17.03.2019
Evangelische Morgenfeier

Predigt: Vom Denken und Gedenken (Ps 25,6)

In ihrer Evangelischen Morgenfeier spricht Pfarrerin Jacqueline Barraud-Volk über die sogenannten "Einreden", immer wiederkehrende Gedanken und Mantren, denen wir ausgeliefert sind und die uns demotivieren und verunsichern können. Bereits die Wüstenväter im 4. Jahrhundert nach Christus wussten etwas von der Wirkung von Negativgedanken. So hat der Mönch Evagrius Ponticus 600 solcher negativer Einreden gesammelt und jeder ein biblisches Gegenwort entgegengesetzt.
Wüstenväter
Fra Angelico: Szenen aus dem Leben der Wüstenväter

Einreden…

"Das wird nichts. Das wird der totale Reinfall!" So vollkommen aufgeregt kommen zwei Schüler ins Klassenzimmer. "Was ist denn los?" frage ich die beiden. So nervös und außer sich habe ich sie noch nie erlebt. Sie gehören zu den besten Schülern im Religionsunterricht.

"Wir müssen doch gleich unser Reli-Referat halten. Das wird so schlimm, das wird einfach nichts!"  "Stop!" sage ich. "Was sind denn das für Negativsätze? Ihr macht euch ja ganz verrückt. Ihr habt doch alles vorbereitet! Oder?" -  "Ja, natürlich!" "Ihr braucht jetzt ganz andere Sätze", entgegne ich: "Nicht: Ich schaffe das nicht. Sondern: Ich bin gut vorbereitet. Ich habe viel zum Thema recherchiert. Ich habe jetzt richtig Lust das Referat zu halten. Ich kann das."

Die beiden schauen mich verdutzt an. Die ganze hibbelige Aufgeregtheit ist auf einmal verschwunden. Ich wiederhole nochmals: "Ich kann das. Ich bin gut vorbereitet. Ich habe jetzt richtig Lust das Referat zu halten." Sie lächeln mich an, sie grinsen. Ich erkenne wieder die mir bekannten Schüler. Und das Referat, das sie dann halten läuft, wie erwartet, ganz super.

Eine kleine Szene aus dem Schulalltag. Ich bin mir sicher, jeder kennt das. Wie schnell können sich Gedanken im Kopf festsetzen und wirken. Gedanken, die mich demotivieren oder verunsichern, mir einreden, absolut unfähig und untauglich zu sein. "Das kann ich nicht. Das schaffe ich nicht. Das habe ich noch nie gemacht. Andere können das viel besser. Das wird sowieso nichts!" Endlos könnte man weitere aufzählen. Und sind sie erst einmal da, krallen sie sich fest wie Kletten am Kleid.

Woher kommt das eigentlich und kann man es abstellen? Und überhaupt, wie ist das mit unseren inneren Gedanken, mit dem Denken, das anscheinend zum Segen oder zum Fluch werden kann? Sind wir dem, was wir uns manchmal einreden, was an Gedanken im Kopf herumspringt, ausgeliefert? "Spür wie Granaten in meinem Kopf explodieren und ein dämonischer Chor schreit laut in mein Ohr", so beschreibt der Liedermacher Johannes Falk diesen nervösen Zustand, dieses Gedankenkarussell.

 Wüstenväter und –mütter

Schon die Wüstenväter im 4. Jahrhundert nach Christus wussten etwas von der Wirkung von Negativgedanken und sogenannten Einreden. Während der Christenverfolgung unter Kaiser Diokletian hatten sie die ägyptische und die syrische Wüste als Rettungsraum entdeckt. Dort erlebten sie als Einsiedler oder als kleine Gemeinschaft, dass sie zwar der Verfolgung entkommen waren, dass aber in der Stille der Wüste wahre Wirbelstürme an Gedanken in ihnen tobten. Die äußere Bedrohung war weg, aber die innere war eine ganz neue Herausforderung.

Evagrius Ponticus, einer der frühen Wüstenmönche hat sogar ein Buch geschrieben, in dem er über 600 solcher negativer Einreden, die damals noch Dämonen genannt wurden, aufzählt. (Anselm Grün, Einreden, S.7, Vier-Türme-Verlag Münsterschwarzach, 2014) Diese enorme Zahl zeigt, wie erfinderisch der Mensch sein kann, wenn es darum geht sich niederzudrücken, sich einzuschüchtern und sich selbst gedankliches Glatteis zu bereiten.

