Der Weltgebetstag der Frauen gilt als die größte Basisbewegung christlicher Frauen weltweit. Der Gottesdienst für 2026 steht unter dem Titel "Kommt! Bringt eure Last." und wurde von Christinnen aus Nigeria gestaltet.
In diesem Jahr wird die Liturgie am 6. März in zahlreichen ökumenischen Gottesdiensten gefeiert. Brunhilde Raiser findet, dass Nigeria eine naheliegende Wahl sei, wenn es um das Tragen und Teilen von Lasten geht. Die Frauen trügen dort auf dem Land tatsächlich Lasten auf dem Kopf, sagte die Theologin und evangelische Vorstandsvorsitzende des Weltgebetstags. Der Verein "Weltgebetstag der Frauen - Deutsches Komitee" hat seine Geschäftsstelle in Stein (Landkreis Fürth).
Die Auswahl der Schwerpunktländer des Weltgebetstags erfolgt bei den internationalen Treffen, die alle vier bis sechs Jahre stattfinden. "Die Regionen sind immer im Wechsel dran, für dieses Jahr war es Afrika", sagte Raiser dem Evangelischen Pressedienst (epd).
Allerdings sei vorhersehbar gewesen, dass es mit Nigeria nicht einfach werden wird. Die Situation habe sich in den vergangenen Monaten unter anderem durch den Einsatz der US-Armee noch einmal verschärft. US-Streitkräfte haben im Dezember vergangenen Jahres mutmaßliche IS-Kämpfer im Nordwesten des Landes angegriffen, die Angriffe richten sich laut Angaben der Amerikaner gegen Terroristen, die Christen ermordet haben sollen.
"Land voller Kreativität"
"Sicherheit ist eine der größten Herausforderungen in Nigeria", hob Raiser hervor. Dennoch bewahren sich viele Menschen ihre Hoffnung und ihr Vertrauen in Gott. Eine Hoffnung, die die Frauen aus dem westafrikanischen Land zum Weltgebetstag in Gebeten, Liedern und berührenden Lebensgeschichten teilen:
"Es sind Geschichten, die unter die Haut gehen, die aber auch eine große Versöhnlichkeit zeigen."
Die Liturgie mache deutlich, dass Nigeria ein lebendiges Land voller Kreativität ist.
Für viele Deutsche werde die Liturgie ungewohnt sein, betonte die Theologin. Sie sei sehr ausführlich, es gebe viele Wiederholungen. "Die Nigerianerinnen beten sehr viel emotionaler. Ich hoffe, dass es den Teilnehmerinnen und Teilnehmern gelingt, sich in die Worte, den Klang und die Inhalte hineinzuschwingen", sagte Raiser. Deren zentraler Gedanke sei: "Es wird schon werden, Gott ist da." Die Frauen in Nigeria setzten viel mehr auf Hilfe und Abhilfe durch Gott als etwa in Europa.
"Glauben leben und erleben"
Gerade die Andersartigkeit sei aber ein wichtiges Element des Weltgebetstags: "Es geht darum, das Land, das Leben und den Glauben anderer Länder kennenzulernen, zu sehen, wie reich und unterschiedlich die Möglichkeiten sind, den Glauben zu leben und zu erleben."
Brunhilde Raiser feierte ihren ersten Weltgebetstag 1978. Damals kam sie als Theologiestudentin in eine Kirchengemeinde, in der ihr Mann Vikar war. Dort gehörte das Feiern des Weltgebetstags selbstverständlich dazu.
"Ich kannte mich damit überhaupt nicht aus, sollte aber mitfeiern. Die Liturgie kam aus Thailand. Darin kam eine Prostituierte vor. Mir wurde zugeteilt, deren Rolle zu sprechen. Das war der Zündfunke, mich für frauenpolitische Arbeit im kirchlichen und nichtkirchlichen Bereich zu engagieren."
