5.12.2019
Familie und Religion

Botschaft der Bibel für Kinder: 100 Jahre Kindergottesdienst in Rosenberg

In der Rosenberger Johanniskirche wird ein besonderes Jubiläum gefeiert. Seit 100 Jahren gibt es dort Kindergottesdienste.
Kindergottesdienst in der Kirchengemeinde Rosenberg
Kindergottesdienst in der Kirchengemeinde Rosenberg. Links: Eine gestaltete Mitte gehört immer dazu. Rechts: Kinder gestalten den Einzug in Jerusalem.

Kindgerecht Gottesdienst feiern, das will gelernt sein. Rosemarie Handbaum tut dies in der Kirchengemeinde Rosenberg seit 44 Jahren. Die pensionierte Religionslehrerin hat sich viel einfallen lassen, um Kinder für die Bibel und für Gottes Wort zu begeistern. So sagt sie zum Beispiel: "Ich erzähle gerne biblische Geschichten. Wenn die Kinder dann große Augen machen, dann ist es gut."

Im Lauf der Jahre sei ein ganzes Repertoire an kreativen Methoden bei ihr und dem Team entstanden, um die Kinder im Alter bis zu zehn Jahren bei der Stange zu halten: "Wir gestalten gemeinsam eine Mitte, in der immer die Jesuskirche steht." Sie wurde von den Kindern selbst gebastelt. Am Anfang werde ein Psalmengebet gesprochen, der Kehrvers schriftlich in der Mitte ausgelegt.

Visuelle Darstellung der Bibel

Zur Untermalung der biblischen Geschichte greifen die fünf bis sechs Mitarbeiter laut Handbaum auch auf alte Flanellbilder zurück. "Das ist etwas, was uns immer wieder weiterhilft", erklärt sie. Und wenn es darum geht, den Weg Abrahams und Moses durch die Wüste bildlich darzustellen, dann werde das mit Tüchern gemacht. "Oder wir schütten einen Eimer Sand im Kirchenraum aus."

Das visuelle Zeitalter erfordere viele bildliche Darstellungen, sagt sie. Ergänzt werde das Angebot von flotten Liedern aus dem Kindergesangbuch. Im Kirchenraum werde auch viel getanzt. "Bewegung ist bei Kindern wichtig." Nur das Vaterunser, das bleibe davon ausgespart. "Ich finde, das lenkt sonst zu sehr ab", sagt Handbaum, die selbst vier Kinder großgezogen hat. Jeden Sonntag, außer in den Ferien, steht das Kindergottesdienst-Team in Rosenberg bereit.

Mitarbeiter zu finden ist schwierig

Unter ihnen ist auch Johannes Handbaum. Der 44-Jährige hat die Gottesdienstarbeit quasi von Kindesbeiden an gelernt, weil seine Mutter ihn immer mitgenommen hat. "In den Kirchenbüchern unserer Gemeinde finden wir in der Adventszeit 1919 den ersten Beleg dafür, dass auch in Rosenberg Gottesdienste für Kinder gehalten wurden", sagt er. Es sei schwerer geworden, Mitarbeiter zu gewinnen, weil es zunehmend andere Möglichkeiten gebe, den Sonntagvormittag zu gestalten. Dennoch kämen auch nach 100 Jahren zwischen 15 und 20 Kinder zum Gottesdienst in die Johanniskirche.

Das Team möchte das Jubiläum "nicht groß" inszenieren. Aber die Kinder werden feierlich den Adventskranz in die Kirche tragen und die Geschichte von Zacharias und Elisabeth anspielen, denen Johannes der Täufer geboren wird. Zur Feier des Tages wird Pfarrer Hartmut Klausfelder eine kleine Ansprache halten.

Seit Juli bereitet er den Jubiläumsgottesdienst mit den Rosenbergern vor. Er ist der Vorsitzende des Landesverbands für evangelische Kindergottesdienstarbeit in Bayern und wirbt landauf, landab dafür, Kindergottesdienste als gleichberechtigtes Angebot zum Erwachsenengottesdienst wahrzunehmen. "Kindergottesdienste sind keinesfalls weniger anspruchsvoll als die der Erwachsenen. Die Vorbereitenden müssen ihr Handwerk verstehen, selbst schwierige biblische Texte so zu präsentieren, dass eine einfache und klare Aussage dabei herauskommt, die ein Kind versteht", sagte er.

Kindergottesdienste sind "ein wichtiger Baustein" jeder Kirchengemeinde

Rosenberg sei diesbezüglich "modellhaft". Seit einem Jahr wird das Team von Diakonin Regina Reymann thematisch und theologisch begleitet. Gerade in Zeiten, in denen sich die Gottesdienstlandschaft im Umbruch befindet, sei dies wichtig, sagte er. Für Klausfelder steht fest: Kindergottesdienste sind "ein wichtiger Baustein" jeder Kirchengemeinde, "weil Kinder diejenigen sind, die auch später am gottesdienstlichen Leben Interesse zeigen".

Darüber hinaus erkenne er ein großes Bedürfnis bei Familien, die sich unter der Woche wenig sehen, den Sonntag gemeinsam mit ihren Kindern in der Kirche zu verbringen. Das Modell der "Familienkirche" gewinnt ihm zufolge mehr an Bedeutung. "In vielen Gemeinden passiert das schon längst auch in Kirchengemeinden auf dem Land sagen junge Eltern, dass sie mit ihren Kindern am Heiligen Abend gemeinsam Gottesdienst feiern möchten."

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