6.09.2020
Evangelische Morgenfeier

Predigt: Schau hin! (Apg 6,1-7)

"Was ich sehe, hat immer auch mit meinem inneren Auge zu tun, mit dem was mich bewegt, mich umtreibt und beschwert. Menschen anschauen, ihr Leben betrachten, ihre Situation wirklich wahrnehmen, den Blick eines anderen suchen oder aushalten, das alles macht etwas mit mir. Es stellt mich in Beziehung zu anderen, es fordert mich heraus Stellung zu nehmen, meine Meinung zu äußern und es rührt mich an." Evangelische Morgenfeier von Pfarrerin Jacqueline Barraud-Volk, Marktbreit
Barmherziger Samariter
Der barmherzige Samariter, Gemälde von Paula Modersohn-Becker

Henri Cartier-Bresson: Humanistische Fotografie

"Das Auge des Jahrhunderts" haben sie ihn genannt: Henri Cartier-Bresson, französischer Fotograph. Seine schwarz-weiß Fotografien aus aller Welt und besonders die Bilder der Befreiung aus dem Jahr 1945 erzählen vom Leben in einem verdichteten Augenblick. Da er dabei die Menschen weder idealisiert, noch bloßstellt oder gar verdammt, sondern sie in ihrer ganz normalen Alltagsumgebung zeigt, hat man seinen Stil auch mit "humanistischer Fotografie" umschrieben. Der Blick auf das Leben, so sagt er einmal, der Moment und das darin steckende Gefühl, so wie es sich darbietet, darin liege sein Interesse. Keine gekünstelte Atmosphäre, keine gestellte Situation, keine retuschierten Oberflächen hatten je eine Chance bei ihm.

Was für ein Kontrastprogramm zu heutigen Aufnahmen, wo nicht einmal mehr ein Passbild ohne Retusche auskommt, weil der Mensch nicht mehr sein kann, nicht mehr sein darf, wie er wirklich ist. Wer dem ungeschönten Blick standhält, muss einen barmherzigen Blick auf den Menschen haben. Das fällt mir auf, wenn ich im Fotobuch Cartier-Bressons blättere. Er hält das Unperfekte aus, kennt sich aus mit der Vielfalt und den Tiefen des Lebens, und ist ganz frei von normierten Vorstellungen jeglicher Art, wie sie uns etwa im Rassismus unserer Tage begegnen.

Als er nach Kriegsende Kriegsgefangene und Geflüchtete in Deutschland fotografiert, drückt er nicht nur auf den Auslöser seiner alten Leica-Kamera, sondern fühlt sich den Menschen verbunden. Kriegsgefangenschaft und Flucht hat er in den Jahren zuvor selbst erlebt. Man spürt das diesen Bildern ab. Sein Hinsehen geschieht mit innerer Beteiligung. Selbst als er im Lager von Dessau diese unglaubliche Szene festhält: Eine ehemalige Gefangene erkennt ihre Denunziantin wieder, die sie an die Gestapo auslieferte. Wut und Scham, Gerechtigkeitssinn und Selbsterkenntnis, Freiheit und Trauer – die Ambivalenzen liegen hier ganz dicht beieinander. Das Foto wird zum Spiegel, der die gesamte unsägliche Kriegszeit festhält in einem Augenblick. Und die seelischen Regungen des Fotografen selbst.

Cartier-Bresson hat diese Tiefendimension einmal so ausgedrückt: Das eine Auge des Fotografen schaut weit geöffnet durch den Sucher, das andere, das geschlossene, blickt in die eigene Seele.[1] Und vielleicht trifft das ja auch auf mich zu als Betrachterin dieser Fotografien. Und es gilt für das Sehen überhaupt.

Was ich sehe, hat immer auch mit meinem inneren Auge zu tun, mit dem was mich bewegt, mich umtreibt und beschwert. Menschen anschauen, ihr Leben betrachten, ihre Situation wirklich wahrnehmen, den Blick eines anderen suchen oder aushalten, das alles macht etwas mit mir. Es stellt mich in Beziehung zu anderen, es fordert mich heraus Stellung zu nehmen, meine Meinung zu äußern und es rührt mich an.

