt es der Studie zufolge aber das größte Qualitätsgefälle bei der Krippenbetreuung innerhalb eines Bundeslandes. Dies zeige eine Auswertung aller 401 Kreise und kreisfreier Städte in Deutschland. Eine Krippenfachkraft in den Landkreisen Hof und Coburg müsse 4,7 Kindern betreuen und damit rechnerisch zwei mehr als in Rosenheim (1 zu 2,7). Im Kindergartenbereich liege das Qualitätsgefälle innerhalb Bayerns im bundesweiten Mittelfeld. Es reiche von 1 zu 7,5 in Landshut bis zu 1 zu 10,1 im Landkreis Regen. Angesichts solcher Unterschiede zwischen den Ländern und innerhalb eines Bundeslandes forderte der Bertelsmann-Stiftungs-Chef Dräger bundeseinheitliche Standards im Kita-Bereich.

Mehr Personal garantiert keine Qualitätssteigerung

Die bayerische Sozialministerin Kerstin Schreyer (CSU) sagte dem Evangelischen Pressedienst (epd) auf Anfrage, eine Verbesserung des Personalschlüssels alleine garantiere noch keine Qualitätssteigerung. Die Frage, wie viel Personal in den Krippen eingesetzt werde, sei auch eine Frage der Finanzierung durch die Kommunen und des Elternbeitrags. Mit dem Familiengeld erhielten Familien mit zwei- und dreijährigen Kindern ab September 250 Euro im Monat, die sie auch in ihre Krippenbeiträge investieren können. "Ich bin davon überzeugt, dass sich dies auch in den Personalschlüsseln der Kinderkrippen niederschlagen wird und das Gefälle innerhalb Bayerns abnimmt."

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Autor
Simeon liebt Tiere. Im Kinderhaus auf dem Campus der Würzburger Universität gibt es süße Schweinchen aus Plastik, zeigt er seiner Mutter Daria Schurmann, die ihn gerade abholt. Daria Schurmann ist Biologin, ihr Mann arbeitet an der Uni als Physiker. Beide finden es prima, dass Simeon und seine Schwester Amelia direkt auf dem Campus betreut werden können.