Psychologen sagen uns heute, dass solche Klettensätze, sie werden auch Mantren genannt, seit der Kindheit ganz tief in einem Menschen verankert sind. Was uns zum Beispiel Eltern, Lehrer oder die Umgebung immer wieder eingesagt haben, das tragen wir noch bis ins hohe Alter mit uns.  "Sei pünktlich! Nimm dich nicht so wichtig. Du Versager! Du Nichtsnutz! Du wirst es nie zu etwas bringen! Ohne Fleiß kein Preis. Sei bloß nicht verschwenderisch!"

Ich kann mich noch genau erinnern, wie meine Großmutter, immer wieder zu mir gesagt hat: "Langes Fädchen, faules Mädchen." Das hat sich tief in mich eingegraben. Heute lache ich darüber und nehme immer noch einen viel zu langen Faden zum Kopf annähen. Und manch einen hat das Sprichwort: "Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach" so geprägt, dass er das ganze Leben nur auf Sicherheit ausgerichtet hat. Da wird nie etwas gewagt.

Solche Sätze können uns steuern und bestimmen. Auch wenn wir es gar nicht merken, wir sagen sie uns immer wieder in der Stille vor, oder holen sie automatisch heraus, so wie gespeicherte Dokumente auf einer Festplatte. Sie gehören zu uns, sie prägen und beeinflussen uns, mehr als uns lieb ist. Ja, sie können uns sogar manipulieren. Denn irgendwann kann es sein, dass man ihnen mehr vertraut als der Realität.

Ich kenne Menschen, die in der Nachkriegszeit zu absoluter Sparsamkeit erzogen wurden. Damals war das sicher überlebensnotwendig. Aber bis heute, mit dem eigenen Haus und einer guten Rente ausgestattet, erlauben sie sich zum Beispiel im Caféhaus keine zweite Tasse Tee. Und auch sonst hat das Mantra "Sei sparsam!" alle Bereiche ihres Lebens fest im Griff. Ich finde das schade, denn ich beobachte auch, dass selbst dann, wenn ihnen etwas Gutes widerfährt, sie es gar nicht genießen können, weil sie glauben es wäre eine unerlaubte Verschwendung und widerspräche ihrem Lebenssinn. Traurig finde ich es auch, wenn mir bei einem Trauergespräch die Hinterbliebenen erzählen: "Unsere Mutter hat sich und anderen nie etwas gegönnt. Das steckt tief in der Nachkriegsgeneration."

Sogar bei dementiell erkrankten Menschen hat man festgestellt, dass diese Grundeinstellungen tief im Innern weiterwirken. Selbst wenn sie gar nicht mehr bewusst wahrgenommen werden, formen sie den Menschen. Sie gehen überall mit.

Die ägyptische Wüstenmutter Theodora, die Ende des 4.Jahrhunderts lebte, wusste, dass man sich von den eigenen Gedanken und Kernbotschaften nicht so einfach lösen kann. Deshalb hat sie einmal folgende Geschichte erzählt:

"Es war ein Mönch. Und als dieser unter einer Menge von Anfechtungen litt, sagte er sich: Ich will von hier weggehen! Und als er seine Sandalen anzog, sah er einen anderen Menschen, der auch seine Sandalen anzog, und dieser andere sagte zu ihm: Du gehst doch wohl nicht wegen mir weg? Siehe, ich gehe dir voran, wo du auch immer hingehst!" (Frauen, die sich trauen, Kaufmann, 1991, S. 30)

Theodora hat diese Geschichte vielen Ratsuchenden erzählt und sie scheint damit eine Wahrheit getroffen zu haben, denn die Menschen haben sie bewahrt, weitererzählt und sogar aufgeschrieben. Diese Anekdote macht auf eine liebenswerte Art deutlich: was mir im Innern meiner Gedanken das Leben schwer macht, was mich fesselt, das werde ich nicht durch einen bloßen Ortswechsel los. Ich muss mich bewusst von einengenden, tyrannisierenden und falschen Gedanken verabschieden. Dazu muss ich sie aber erst einmal kennen und mich selbst fragen: Welche Sätze und Einreden schlummern eigentlich in meinem Kopf?