"Treib aus, o Licht, all Finsternis, behüt‘ uns, Gott, vor Ärgernis, vor Blindheit und vor aller Schand" heißt es deshalb in einem alten Morgenlied. Mit der Bitte um wache Augen will ich diesen Sonntag zusammen mit Ihnen beginnen, liebe Zuhörende.

Wenn ich mit wachem Auge wahrnehme, bleiben die Momente und Augenblicke gespeichert in meinem Gedächtnis, in meiner Seele.

Der Familienvater, der bei uns am Pfarrhaus klingelt und mit gesenktem Blick um Lebensmittel bittet, weil sein Kurzarbeitergeld in Coronazeiten nicht ausreicht, um am Ende des Monats die Familie durchzubringen; der Kollege, der mir ermutigend zuzwinkert, als jemand ganz unbegründet im Lehrerzimmer all seine Wut an mir auslässt; oder der Hund, der mir bei einem Krankenbesuch die Pfote auflegt und mich mit dem berühmten Hundeblick sekundenlang anschaut, als wolle er sagen: "Bitte, tu was!" Nicht immer bin ich in der Verfassung, mit offenem Blick anderen zu begegnen, wirklich alles zu sehen. In bewegten Zeiten kann es vorkommen, dass ich den Blick allein auf mich selbst richte und kaum mitbekomme, was sonst noch los ist.

Aber auch um das Gute und das Beglückende in meinem Leben zu sehen, brauche ich diesen wachen und aufgeschlossenen Blick. Und wenn ich neugierig und offen bleibe, kann es mir begegnen: das Sekundenglück, von dem Herbert Grönemeyer so wunderbar singt. Sekundenglück - ein Moment, wie bei einem ganz besonderen Foto, wenn es im richtigen Augenblick klick macht.

Predigt über das Wegsehen…

Hinsehen oder wegsehen. Das kann auch ganz schnell existenziell werden. Zusammengeschlagen, blutüberströmt und ausgeplündert liegt ein Mensch am Wegrand. Er atmet schwer, die Sonne sticht gnadenlos. Es ist die Strecke zwischen Jerusalem und Jericho. Die Situation ist ziemlich aussichtslos, weit und breit niemand zu sehen. Endlich kommen zwei Menschen, ehrwürdige Männer, vorbei. Sie sehen ganz genau, was passiert ist.

Regungslos liegt der Überfallene da, die zerfetzte Kleidung ist vollkommen verstaubt, das Gesicht geschwollen und überall klebt geronnenes Blut. Schlimm schaut das aus…  Aber bevor sie nur einen einzigen Finger rühren, fallen ihnen die besten Entschuldigungen der Welt ein: keine Zeit und die Pflicht ruft. Sie schauen einfach weg, richten den Blick stur auf den Weg, der vor ihnen liegt und lassen den Schwerverletzten links liegen. Einige Zeit später kommt ein weiterer Mensch des Weges. Fremdes Land, fremde Religion. Einer aus Samarien. Ein Samariter. Auf den gibt hier keiner einen Cent. Von dem ist nichts zu erwarten. Auch er sieht den Überfallenen. Und tut was zu tun ist: er desinfiziert und verbindet sorgsam die Wunden, hebt den Verletzen vorsichtig auf seinen Esel, bringt ihn zur Pflege in eine Herberge und begleicht auch gleich die Rechnung dafür. (Lukas 10,25-36)

Diese Geschichte aus der Bibel, das Gleichnis vom barmherzigen Samariter ist ein Klassiker. Jesus hält damit allen einen Spiegel vor: allen Unbarmherzigen, allen Unentschlossenen, allen Sich-Selbst-Entschuldigern, allen Bequemen und Lustlosen. Das gelingt ihm grandios. Die Gnadenlosen, die Vorbeigeher in der Geschichte Jesu, sie ernten unsere volle Empörung. Wie kann man nur! So wie die möchte niemand sein: Diese ewigen Wegschauer!

Die, die betreten auf den Boden schauen und schweigen, wenn jemand an der Supermarktkasse oder im Betrieb menschenfeindliche Witze über Frauen, Juden oder Fremde macht.

