Lange ohne Beschäftigung zu sein, beutelt den Menschen. Denn permanente Armut zermürbt. Betroffene sind daher oft von labiler Konstitution – körperlich wie psychisch. Viele kämpfen verzweifelt um ihre Rückkehr in einen Job, auch mithilfe von Fachleuten in den Arbeitslosenzentren. Das sei oft dringend nötig, sagt Thomas Johannes, Geschäftsführer der Brauchbar gGmbH, Trägerin der Beratungsstelle "Würzburger Arbeitslosentreff" (WAT): "Wir erklären den Menschen, was ihnen überhaupt zusteht."

Viele stünden einem immer komplizierteren Hilfesystem hilflos gegenüber, sagt Johannes. Der Ruhestand ist bei den meisten Klienten noch fern. Sie gelten als erwerbsfähig, zumindest für drei Stunden am Tag. Sie wollen laut Johannes arbeiten: "Doch viele Betroffene haben mit multiplen Problemen zu kämpfen." Im WAT werden die Klienten nicht nur beraten: "Wir bieten auch ein Digitalisierungs-Coaching an, denn viele kommen mit den Apps der Jobcenter nicht klar."

Abhängigkeit von Spendengeldern

Die Einrichtung wird ausschließlich von der Evangelischen Kirche in Bayern sowie aus Spenden finanziert. Das sei problematisch, erklärt Johannes, weil angekündigt sei, dass die Zuschüsse der Landeskirche sinken könnten. Spenden zu generieren, sei schwierig:

"Arbeitslose sind als gesellschaftliche Randgruppe nicht attraktiv."

Bei der Fürther Caritas ist Katrin Wünsch für Menschen da, die nach langer Arbeitslosigkeit im gesellschaftlichen Abseits stehen: Die Sozialpädagogin ist seit 2012 in der "ifa Beratungsstelle für Arbeitslose" tätig. "Die Krisenhaftigkeit hat massiv zugenommen", sagt sie.

Wie es Arbeitslosen geht, zeigt sie am Beispiel von Matthias A. (Name geändert) auf. Wegen Rückenproblemen verlor der 52-Jährige vor zwei Jahren seinen Job als Busfahrer. Seitdem geht es mit ihm gesundheitlich und finanziell abwärts. Matthias A. leidet an starken Depressionen. Die Arbeitslosigkeit empfindet er als ein Joch, das er einfach nicht abschütteln kann.

Laut Katrin Wünsch ist er, wie viele andere ihrer Klienten, in einer Abwärtsspirale gefangen. Sie hält es für wichtig, dass weiterhin Kirchensteuern in den Erhalt psychosozialer Angebote für Langzeitarbeitslose fließen. Ihre eigene, von der Caritas finanzierte Stelle sei im Augenblick noch sicher. Doch das sei längst nicht mehr überall der Fall.

Fördergelder nicht sicher kalkulierbar

Eine ähnliche Entwicklung wie bei Arbeitslosenzentren lässt sich auch bei Projekten für Erwerbslose ausmachen. Absolviert jemand in einem Sozialkaufhaus des Diakoniewerks Duisburg einen Zwei-Euro-Job, wird er beraten und sozialpädagogisch unterstützt. Die Diakonie hält das Personal vor.

Die Mittel für die "Arbeitsgelegenheit" (AGH) genannten Ein-Euro-Jobs kommen von den Jobcentern. Doch in jüngerer Zeit, erklärt Fachbereichsleiter Bastian Walter, schwankte die Zahl der zugewiesenen AGHs stark. Die Folge: Die Mittel zur Finanzierung der sozialpädagogischen Betreuung sind kaum kalkulierbar.

2026 seien unverhofft wieder 320 Zwei-Euro-Jobs genehmigt worden. 2025 war die Zahl der AGH-Teilnehmer drastisch eingebrochen: "Wir hatten nur noch rund 100 Plätze." Das Diakoniewerk hielt die sozialpädagogische Unterstützung dennoch mit eigenen Mitteln aufrecht.

Erste Mitarbeitende haben Jobs verloren

Die vom Verein "Sozialdienst katholischer Frauen" getragene "Arbeit + Integration" gGmbH in Langenfeld im Kreis Mettmann macht Langzeitarbeitslose unter anderem in einem Secondhand-Laden und einer Schneiderwerkstatt fit für den Arbeitsmarkt. Dazu gibt es zusätzlich zum Bürgergeld 1,70 Euro pro Stunde. Gleichzeitig werden die Teilnehmer sozialpädagogisch und psychologisch unterstützt.

Zu Hochzeiten waren 30 Plätze belegt. Aktuell sind laut Bereichsleiterin Anke Merten 19 AGHs bewilligt. "Unser Unternehmen war 2025 massiv durch Jobcenter-Kürzungen bedroht", sagt sie. Die gGmbH verlor dadurch vier festangestellte Mitarbeiter: "Wir mussten die Verträge auslaufen lassen."

Allzu oft werde kolportiert, dass sich Langzeitarbeitslose willentlich in ihre Lage manövrierten, sagt Merten. Diesem Vorurteil trat das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) 2024 mit seiner Studie "Betreuung arbeitsmarktferner Arbeitsloser" entgegen. Die Erhebung zeigt laut Pressesprecherin Christine Vigeant, dass Jobcenter-Kunden "sehr schwerwiegende Probleme haben". Zu psychischen Einschränkungen gesellten sich fehlende Deutschkenntnisse, ungeklärte Kinderbetreuungs-, Überschuldungs- und Wohnsituationen sowie akute Lebenskrisen.