Gegenreden…

Zu diesen Gedanken und Phrasen im Kopf, die uns bestimmen können, hat der Wüstenvater Evagrius Ponticus im 4. Jahrhundert jeweils ein biblisches Gegenwort aufgeschrieben. Ganz praktisch! Zum Beispiel empfiehlt er den Mönchen, wenn der Gedanke an ihre harte Armut in der Wüste sie verbittert, den Anfangsvers aus Psalm 23 zu sprechen und wie ein Protestschild dem Selbstmitleid entgegenzuhalten: "Der Herr ist meine Hirte, nichts wird mir fehlen" (https://www.kaisei.ac.jp/media/library/pdf/48_02_e_hisamatsu.pdf)

 So hat er zu jenen 600 Einreden je ein biblisches Gegenwort gesetzt. Dahinter steckt die Erkenntnis, dass negative und niederdrückende Gedanken ersetzt werden können durch Worte, die einer anderen Lebenshaltung entsprechen. Denn wenn negative Einreden so viel Kraft besitzen, dann können es doch auch gute Worte, die uns befreien und uns im Kern stärken.

Anselm Grün, der Benediktinermönch aus Münsterschwarzach bestätigt dies, wenn er schreibt:

"Askese bedeutet für die alten Mönche weitgehend Kampf mit den Gedanken, Auseinandersetzung mit negativen Gedanken und Ringen um Gedanken, die dem Geist Gottes entsprechen." (Anselm Grün, Einreden, S.17, Vier-Türme-Verlag Münsterschwarzach)

Vor allem den Worten Jesu wurde eine unglaubliche Kraft zugemessen. Mein Konfirmationsspruch ist solch ein Wort: "Ich bin das Licht der Welt, wer mir nachfolgt wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben" (Joh 8,12). In schweren Phasen meines Lebens war es immer wieder wie ein Anker, an dem man sich festmacht, damit das Lebensschifflein im Sturm des Lebens Halt hat. Immer wenn ich mich an diesen Vers erinnert habe, hat er auf verborgene Weise gewirkt. Natürlich wurde dann nicht gleich alles besser, aber er malte mir doch eine Perspektive vor Augen. So in der Art: "Die Finsternis wird nicht dein Daueraufenthaltsraum sein, das Licht des Lebens wird schon wieder aufgehen. Habe Geduld. Christus geht doch voran auf deinem Weg. Lauf ihm hinterher." Die niederdrückenden Gedanken hatten es dann schwerer und ich glaube fest, dass dieses Bibelwort mich immer wieder davor bewahrt hat, mich einzurichten im Jammern und Verzagen. Es hat mir auch geholfen, mich unabhängig zu machen von Worten anderer. Aber es bleibt wohl eine lebenslange Übung, den Gedanken in uns etwas anderes entgegenzusetzen. Die Gegen-Sätze, Bibelworte oder das Gebet bedürfen der Einübung und der ständigen Wiederholung. Sie müssen zu einer guten Gewohnheit werden und zu Herzen gehen.

Mich fasziniert, dass die Suchbewegung nach selbstbestimmten und geistlichen Gedanken seit der Zeit der Wüstenväter eigentlich nie aufgehört hat. Durch die Jahrhunderte hindurch hat man die mystische Übung des Herzensgebets weitergegeben. In manchen Zeiten ist der Faden der Tradition hauchdünn gewesen, aber er ist doch niemals gerissen. Die Mystiker aller Zeiten hatten dabei ihr je eigenes Programm. Sie beteten etwa in ständiger Wiederholung: "Der Herr ist mein Hirte", oder das klassische "Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme dich meiner" oder ganz schlicht "Jesus Christus". Klöster und Kirchen bieten heute Begleitung und Einübung in das Herzensgebet. Dabei gibt es die traditionelle Sitzmeditation, aber auch Formen, die sich in ein modernes Leben einbinden lassen.  

Sabine Bobert, Professorin für Praktische Theologie in Kiel, hat sich sehr intensiv mit dem Thema befasst und gehört zu den zeitgenössischen Mystikerinnen, die theoretisch und praktisch wissen, wovon sie sprechen. Sie hat eine alltagstaugliche Mystik für Stadt-Eremiten entwickelt. Für Menschen die nach einem langen Arbeitstag nicht noch Zeit und Muße haben für lange Meditationen. Die aber erkannt haben, dass der christliche Glaube nicht nur Lehre und Dogma, sondern eben auch eine geistliche Praxis ist, in der man Gottes Gegenwart spürt und ganz bei sich selbst ist.