Oder Geschäftsleute, die genau wissen, dass ein T-Shirt in Bangladesch zu Hungerlöhnen und unter menschenunwürdigen Verhältnissen hergestellt wird und die dennoch nichts dagegen tun, ein Lieferkettengesetz für überflüssig halten und nur wegschauen, um große Kasse zu machen.

Oder wir Verbraucher, wenn wir, obwohl wir es wissen, dass nur in fair gehandelter Schokolade keine Kinderarbeit steckt, uns dann doch immer wieder vom Blick auf die schöne bunte Werbung und ihren Versprechungen beeindrucken lassen. All das ist bittere Realität und es schreit danach gesehen und verändert zu werden. Auch ich erkenne mich im Spiegel dieser Geschichte wieder. Sie ist und bleibt eine Zumutung!

Mein Glaube, mein Vertrauen auf Gott spielt sich einerseits in meinem Kopf ab. Klar. Ich bete, ich lese in der Bibel, ich feiere Gottesdienst, ich mache mir Gedanken, ich stelle mir Fragen, das ist die Grundlage. Aber wie ein Hefeteig will diese religiöse Praxis alle Bereiche meines Lebens durchdringen. Glaube hat ganz praktische Konsequenzen.

Man kann es spüren, wenn in einer Kirchengemeinde Menschen einander wirklich wahrnehmen. Wenn unsere syrischen Kinder im Kindergarten freundlich von den anderen aufgenommen werden und sie schnell Freundschaften schließen. Wenn so viele, die sich in der Kirche engagieren auch in der Zivilgesellschaft anpacken. Ehrenamtlich bei der Feuerwehr oder im Stadtrat, bei Ärzte ohne Grenzen oder in der Hausaufgabenbetreuung, im Besuchsdienst einer Senioreneinrichtung oder in einem der vielen Vereine, wo sie für den Zusammenhalt in der Gesellschaft sorgen. Das alles ist nicht selbstverständlich, es ist bemerkenswert und es kommt von Herzen.

Das alte lateinische Wort misericordias, also Barmherzigkeit fasst das zusammen. Da wo eine Not, ein Elend, eine Misere wahrgenommen wird und wo dann das Herz dazukommt, da entsteht sie. Das ist beileibe kein Automatismus. Barmherzigkeit ist keine Selbstläuferin. Sie fordert unsere beherzte Kopf- und Handarbeit. Und sie benötigt unsere Widerstandskraft. Ich muss mich immer wieder neu dazu ermutigen genau hinzusehen. Das ist anstrengend. Wer das tut in seinem Umfeld und weltweit, der wird viel sehen. Und kann dann schnell dazu verleitet werden, aufzugeben, sich von nichts und niemandem mehr anrühren zu lassen, den Blick abzuwenden und hart zu werden. Wolf Biermann hat dagegen angesungen: gegen Verhärtung und Gleichgültigkeit. Ein ganz anderes Lied über die Barmherzigkeit. "Du, lass dich nicht verhärten in dieser harten Zeit!"

Wolf Biermann und Peter Huchel

Wolf Biermann hat damals genau hingesehen. Als sein Freund, der Dichter und Redakteur Peter Huchel, auf Druck der Stasi seine Anstellung verlor, nicht mehr publizieren durfte, seine Post konfisziert und er selbst isoliert und fürchterlich diffamiert wurde, da schaute Biermann nicht weg, sondern widmete ihm mutig dieses Lied. Eine klare Ansage an alle Unterdrücker und dennoch zart, menschlich, hoffnungsvoll. Am Ende singt er vom Grün, das aus den Zweigen bricht und das niemand aufzuhalten vermag. Ja, Barmherzigkeit ist wie ein kleiner grüner Zweig, der trotzig die Kraft und die Hoffnung hat zu wachsen, sich zu entfalten und nicht aufzugeben. Barmherzigkeit beginnt mit dem wachen Blick, der standhält und, so hart die Zeiten auch sein mögen, sich nicht verbiegen und abwenden lässt.

