Die Stadt Hof verzeichnet seit dem Jahr 2020 einen Rückgang der Heimunterbringung von Kindern und Jugendlichen um rund 20 Prozent - während die Zahlen in Oberfranken und ganz Bayern leicht steigen. 24 erfolgreiche Rückführungen von Kindern in die eigene Familie gab es in den letzten 18 Monaten.
Keine davon musste abgebrochen werden, sagt Burkhard Baier, Leiter des Unternehmensbereichs Schulen, Jugend, Soziales und Sport der Stadt Hof, dem Evangelischen Pressedienst (epd). "Das ist schon bemerkenswert." Dabei sei nicht die reine Menge der Maßstab, sondern der Erfolg der Rückführung.
"Wir sind von einer hohen Zahl der Heimunterbringungen gekommen", erzählt Baier, der den Unternehmensbereich 2 der Stadt seit zwei Jahren leitet. Mit der Einführung des sogenannten Rückführungs- und Verselbstständigungsmanagements sollte dem entgegengewirkt werden. Kern der Strategie sei eine enge Zusammenarbeit von Jugendamt und Sozialamt.
"Das Jugendamt kümmert sich um das Küken, das Sozialamt um das Nest", beschreibt es Baier. Haben Eltern beispielsweise Probleme, sich um den Haushalt zu kümmern, regelmäßig Lebensmittel einzukaufen und den Kindern ein sauberes Umfeld zu bieten, könne der sozialpädagogische Fachdienst helfen.
Erfolgreiche Rückführungen: Wie Familien wieder zusammenfinden
"Dafür braucht es sehr viel gut ausgebildetes Personal und es dauert seine Zeit, damit die Maßnahmen nachhaltig sind", sagt Baier. Es lohne sich aber, "denn der Kinderschutz ist das oberste Gebot". Für die Arbeit der Ämter gelten verschiedene Paragrafen aus dem Sozialgesetzbuch, an erster Stelle steht jedoch das Grundgesetz: Artikel 6 garantiert Eltern ein Recht auf die Erziehung ihrer Kinder. "Damit verbindet sich aber auch eine Verpflichtung, sich zu kümmern", so der promovierte Sozialpädagoge.
Auch das Kind sei in der Regel lieber bei der Familie. "Da geht es auch um Loyalitätskonflikte, die das Kind austragen muss, was wir nicht wollen." Dafür würden oft auch Lösungen im familiären Umfeld gesucht. Können die Großeltern zu Hause helfen, kann die Tante das Kind morgens zur Schule bringen?
"Uns ist ganz wichtig, dass es erst gar nicht zu Beziehungsabbrüchen kommt. Eine Heimunterbringung ist immer die letzte Option."
Wenn es wegen akuter Kindeswohlgefährdung doch dazu kommen müsse, soll die Unterkunft möglichst nah an der Familie sein, sagt Baier.
Kinderschutz im Fokus: Recht, Verantwortung und gesetzliche Grundlagen
Ein halbes Jahr lang begleiten die Behörden eine Familie nach einer Rückführung intensiv, bis zu einem Jahr werde in größeren Abständen nach dem Kind geschaut, sagt der Abteilungsleiter. Nur wenn der Schutz des Kindes nicht gewährleistet werden kann, könne es nicht zurück in die Familie.
Der Erfolg der Maßnahmen zeige sich auch bei den Kosten für die Heimunterbringung. 2024 konnten laut der Stadt rund 1,4 Millionen Euro eingespart werden, im Jahr 2025 waren es rund 2,4 Millionen Euro.