Bobert empfiehlt kleine Übungen über den Tag verteilt. Eine Willensübung, bei der man eine kleine Minihandlung ausführt. Mit den Fingern schnippen, die Hände kurz zusammenlegen, so etwas. Ganz einfach und ohne Druck. Aber jedes Mal, wenn man sie ausführt ist man ganz bei sich, so ihre Theorie. Die Gefühlsübung braucht ein wenig mehr Übung. Es geht darum in Gedanken einen Traumort aufzusuchen. Einen Ort an dem es einem richtig gut geht. Ob am Meer, auf einem Berggipfel, oder an einem Gartentisch, das ist ganz individuell. Mir hilft dieser imaginäre Rückzugsort. Vor einiger Zeit hat mich ein schlecht gelaunter Kollege einfach angemeckert. Ich habe innerlich sofort auf meinen Traumort geschaltet. Die Folge: Ich konnte souverän und freundlich lächelnd antworten. Klar klappt das nicht immer, manchmal aber doch. Die dritte Übung ist das Jesusgebet. Ein Mantra für den Alltag. An der Bushaltestelle, im Aufzug, an der Supermarktkasse, überall so sagt Bobert, kann man es beten. Es eignet sich auch als Fürbitte für andere, indem man einfach den Namen des Menschen, um den man sich sorgt, anhängt oder auch den Namen derer, mit denen es gerade schwer ist.

Nun kann man natürlich sagen, was soll das? Das ist doch reine Programmierung. Vielleicht. Aber es hilft in einer praktischen Art und Weise sich freizuschwimmen von Gedanken, die man eigentlich nicht möchte und Christus ganz bewusst ins Leben und in den Alltag hineinzuholen.

Was denkt Gott?

Ich bin meinen Gedanken nicht auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Gott macht sich Gedanken. "Der Geist erforscht alle Dinge, auch die Tiefen der Gottheit", schreibt der Apostel Paulus (1.Kor 2,10). Reflexion, Nachdenken, Sortieren, Erforschen ist eine Gabe des Geistes. So lesen wir in den Psalmen, in den Sprüchen und bei den Propheten:

Deine Gedanken, Gott, sind sehr tief  (Ps 92,6);

Wie schwer sind sie für mich und wie ist ihre Summe so groß. Wollte ich sie zählen, so wären sie mehr als der Sand (Ps 139,17+18);

Du verstehst meine Gedanken von ferne (Ps 139,2);

Die Gedanken der Menschen sind armselig (Wsh 9,14)

Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken (Jes 55,8-9)

Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der Herr: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung (Jer 29,11)

Der heutige Sonntag Reminiscere appelliert an Gott. Reminiscere ist lateinisch und bedeutet: Gedenke! Der Sonntag hat seinen lateinischen Namen  aus dem 25. Psalm, der in vorreformatorischer Zeit als lateinischer Introitus gesungen wurde. Dort heißt es: "Reminiscere miserationum tuarum, Domine, (et misericordiarum tuarum quae a saeculo sunt.")  "Gedenke deiner Barmherzigkeit, Herr, und deiner Gnade, die seit Anbeginn besteht."  Der Beter des 25.Psalm wendet sich hilfesuchend an Gott und fordert ihn auf daran zu denken, zu gedenken, was von Anbeginn der Zeit bei ihm gilt: Gnade und  Barmherzigkeit. Man kann es auch aus dem hebräischen Urtext mit Zuneigung und Freundlichkeit übersetzen. Gottes Gedanken unterscheiden sich damit grundlegend von unseren. Nicht nur an Größe, Weite und Tiefe, sondern auch in ihrem Kern. Sie sind geradezu geflutet mit Zuwendung und Freundlichkeit uns Menschen gegenüber.

Die ganze Geschichte Gottes mit den Menschen ist die Geschichte unglaublicher Zuwendung. Wir mögen ihn enttäuschen, ihn im Wirrwarr des Lebens vergessen, verdrängen, ihm nichts zutrauen. Aber er bleibt und mit ihm seine Gedanken, die ein Gegenbild zu allem Kleinkarierten, zu Erbsenzählerei und Negativsätzen sind. Sie sind geprägt von Gedanken des Friedens, von Zukunft und Hoffnung. (Jer 29) Was für ein Horizont öffnet sich da.

