Steigende Strom- und Heizkosten können Haushalte mit wenig Geld in finanzielle Schwierigkeiten bringen. Wenn eine hohe Nachzahlung fällig wird oder das Geld für die laufenden Abschläge fehlt, helfen unter bestimmten Voraussetzungen auch kirchliche Sozialverbände. Die Caritas und die Diakonie bieten Beratung an, vermitteln Unterstützung und übernehmen regional teilweise auch einen Teil der Kosten.

Welche Hilfen infrage kommen, hängt vom Wohnort und der persönlichen finanziellen Situation ab. Ein Überblick über die Angebote in Bayern.

Caritas: Kostenloser Energiesparcheck für zu Hause

Wer seine Strom- und Warmwasserkosten senken möchte, kann einen kostenlosen Stromsparcheck der Caritas nutzen. Das Angebot richtet sich insbesondere an Menschen mit geringem Einkommen.

Energiesparberater:innen kommen nach Hause, prüfen den Strom- und Warmwasserverbrauch und suchen nach unnötigen Kosten. Dabei geht es beispielsweise um den Verbrauch von Haushaltsgeräten, die Beleuchtung und die Warmwasserbereitung.

Bei einem Besuch können auch kostenlose Energiesparartikel eingebaut werden. Dazu gehören LED-Lampen, Wassersparduschköpfe und schaltbare Steckdosenleisten. Nach Angaben der Caritas haben diese Artikel einen Wert von bis zu 50 Euro pro Haushalt.

Die Maßnahmen können sich finanziell bemerkbar machen: Nach Angaben der Caritas lassen sich die Energiekosten dadurch durchschnittlich um rund 300 Euro im Jahr reduzieren.

So bekommt ihr Hilfe: Die Caritas bietet Stromsparchecks in ganz Bayern an. Die Beratung ist kostenlos und kann vor Ort oder telefonisch stattfinden. Interessierte können sich an die örtliche Caritas wenden und nach dem Stromsparcheck fragen.

Bis zu 750 Euro Soforthilfe für Alleinstehende

Wer nicht nur seine Energiekosten senken muss, sondern bereits Rechnungen nicht mehr bezahlen kann, kann in manchen Regionen auch finanzielle Unterstützung erhalten.

Ein Beispiel ist laut "BR24" der Caritasverband für die Erzdiözese Bamberg. Er unterstützt Menschen in finanziellen Notlagen über einen Energiefonds mit direkten Zuschüssen.

  • Alleinstehende können bis zu 750 Euro erhalten.
  • Familien können mit bis zu 1.500 Euro unterstützt werden.
  • Energiesparender Kühlschrank: Für Menschen, die Grundsicherung, Sozialhilfe oder Wohngeld beziehen, ist unter bestimmten Voraussetzungen ein Zuschuss von bis zu 200 Euro für die Neuanschaffung möglich.

Mit den Energiebeihilfen können unter anderem offene Strom-, Gas- und Heizölrechnungen bezahlt werden. Die Zuschüsse sind als Hilfe in einer akuten finanziellen Notlage gedacht.

Die Nachfrage ist hoch: Nach Angaben der Caritas Bamberg wurden bis zur Jahresmitte bereits für 200 Haushalte ausstehende Energierechnungen bezahlt. Der Verband rechnete für 2026 mit Energiebeihilfen von insgesamt mehr als 300.000 Euro.

Wichtig: Die genannten Beträge gelten für das Angebot in Bamberg und sind keine allgemeine Leistung der Caritas in ganz Bayern. Ob und in welcher Höhe Hilfe möglich ist, muss im Einzelfall geklärt werden.

So bekommt ihr Hilfe: Wendet euch an eine örtliche Caritas-Beratungsstelle. Die allgemeine soziale Beratung hilft auch bei finanziellen Schwierigkeiten und informiert über mögliche Unterstützungsleistungen.

Diakonie München: Hilfe bei hohen Energienachzahlungen

Auch die Diakonie München und Oberbayern unterstützt Menschen, die ihre Energiekosten nicht aus eigener Kraft bezahlen können. Das spendenfinanzierte Projekt "Warmes Zuhause" richtet sich an einkommensschwache Haushalte, die beispielsweise mit einer hohen Nachforderung für Strom oder Heizung konfrontiert sind.

Neben der Beratung ist auch direkte finanzielle Unterstützung möglich. Sie ist an ein Beratungsgespräch gebunden. Nach Angaben der Diakonie konnten seit dem Start des Projekts im Januar 2023 bereits in mehreren Hundert Fällen Menschen direkt unterstützt werden.

Zum Angebot gehören auch individuelle Beratung und die Suche nach weiteren Hilfsmöglichkeiten. Ob eine finanzielle Unterstützung möglich ist, wird im Einzelfall geprüft.

So bekommt ihr Hilfe:

Diakonie München und Oberbayern – Projekt "Warmes Zuhause"

Telefon: (089) 1269915504

Telefonische Erreichbarkeit: Montag und Donnerstag, jeweils von 9 bis 12 Uhr.

Weitere Informationen gibt es auf der Website der Diakonie München und Oberbayern.

Was tun, wenn die Energierechnung nicht bezahlt werden kann?

Wer eine hohe Nachzahlung erhält oder merkt, dass das Geld für Strom und Heizung nicht mehr reicht, sollte sich möglichst früh beraten lassen. Auch wenn noch keine Sozialleistungen bezogen werden, kann es sinnvoll sein, die eigene Situation prüfen zu lassen.

Die Caritas und die Diakonie können dabei helfen, die finanzielle Lage einzuschätzen und mögliche Unterstützungsleistungen zu finden. Dazu gehören neben kirchlichen Hilfsfonds auch staatliche Leistungen, auf die unter bestimmten Voraussetzungen ein Anspruch bestehen kann.

Wichtig ist, die Rechnung nicht einfach liegen zu lassen. Wer eine Zahlungsaufforderung oder eine Ankündigung zur Stromsperre erhalten hat, sollte sich zeitnah an eine Sozialberatungsstelle wenden und zugleich mit dem Energieversorger über eine mögliche Zahlungsvereinbarung sprechen.

Hilfe gibt es nicht nur bei der Kirche vor Ort

Die genannten Beispiele zeigen, dass kirchliche Sozialverbände auf zwei Wegen unterstützen: Sie helfen dabei, den Energieverbrauch dauerhaft zu senken, und können in akuten Notlagen finanzielle Hilfen vermitteln oder selbst gewähren.

Allerdings unterscheiden sich die Angebote regional. Nicht jede Beratungsstelle verfügt über einen eigenen Energiefonds, und Zuschüsse sind nicht automatisch garantiert. Deshalb lohnt sich eine Nachfrage bei der örtlichen Caritas oder Diakonie auch dann, wenn ein bestimmtes Angebot nicht direkt am eigenen Wohnort verfügbar ist.