Und dennoch passiert das immer wieder. Einer Studie zufolge fühlen sich 30 % der Deutschen nicht gesehen.[2] Dieses "unsichtbare Drittel" ist auf politisch-gesellschaftlicher Ebene kaum sichtbar, so die Forschenden.

Das ist weder für die Demokratie, in der doch jede Stimme zählt, noch für die Menschen selbst gut. Vereinsamung und Isolation nagen am Selbstwert und sind belastend. Wir brauchen den Blick und die Zuwendung anderer. Übersehen zu werden, das ist eine große Kränkung.

Auf eine Gruppe von Menschen, die das in doppelt schmerzhafter Weise erleben kann, weist eine biblische Geschichte hin. Frauen, die ihren Mann verloren haben und nicht nur mit diesem Verlust leben müssen, sondern auch mit dem Gefühl: ich bin nicht mehr vollständig, ich werde nicht mehr eingeladen. Um mich herum nur Paare, die sich irgendwie selbst genügen.

In der Apostelgeschichte geht es auch um die wirtschaftliche Existenz der Witwen in den ersten christlichen Gemeinden in Jerusalem. Frauen haben in der damaligen Gesellschaft kaum Rechte. Stirbt der Mann, bleibt die Witwe regelrecht im luftleeren Raum, nicht berechtigt alleine für ihren Unterhalt zu sorgen und somit angewiesen auf Verwandte oder die Armenfürsorge. Die ersten christlichen Gemeinden sind auch deshalb so attraktiv, weil sie das Elend der Frauen sehen und ganz im Sinne Jesu, etwas dagegen unternehmen.

Die Theologin Luise Schottroff hat die Sozialgeschichte der ersten christlichen Gemeinden studiert und gibt uns ein genaues Bild über einen Konflikt, den die Apostelgeschichte vornehm als ein "Übersehen der Witwen" beschreibt:

"Wie schon an zwei Abenden dieser Woche hat es heute in einer Jerusalemer Hausgemeinschaft Streit gegeben. Abends treffen sich Anhänger und Anhängerinnen Jesu zu gemeinsamem Essen und Beten in verschiedenen Häusern. Es ist Brauch, dass alle Mitglieder der Gruppe sich an der notwendigen Diakonie, der Hausarbeit, beteiligen. So haben sie es von Jesus gelernt, der nicht wollte, dass einige bedienen und andere sich bedienen lassen. Für die freigeborenen Männer in der Gruppe ist diese Gemeindepraxis eine harte Erfahrung. Gemüse vorbereiten, Geschirr reinigen, Fußböden fegen – das mutet eigentlich niemand auf der ganzen Welt einem freien Mann zu. Diese Arbeiten gelten als Sache der Frauen, der Sklaven und Sklavinnen. Und nun in der Jesusgemeinschaft müssen Männer bedienen. (…)Sie erwarten von Witwen besonders ruhiges Benehmen und unauffälligen Service. Aber diese Witwen treten als Gruppe fordernd und gut informiert auf und melden sich dauernd zu Wort. (…) Jetzt gibt es oft Streit. Manche Männer weigern sich, die Witwen zu bedienen, aber die Witwen bestehen darauf."[3]

Frauen zu Randfiguren, sie fast unsichtbar zu machen – das hat leider Tradition. Von den Witwen wird ein besonders ruhiges Benehmen erwartet. Ich würde mal behaupten, dass das zum großen Teil heute immer noch so ist. Witwen mit einer absolut kleinen Rente, wer sieht sie eigentlich, wer hört sie, wer setzt sich für sie ein? All die Frauen und auch Männer, die in den systemrelevanten Bereichen wie Pflege, Erziehung oder Lebensmittelversorgung arbeiten. Ihre Arbeitsbedingungen, ihr Lohn, ihr Ansehen, das alles schreit zum Himmel. Es genügt wirklich nicht einmal zu klatschen und dann wieder den Blick abzuwenden.

In der Urchristenheit hat man damals nicht nur hingesehen, sondern auch etwas verändert. Denn eines war klar: Jesus denkt anders über Witwen und Frauen, über die, die am Rand stehen. Er hat sie nie übersehen. Und so schaffen sie es damals, das Diakonenamt aus der Taufe zu heben. Ein elementares Berufsbild, das Garant dafür sein soll, dass die Kirche auch ihren praktischen Anspruch, die Zuwendung zum Menschen, das Lindern der Not, niemals vergisst.  

