Regionalbischof Stiegler: Gewalt hat nicht das letzte Wort

Nach Ansicht des Regensburger evangelischen Regionalbischofs Klaus Stiegler hat sich in die Osterfreude eine "mächtige Verunsicherung des Lebens" gemischt. Fassungslos und voller Angst und Sorge blickten die Menschen auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, sagte der Regionalbischof am Ostermontag im Gottesdienst bei der Christusbruderschaft in Falkenstein in der Oberpfalz. "Panzer und Raketen. Mitten in Europa. Menschenverachtung, Massengräber und nationaler Wahn."

Dass am Ende nicht das Recht des Stärkeren zähle und nicht immer die Gewalt triumphiere, davon erzähle der christliche Glaube, sagte Stiegler: "Er ist auferstanden! Nur drei Worte, aber sie verändern alles." Sie führten "von der Verzweiflung zur Hoffnung, von der Resignation zum Aufbruch, vom Tod zum Leben - und nicht zuletzt vom Krieg zum Frieden", sagte der Regionalbischof.

 

Früherer Regionalbischof: An Ostern geht es um das Leben selbst

An Ostern geht es laut dem früheren Nürnberger Regionalbischof Stefan Ark Nitsche um das Leben selbst. "Die todbringende, schreckliche Gewalt von Karfreitag ist abgezogen", sagte der evangelische Theologe am Ostersonntag beim Einweihungsgottesdienst in der renovierten Veitsbronner St. Veit-Kirche laut Redemanuskript. Zurück bleibe ein Grab, wieder sei ein Mensch tot. "Und dann ist alles anders. Das Grab ist leer." Jesus sei auferstanden.

Das Evangelium nach Markus bleibe realistisch, sagte Nitsche weiter. Die erste Reaktion der Menschen darauf seien nicht Jubel, Erleichterung oder Aufatmen, sondern Flucht, Zittern, Furcht und Sprachlosigkeit. Doch dann dämmere ihnen, was geschehen war:

"Dem Tod wird das letzte Wort genommen. Gott hat ihm die alles vernichtende Macht genommen", betonte Nitsche. Beim aktuellen damaligen und heutigen Zustand der Welt sei das kaum vorstellbar, aber doch glaubwürdig. "Das Leben hat nicht verloren."

Bedford-Strohm: Ostern feiern mit den Verzweifelten in der Welt

Der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm hat in seinem Ostergottesdienst an die Christinnen und Christen in der Ukraine erinnert. "Während wir heute Ostern feiern, beginnt in der Ukraine die Karwoche", sagte der evangelische Theologe in seiner Predigt am Ostersonntag in der Münchner Matthäuskirche laut Manuskript. Wegen der unterschiedlichen Kirchenjahreskalender in der orthodoxen und evangelischen/katholischen Welt werden Ostern und auch Weihnachten zeitversetzt gefeiert.

"Und nun diese Konstellation", sagte Bedford-Strohm. "Bei uns die Osterwoche und in Russland und der Ukraine, dem Land, in dem nach dem russischen Angriff jetzt ein so schrecklicher Krieg herrscht, die Karwoche." Das Osterfest könne nicht gefeiert werden, indem man den Karfreitag - also den Tag, an dem Jesus starb - vergesse, mahnte der Landesbischof. Ostern sei nur Ostern, wenn man sich auch des jetzt andauernden Leides bewusst sei.

"Es braucht viel Ostermeditation, um durchzudringen zur Osterfreude in diesen Zeiten."

Die verzweifelten Menschen in der Ukraine wolle man in "unsere Mitte nehmen", auch wenn sie weit weg seien, sagte der Landesbischof. "Und wir wollen auch die russischen Soldatenmütter in unsere Mitte nehmen, deren Söhne als Soldaten einer Angriffsarmee gefallen sind, die aber genauso um sie trauern." Man wolle Ostern feiern mit den Traurigen und Verzweifelten in Deutschland und mit den Verlorenen dieser Welt, die kaum noch zur Kenntnis genommen würden.

Beim Osterfest gehe es um die Erneuerung der Seele, betonte Bedford-Strohm.

"Einer Seele, die nicht mehr kann. Die gebeugt ist, erschöpft ist, fast taub geworden ist über all den Nachrichten von Hass, von Gewalt, von Leid und von Tod in diesen Zeiten."

