Philosophie wird oft mit großen Namen wie Kant, Wittgenstein oder Augustinus in Verbindung gebracht. Doch warum sollte Philosophie nur etwas für Erwachsene sein? Die Buchreihe "Philosophieren mit Kindern" aus dem Münchner Claudius Verlag zeigt, dass auch junge Denkerinnen und Denker von philosophischen Gesprächen profitieren können.  

Arne Moritz und Bianca Schreiber lehren an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Sie haben vor einem Jahr die Reihe "Philosophieren mit Kindern" ins Leben gerufen. Nach "Philosophieren mit Dingen" und "Philosophieren mit Biografien" steht nun der dritte Band "Philosophieren mit Nachrichten" in den Startlöchern.

Die Reihe ist für den Ethikunterricht in der Grundschule konzipiert und dient den Lehrkräften als Kopiervorlage. Die Bände sind im Claudius Verlag erschienen und mit zahlreichen Materialien und didaktischen Kommentaren ausgestattet.

Ergebnisoffenes Denken statt starrer Antworten 

Die Bücher sollen keine fertigen Antworten liefern. Stattdessen regen sie Kinder an, selbst zu denken, Fragen zu stellen und verschiedene Perspektiven zu erkunden. Moritz und Schreiber betonen, dass es beim Philosophieren nicht darum geht, Fakten zu vermitteln, sondern Denkprozesse in Gang zu setzen. 

"Wir haben auch Lernziele formuliert, aber die sind eher kompetenzorientiert. Beispielsweise sollen die Kinder Wahrnehmungen ausdrücken und Begründungen geben können", erklärt Bianca Schreiber. Es geht also nicht darum, Arbeitsblätter mit vorgegebenen Antworten auszufüllen, sondern im Gespräch den eigenen Horizont zu erweitern.

Philosophieren als Dialog 

Das Gespräch steht im Mittelpunkt. Philosophie lebt vom Austausch - das gilt auch für das Philosophieren mit Kindern. "Das können wir nicht vorwegnehmen", sagt Moritz. Deshalb bieten die Bücher nicht nur thematische Impulse, sondern auch Hilfestellungen für Lehrkräfte, um philosophische Gespräche mit Kindern zu begleiten und ergebnisoffen zu gestalten.

Die Idee dahinter: Kinder sollen erkennen, dass es oft nicht die eine richtige Antwort gibt, sondern dass Antworten immer von bestimmten Voraussetzungen abhängen. Werden diese verändert, ergeben sich neue Perspektiven und Einsichten.

Philosophische Anknüpfungspunkte 

Auch wenn es sich nicht um klassische Lehrbücher der Philosophie handelt, greifen Moritz und Schreiber gelegentlich auf philosophische Ideen zurück. So fließen beispielsweise Gedanken von Wittgenstein oder Augustinus in die Gesprächsanlässe ein. Diese dienen jedoch nicht als dogmatische Lehrmeinungen, sondern als Anregung zum eigenen Nachdenken. 

Der Ansatz von "Philosophieren mit Kindern" zeigt, dass Philosophie kein trockenes Schulfach sein muss, sondern eine spannende Reise in die Welt des Denkens. Wer mit Kindern philosophiert, wird schnell feststellen: Für kluge Fragen gibt es keine Altersgrenze.