Gottes Gedanken mit den unseren verbinden…

Ich stelle mir vor: wer sich im Gebet an diesen Gott wendet, dessen Gedanken werden auch durchströmt mit Freundlichkeit, Frieden und Zukunftshoffnung. Dabei kommen nicht nur die Negativsätze im eigenen Innern auf den Prüfstand, sondern auch die Negativsätze, die heute in vielen Teilen der Welt, die Sprache und die Gedanken beherrschen. Angstbesetzte Zukunftsszenarien und Untergangsformeln werden gebetsmühlenartig wiederholt. Sie spielen radikalen Kräften in die Hände und manipulieren sogar Wahlen. Dabei werden wirkliche Probleme und das tatsächliches Leiden von Menschen, gnadenlos ausgeschaltet. Es wundert mich nicht, dass die urchristlichen Mystiker immer auch dem Dienst am Nächsten, der Diakonie, eng verbunden waren. Bei Ausgrabungen in Ägypten hat man in den frühen Mönchsbauten der Wüstenväter immer auch einen Raum gefunden in dem gemeinsam gegessen und die Armen versorgt wurden. Man nannte ihn Diakonia. Mystik, die Suche der Verbindung mit Gott holt uns nicht heraus aus der Welt, sondern fördert viel mehr das genaue Hinsehen und die tätige Nächstenliebe.

Jedes Jahr am Sonntag Reminiscere lädt die Evangelische Kirche in Deutschland  ein, der verfolgten und bedrängten Christen in der Welt zu gedenken und für sie zu beten. In diesem Jahr sind es besonders die Christen in Nigeria. Das bevölkerungsreichste Land Afrikas ist gespalten und von einem brutalen Bürgerkrieg zwischen unterschiedlichen Parteien gezeichnet. Verschleppte und vergewaltigte Frauen, Witwen und Waisen prägen das Bild. Dabei sind nicht nur Christen betroffen. Die nigerianische Theologin Suzan Mark konnte knapp diesem Schicksal entgehen und vor den Truppen von Boko Haram fliehen. Sie berichtet von traumatisierten Kindern, deren größter Wunsch es ist ein Gewehr in die Hand zu nehmen und die ermordeten Eltern zu rächen. Sie weiß aber auch davon zu erzählen, dass solche Kinder nach einer Traumabehandlung diesen Wunsch aufgaben.  "Das Problem ist Mangel an Toleranz auf beiden Seiten", sagt sie in einem Interview und fügt hinzu: "Wenn ich das Evangelium predige, darf ich keine Botschaft von Hass verbreiten. Ich muss von Licht und Hoffnung reden."

Es gibt sie auch hier, die Menschen die nicht aufgeben, Schritte der Versöhnung wagen und gehen. Ephraim Kadala der Pastor der Kirche der Geschwister in Nigeria und der Fachhochschullehrer und Muslim Hussaini Shuaibu. Sie haben im Nordosten Nigerias eine Christlich-Muslimische-Friedensinitiative ins Leben gerufen. Sie wollen auf Vergeltung verzichten, das Gespräch suchen, die ökonomischen und politischen Ursachen der Gewalt aufdecken und sich um friedliche Koexistenz von Muslimen und Christen kümmern.

Alles beginnt in Gedanken- sowohl der Unfrieden als auch der Frieden, sowohl das Niederdrückende, als auch das Befreiende. Nicht nur die Wüstenväter auch ich kann mich darin üben und es erfahren: Aus Gedanken, aus Gebeten werden Taten. Wie viel Verantwortung habe ich als Mensch für meine eigenen Gedanken.  Musik ist die schönste Einstimmung auf Gedanken, die dem Geist Gottes entsprechen. "Regarde le ciel"-"Betrachte den Himmel", diese Jazzmelodie von Joe Krieg hilft mir dabei.

Evangelische Morgenfeier vom 17.03.2019 mit Pfarrerin Jaqueline Barraud-Volk, Marktbreit, Thema: Vom Denken und Gedenken (Ps, 25,6)

Das PDF mit dem vollständigen Text kann beim BR heruntergeladen werden unter diesem Link

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Evangelische Morgenfeier

Apostel Paulus
Autor
Ohne den Glauben an Jesus Christus sind wir verloren. Der Glaube an die Botschaft dieses Jesus von Nazareth rettet: vor den Verstrickungen in die Welt, vor der Abwesenheit Gottes, die uns nur auf uns selbst zurückwirft, vor dem Totsein mitten im Leben, vor dem inneren Unfrieden. Paulus nennt das "Zorn Gottes“. Evangelische Morgenfeier von Hanna Wirth, Dekanin in Rosenheim