Bornowski: Frohe Osterbotschaft tut sich dieses Jahr schwer

Die frohe Osterbotschaft von der Auferstehung Jesu Christi kann sich nach Ansicht der Ansbach-Würzburger Regionalbischöfin Gisela Bornowski dieses Jahr angesichts der Schrecken der Welt nur schwer durchsetzen. "Die Freude ist verhalten, die Stimmung eher gedrückt", sagte die Theologin am Ostersonntag in der Würzburger St. Johanniskirche laut Redemanuskript: "Manche fragen gar, ob wir denn Ostern feiern können, wo es so viel Tod und Leid auf unserer Welt gibt."

Bornowski erinnerte an den russischen Angriffskrieg in der Ukraine und das dadurch verursachte Leid. "Viele wollen helfen, um mit dem Unfassbaren und ihrer Ohnmacht umgehen zu können." Sie nähmen Geflüchtete auf, organisierten Hilfstransporte und spendeten Geld. Auch die Frauen an Jesu Grab wollten irgendetwas tun, um damals mit dem Unfassbaren umzugehen - sie wollten den Toten waschen und salben. Solche Routinen helfen, um mit der Ohnmacht irgendwie umzugehen.

"Manchmal, das gestehe ich", sagte Bornowski, "kann ich die schlechten Nachrichten aus vielen Regionen der Erde kaum noch ertragen". Sie frage sich, was das für eine Welt sei, weshalb Menschen so grausam sein könnten. "In diese Schrecken hinein ruft der Jüngling im Grab: Entsetzt euch nicht! Fürchtet euch nicht! Habt keine Angst!" Damit werde die Furcht der Frauen vor dem verschwundenen Leichnam "nicht beschwichtigt, sondern ganz ernst genommen".

Bornowski: Jesus will die Verlorenen in seiner Nähe haben und heilen

Das Bild von Jesu Kreuzigung vermischt sich dieses Jahr der Ansbach-Würzburger Regionalbischöfin Gisela Bornowski zufolge mit den grausamen Bildern aus dem Ukraine-Krieg. Der Krieg sei zwar 2.000 Kilometer entfernt - doch komme uns dies "bestürzend nah", sagte Bornowski am Karfreitag in der Ansbacher St. Gumbertuskirche laut Predigtmanuskript: "Kameraaufnahmen von Menschen, die in den Straßen liegen, als wäre das, was sie einmal waren und sind, nichts!"

Die Geschichte Jesu stehe "stellvertretend für alle diese grausamen Geschichten von Elend und Tod", sagte die evangelische Theologin. Christus habe Schmerzen, aber selbst während seiner Kreuzigung Vertrauen zu Gott: "Heiland heißt Jesus, weil er die Verlorenen erkennt, wahrnimmt, sie in seiner Nähe haben will und sie heilen will." Der Heiland heile, auch noch im Sterben und Tod, er heile "durch Nähe und Worte", sagte Bornowski. Der Gekreuzigte entschuldige seine Henker und die Gaffer.

Mit Blick auf den russischen Angriffskrieg in der Ukraine erinnerte die Regionalbischöfin an das Jesus-Wort: "Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun." Dieses Wort falle aber schwer zu glauben, sagte Bornowski:

"Wissen Präsident Putin und seine Generäle etwa nicht, dass sie Tod und Zerstörung über die Menschen in der Ukraine bringen?" Wer würde schon sagen, dass er nicht wisse, was er tue. Vielmehr sei es so, dass "wir wissen, was wir tun" und doch nicht davon ablassen.

Jesus sei an Karfreitag das Opfer, sagte Bornowski: "Er vergibt und schafft eine Wirklichkeit, die von grenzenloser Liebe und Frieden geprägt ist, die mein menschliches Denken, Verstehen und Urteilen übersteigen.

Nach Kirchenbrand: Bischof feiert Karfreitagsgottesdienst in Utting

Der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm hat am Karfreitag Utting am Ammersee besucht, wo im vergangenen Sommer die evangelische Christuskirche abgebrannt ist. Dass er nun mit der Gemeinde Gottesdienst feiern dürfe, "ist für mich sehr berührend", sagte Bedford-Strohm in seiner Karfreitagspredigt an dem Ort, wo einst die markante Holzkirche stand. Dass die Kirche abgebrannt ist, habe ihm damals einen Stich ins Herz versetzt.