Kraft der Gemeinschaft
Brücken bauen, Gerechtigkeit und Frieden seien die zentralen Gedanken des Weltgebetstags. "In dieser völlig verschobenen geopolitischen Situation einen Gegenakzent zu setzen, das ist die Stärke des Weltgebetstags. Es liegt eine große Kraft darin", sagte Raiser. Die Gemeinschaft gebe Kraft zum Widerstand und zum Durchatmen. Gemeinsam mit Frauen auf der ganzen Welt um Frieden zu beten -
"das ist doch eine unglaubliche Bewegung, eine unglaubliche Idee".
Es sei eine Idee, die nicht alt wird, ist Raiser überzeugt. Immer wieder spüre sie: Wer den Weltgebetstag neu kennenlernt, der findet ihn spannend. Selbst dort, wo Frauen aus der Kirche austreten, feiern sie den Weltgebetstag.
Der Weltgebetstag findet jeweils am ersten Freitag im März statt. Allein in Deutschland folgen etwa 800.000 Menschen dieser Einladung. Das Deutsche Komitee des WGT unterstützt mehr als 100 Partnerorganisationen mit Projekten für Frauen und Mädchen weltweit. 2025 kamen in Deutschland anlässlich des Weltgebetstags Spenden und Kollekten in Höhe von mehr als 2,2 Millionen Euro zusammen.
Weltgebetstag
In mehr als 120 Ländern organisieren und gestalten Frauen jedes Jahr den Weltgebetstag am ersten Freitag im März. Die vor fast 140 Jahren in den USA entstandene Glaubensinitiative gilt heute als größte Basisbewegung von Christinnen. Jedes Jahr wird die Lebenssituation von Frauen eines bestimmten Landes oder einer Region ins Zentrum gestellt: 2024 war das Thema Palästina, 2025 die Cookinseln im Südpazifik. Sein deutschsprachiger Titel lautete: "wunderbar geschaffen!"
Im Jahr 1927 wurde erstmalig international ein Weltgebetstag von christlichen Frauen unterschiedlicher Konfessionen gefeiert. Die Frauen wollen seitdem Zeichen für Frieden und Versöhnung setzen sowie für die Gleichberechtigung von Frauen in Kirche und Gesellschaft kämpfen. "Als eine der ersten engagierten sie sich für Umweltschutz. Unerschrocken traten sie gegen Rassismus und Intoleranz ein", erläutert das deutsche Weltgebetstags-Komitee mit Sitz in Stein bei Nürnberg.
In vielen Gemeinden Deutschlands gilt der Weltgebetstag als die lebendigste, langjährigste und oft auch einzige ökumenische Initiative. Dabei stehen spirituelle, religiöse und gesellschaftliche Fragen sowie das politische Engagement für Frauenrechte im Vordergrund. Das Ökumene-Event findet oft in Kooperation mit Frauen-Netzwerken, Eine-Welt-Läden, Kinos oder Buchläden statt.
Der Weltgebetstag wurde von christlichen Frauen gegründet, aber inzwischen feiern auch Männer mit. Christlicher Glaube, Gebet und das aktive Handeln für eine gerechte Welt gehören nach Angaben der Organisatorinnen beim Weltgebetstag untrennbar zusammen. Sichtbares Zeichen dafür sind etwa die Kollekten aus den Gottesdiensten. Mit dem Erlös werden Projekte in aller Welt unterstützt.
1887 versammelten sich Christinnen erstmals zu einem Frauengebetstag in den USA. Ein erster ökumenischer Weltgebetstag in Deutschland fand 1947 im Berlin der Nachkriegszeit statt. Seit Anfang der 1960er-Jahre engagieren sich auch römisch-katholische Frauen vermehrt in der Bewegung. 1968 wurde in Schweden ein Internationales Weltgebetstagskomitee gegründet. Seit 1970 treffen sich Frauen aus allen Regionen der Welt in der Regel alle vier Jahre, um die zukünftigen Länder und Bibelstellen auszuwählen.
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