Fast 183.000 Soldatinnen und Soldaten gehören derzeit der Bundeswehr an (Stand: 31. Juli 2025).
Nach Einschätzung des Verteidigungsministeriums werden jedoch erheblich mehr gebraucht: Auf mindestens 260.000 aktive Soldatinnen und Soldaten soll die Truppe anwachsen. Zudem ist geplant, die Zahl der Reservisten auf 200.000 zu erhöhen.
Helfen soll ein neuer Wehrdienst, der auf Freiwilligkeit setzt, junge Menschen aber zugleich verpflichtet, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) stellte das Modell vor.
Was sieht das Modell zentral vor?
Ab dem 1. Januar 2026 sollen volljährige junge Menschen einen Fragebogen erhalten, in dem sie angeben sollen, ob sie bereit für den Dienst in der Bundeswehr sind. Junge Männer müssen diesen Fragebogen verpflichtend beantworten, für Frauen ist die Teilnahme freiwillig. Wer sich bereit erklärt, kann anschließend rekrutiert werden.
Attraktivere Bedingungen
Der Dienst soll durch verschiedene Anreize attraktiver werden – etwa durch Verpflichtungsprämien, Sprachkurse, einen Zuschuss zum Führerschein und eine bessere Besoldung. Wehrdienstleistende sollen künftig rund 2.300 Euro netto im Monat verdienen.
Gibt es weitere Pflichten?
Ja. Ab dem 1. Juli 2027 wird eine verpflichtende Musterung für alle 18-jährigen Männer eingeführt. Das Verteidigungsministerium will damit ein genaues Lagebild über die gesundheitliche Eignung junger Menschen erhalten.
Wie lang wird der neue Wehrdienst sein?
Der Wehrdienst soll flexibel gestaltet werden: Nach einer sechsmonatigen Grundausbildung können sich Rekrutinnen und Rekruten monatsweise für bis zu insgesamt 23 Monate verpflichten.
Warum gelten die Pflichten nur für Männer?
Die im Grundgesetz vorgesehene und 2011 ausgesetzte Wehrpflicht betrifft ausschließlich Männer. Eine Einbeziehung von Frauen würde eine Verfassungsänderung erfordern – dafür wären Zwei-Drittel-Mehrheiten in Bundestag und Bundesrat notwendig. Da diese aktuell nicht absehbar sind, setzt die Bundesregierung bei Frauen zunächst auf Freiwilligkeit.
Ist eine Rückkehr zur alten Wehrpflicht ausgeschlossen?
Eine automatische Rückkehr ist nicht vorgesehen. Das neue Modell erlaubt aber eine Wiedereinführung, wenn der Bedarf an Soldatinnen und Soldaten steigt und nicht durch Freiwillige gedeckt werden kann. Dafür müsste der Bundestag eigens grünes Licht geben.
Der neue Wehrdienst in Zahlen und Fakten
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183.000 Soldatinnen und Soldaten
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Ziel: 260.000 aktive Soldatinnen und Soldaten
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200.000 Reservisten geplant
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Fragebogen ab 1. Januar 2026: verpflichtend für Männer (Jahrgänge ab 2008), für Frauen freiwillig
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Besoldung: ca. 2.300 Euro netto monatlich, plus Prämien, Sprachkurse, Zuschuss zum Führerschein
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Musterung ab 1. Juli 2027 verpflichtend für alle 18-jährigen Männer
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Dauer: 6 Monate Grundausbildung, danach flexible Verpflichtung bis zu 23 Monate