Die Seelen seien momentan aber nicht nur verwundet durch den Verlust einer Kirche, sondern auch durch Krankheit und Krieg. Allein in Deutschland seien 133.000 Menschen an den Folgen ihrer Corona-Infektion gestorben, weltweit mehr als sechs Millionen. Und jetzt noch "dieser schreckliche Krieg, dieser unselige Krieg, dieser verbrecherische Krieg", sagte Bedford-Strohm mit Blick auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine.

Die Frage "Wo ist denn euer Gott?" werde immer lauter, da religiöse Traditionen immer mehr unter Rechtfertigungsdruck gerieten, sagte Bedford-Strohm. "Will er das Virus nicht wegblasen oder kann er es nicht? Kann er die Bomben nicht unschädlich machen oder will er es nicht?" Diese Frage sei berechtigt, man könne wirklich ins Zweifeln kommen, wenn so viel Leid da sei und Gott einfach verschwunden scheine.

"Aber es wird weitergehen", sagte Bedford-Strohm zur Uttinger Kirchengemeinde. Die Wiese sei noch leer, die Kirche fehle. Aber es gebe Pläne für eine neue. Die Unterstützung in Utting für die Kirchengemeinde sei groß - "sie erfahren so viel ökumenische Freundschaft in diesen schweren Zeiten".

Die Christuskirche war Ende August 2021 bei einem Brand komplett zerstört worden. Pfarrer Jochen Eberhardt hofft, dass es spätestens im kommenden Jahr mit dem Neubau losgehen kann. Die Christuskirche werde zwar nicht eins zu eins wieder so aufgebaut. Aber sie werde erkennbar "unsere Christuskirche" sein. Während der kalten Jahreszeit wurden die Gottesdienste in der katholischen Gemeinde gefeiert.

Für den Wiederaufbau kommen die Versicherungskammer Bayern, die bayerische Landeskirche und die Kirchengemeinde auf. Bislang wurde laut Eberhardt eine sechsstellige Summe an Spenden gesammelt.

 

Regionalbischof Stiegler: Empathie nicht begrenzen

Der Regensburger evangelische Regionalbischof Klaus Stiegler hat am Karfreitag zu Frieden und Versöhnung in der Welt aufgerufen. Zu welchen Grausamkeiten Menschen fähig seien, zeige sich derzeit an Orten wie Butscha und Mariupol in der Ukraine, sagte Stiegler in seiner Karfreitagspredigt in der Dreieinigkeitskirche in Regensburg laut Predigttext. Die Passion 2022 werde "für all die unschuldigen Opfer in den ukrainischen Städten" erzählt, sagte Stiegler, aber "auch für uns, für unsere Hilflosigkeit, mit der wir auf Bilder blicken, die eigentlich nicht zu ertragen sind".

Wenn in diesen Tagen gefordert werde, die Bilder vom Krieg nicht zu nah an sich heranlassen und die Empathie zu begrenzen, riet der Regionalbischof, das Gegenteil zu tun: "Empathie nicht begrenzen lassen! Angst bitte zulassen! Auch die Angst vor der eigenen Ratlosigkeit und ebenso die Angst vor der eigenen Ohnmacht. Angst nämlich macht uns wach."

 

Regionalbischof Piper kritisiert Unversöhnlichkeit der Menschen

Der evangelische Augsburger Regionalbischof Axel Piper ermuntert die Menschen, wieder aufeinander zuzugehen. "Gegensätzliche Meinungen in unserer Welt sind immer öfter wie fest betoniert. Nur ja oder nein. Entweder-oder. Nichts dazwischen", sagte Piper in seiner Predigt am Karfreitag in der Augsburger St. Ulrichskirche laut Redemanuskript. Als Beispiele nannte er Befürworter und Gegner einer Corona-Impfpflicht oder des Augsburger Klimacamps. Die Reihe der Streitfragen ließe sich aber beliebig fortsetzen.

Piper bedauerte, wenn das Gespräch abbrechen würde. Wenn sich niemand bewege, bewege sich nichts: "Selbst ein Tyrann wie Putin wird der Meinung sein: Ich bin im Recht!" Das Bemühen umeinander oder ein erster Schritt aufeinander zu, seien bei so existenziellen Fragen wie Gesundheit, Frieden, Rettung von Leben so wichtig. Aber wahrscheinlich hätten "Corona, Kriegsängste und Existenzsorgen noch zur Rechthaberei, Unversöhnlichkeit und Bitterkeit beigetragen", sagte Piper.

