Am Ostermontag beginnt in vielen Orten der bayerischen Landeskirche (ELKB) die Pilgersaison 2026. Für alle, die der Tradition folgen möchten – sei es aus Neugier, Sehnsucht oder spirituellem Interesse – ist dies der perfekte Moment, die Wanderschuhe wieder rauszuholen. Michael Kaminski, Beauftragter für Pilgern in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und erfahrener Pilgerbegleiter, gibt drei Impulse und Tipps, die Lust machen, den ersten Schritt zu wagen - und berichtet von den kleinen Überraschungen und tiefen Begegnungen, die ihn unterwegs begleiten.

Der persönliche "Emmausmoment"

Der "Emmausgang" greift die biblische Geschichte der Jünger auf, die Jesus begegnen, ohne ihn zu erkennen. Was ist Ihr ganz persönlicher "Emmausmoment" beim Pilgern? 

Kaminski: Der österliche Emmaustext erzählt etwas, das ich beim Pilgern immer wieder erlebe: Zwei Jünger gehen nach Jesu Tod nach Hause – enttäuscht, erschüttert, voller verlorener Hoffnung. Sie teilen ihren Kummer mit einem Mitwanderer, der zuhört, versteht und gemeinsam mit ihnen das Geschehen deutet. Sie kehren ein, teilen Brot und Wein – und erkennen Christus in ihrem Weggefährten.

Beim Pilgern treffe ich oft Menschen in Übergangssituationen: Trauernde, die jemanden verloren haben, Menschen, die sich beruflich oder persönlich neu orientieren, Kranke oder Menschen kurz vor dem Ruhestand. Auf dem Weg sprechen wir über unser Leben, versuchen es zu verstehen, teilen Essen und Trinken, Freude und Trauer – und werden einander zum Christus.

Besonders spürbar ist das in thematischen Gruppen, die zu Inhalten wie "Am Anfang war die Sehnsucht", "Gehen – Trauern – Wandeln" oder "Aufbruch in ein weites Land" pilgern. Immer kehren wir bereichert und ermutigt zurück – wie die Emmausjünger.

Was gehört in den Pilgerrucksack?

Was nehmen Sie alles mit, und was darf auf keinen Fall fehlen?

Neben wetterfester Ausrüstung habe ich immer dabei: ein paar ermutigende Segenstexte, eine Candle to go, um Licht ins Dunkle zu bringen, eine Vogelfeder, die mir Leichtigkeit schenkt. Klassiker wie die Jakobsmuschel am Rucksack und mein Pilgerstab aus dem Wald begleiten mich seit 19 Jahren. Nie fehlen darf Tape – damit kann man fast alles kleben und vor allem Blasen an den Füßen verhindern.

Ostermontag aufbrechen – was man vorher wissen sollte

Wer am Ostermontag zum ersten Mal lospilgert: Was sollte man wissen, und muss man dafür gläubig sein?

Die Evangelische Landeskirche eröffnet die Pilgersaison jedes Jahr am Ostermontag – diesmal an 19 Orten in ganz Bayern. Die Formate sind unterschiedlich: Mal ist es ein Weggottesdienst über zwei Kilometer, mal eine ausgereifte Tageswanderung. Entsprechend variiert auch die Ausrüstung.

Was immer dabei sein sollte: Sehnsucht und Neugier auf das Geschehen und die Impulse der Pilgerbegleiter:innen. Mut und Lust, anderen Menschen, sich selbst und vielleicht auch Gott zu begegnen. Religiös oder gar christlich zu sein, ist dabei nicht nötig. Pilgern ist eine universelle spirituelle Übung. Ein offenes Ohr und ein offenes Herz genügen, um den Weg als Bereicherung und Segen zu erleben.

Michael Kaminski

Michael Kaminski ist Beauftragter für Pilgern in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (ELKB) und Pilgerreferent im Spirituellen Zentrum St. Martin in München. Der evangelische Religionspädagoge pilgert seit 19 Jahren – mit mehr als 20.000 Kilometern in den Beinen. Mit Gruppen ist er vor allem auf bayerischen Jakobswegen unterwegs, zu Themen wie Trauer, Neuanfang oder Lebenswenden. Seit 2014 bildet er für die Landeskirche Pilgerbegleiter:innen aus.