Und dennoch: Bis heute werden auch in der Kirche Menschen übersehen. Und ich bin dankbar für jene, die mir als Pfarrerin die Augen öffnen.

Etwa Tobias Faix, ein Theologie-Professor, der im vergangenen Jahr zum Thema "Singlesein in der Kirche" geforscht hat. Über 3000 Interviews zeigen: Alleinstehende in Kirchengemeinden fühlen sich vernachlässigt und ausgegrenzt. Und das sind viele. Die am meisten wachsende gesellschaftliche Gruppe ist die am wenigsten Beachtete in der Kirche, so sein Fazit. Dazu kommt, dass viele unter dem normativen Druck von Ehe und Familie leiden. Eine von ihnen erzählt:

"Als Single wird mir immer wieder unterschwellig das Gefühl entgegengebracht, unvollkommen zu sein. Als ob eine richtige Christin Ehepartner und Kinder vorzuweisen hätte."

Nach einem Gottesdienst hat mich jemand darauf aufmerksam gemacht, dass es schwierig sei für Menschen mit diverser Identität, die also nicht wissen ob sie eher männlich oder weiblich sind, wenn der Pfarrer beim Psalmgebet sagt: "Die Frauen beginnen und die Männer lesen die eingerückten Zeilen des Psalms."-

"Da bin ich draußen" sagt mein Gegenüber. "Da weiß ich, ich gehöre einfach nicht dazu, passe nicht in das immer noch gängige Schema "männlich-weiblich". Es gibt wissenschaftliche Erkenntnisse, da kann man doch heute nicht mehr so tun, als gäbe es keine transidenten Menschen." Ich merke, ich lerne immer wieder dazu. Und zum wachen Blick gehört wohl auch das offene Ohr, das Gespräch, bei dem man sich traut geradeheraus zu reden und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

Eigentlich faszinierend. Unser Erkenntnisvermögen steht nie still. Durch Menschen, denen wir begegnen, kommt etwas in Bewegung. Wir bleiben Suchende. Auch wenn wir den Dingen manchmal hinterherrennen. Die Sängerin Mine kennt das.

Angesehen von Gott

"Und Gott sah an, alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut." Wir leben unter diesem gnädigen, so durch und durch gütigen Blick Gottes. Der Psalm 139 wagt sogar die Aussage: "Deine Augen sahen mich, da ich noch nicht bereitet war."[4] Gott sieht und sieht hin, immer und stetig und barmherzig. Wie der Fotograph, dem kein Augenblick entgeht. Wie der Samariter, der keine Grenzen der Herkunft und der Religion kennt und anpackt, wo er gebraucht wird. Wie die Witwen, die nicht klein beigeben und auf sich aufmerksam machen.

Wie die Diakonin, die Pflegekraft, die Erzieherin im Kindergarten, die hinsieht und handelt und auch selbst gesehen werden will.

Und wenn Gott mir ins Herz sieht (1. Samuel 16,7), dann kommt einiges ins Lot. Er schaut leidenschaftlich und barmherzig hin. Will mich stärken und nach vorne bringen. Sein Blick hält allen Menschen stand und gibt niemanden auf. Er sieht so viel mehr, dass er auch vermag uns zu verändert, wo wir es noch gar nicht bemerken. Sein Blick zieht mich geradezu in sein Kraftfeld. Hier kann auch ich anders sehen: mit den Augen des Herzens. Die vertrauen, auf Hoffnung setzen und auf Barmherzigkeit.

 

[1] http://www.kunstzitate.de/bildendekunst/kuenstlerueberkunst/cartier-bresson_henri.htm

[2] Vgl. https://www.zeit.de/2019/44/soziale-gerechtigkeit-more-in-common-studie-demokratie-emanzipation

[3] Göttinger Predigtmeditationen 1996/8,  S.360ff. Predigtmeditation von Prof. Dr. Luise Schottroff zu Apg 6,1-7

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