Karfreitagsgottesdienste: Bischöfe erinnern an Leid in der Ukraine

Samstag, 16. April 2022, 07.19 Uhr: Evangelische und katholische Kirchenvertreter in Bayern haben den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine in ihren Karfreitagspredigten verurteilt. Der bayerische evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm sprach am Karfreitag in Utting am Ammersee, wo im vergangenen Jahr die evangelische Christuskirche bei einem Brand komplett zerstört worden war, von einem schrecklichen, unseligen und verbrecherischen Krieg.

Die Frage "Wo ist denn euer Gott?" werde immer lauter, da religiöse Traditionen immer mehr unter Rechtfertigungsdruck gerieten, sagte Bedford-Strohm weiter. "Will er das Virus nicht wegblasen oder kann er es nicht? Kann er die Bomben nicht unschädlich machen oder will er es nicht?" Diese Frage sei berechtigt, man könne wirklich ins Zweifeln kommen, wenn so viel Leid da sei und Gott einfach verschwunden scheine.

Der Augsburger evangelische Regionalbischof Axel Piper ermahnte die Menschen in seiner Karfreitagspredigt, weiter im Gespräch zu bleiben: "Selbst ein Tyrann wie Putin wird der Meinung sein: Ich bin im Recht!" Das Bemühen umeinander oder ein erster Schritt aufeinander zu, seien bei so existenziellen Fragen wie Gesundheit, Frieden, Rettung von Leben so wichtig.

Der Münchner katholische Erzbischof Reinhard Marx forderte am Karfreitag im Münchner Liebfrauendom, dass sich alle christlichen Kirchen mit einer Stimme gegen Gewalt einsetzen müssten. Es sei eine "Perversion", dass im Ukraine-Krieg "getaufte Christen andere Christen umbringen und dafür noch durch Führer der Kirche Unterstützung erfahren". Der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill bekundet regelmäßig seine Nähe zum russischen Präsidenten Wladimir Putin und seine Unterstützung für dessen Kriegskurs gegen die Ukraine.

Systeme und Zivilisationen sowie politische Herrschaften, die auf Gewalt aufgebaut seien, könnten "niemals christlich legitimiert werden", sagte Marx weiter. Auch wenn die Kirche verstrickt bleibe in die Welt und ihre Kriege, so müsse sie doch "im Kern ein Ort der Gewaltlosigkeit und der überwundenen Gewalt sein".

Die Ansbach-Würzburger Regionalbischöfin Gisela Bornowski sagte am Karfreitag, dass die Geschichte Jesu "stellvertretend für alle diese grausamen Geschichten von Elend und Tod" stehe. Der Krieg sei zwar 2.000 Kilometer entfernt - doch komme uns dies "bestürzend nah". Mit Blick auf die russische Aggression in der Ukraine erinnerte die Regionalbischöfin an das Jesus-Wort: "Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun."

Auch dem Bamberger Erzbischof Ludwig Schick zufolge weist der gekreuzigte Jesus auf vor Krieg und Unrecht geflüchtete Menschen hin. In der Ukraine, aber auch im Jemen, in Syrien, im Sudan oder in Afghanistan litten Menschen seit Jahren unter Krieg, Verfolgung und Missachtung der Menschenrechte, sagte Schick im Karfreitagsgottesdienst im Bamberger Dom.

Der Regensburger Regionalbischof Klaus Stiegler sagte am Karfreitag, die Passion 2022 werde "für all die unschuldigen Opfer in den ukrainischen Städten" erzählt, aber "auch für uns, für unsere Hilflosigkeit, mit der wir auf Bilder blicken, die eigentlich nicht zu ertragen sind". Der frühere Nürnberger Regionalbischof Stefan Ark Nitsche sprach in der Nürnberger Lorenzkirche am Karfreitag von einem "skrupellos und gewissenlos geführten russischen Krieg gegen die Ukraine".

Der Vizepräsident der bayerischen evangelischen Landessynode, Hans Stiegler, sagte, dass Krieg eine "moderne, technologisch hochgerüstete Form" der Kreuzigung sei. "Unschuldige leiden, kommen grausam zu Tode". Wie in allen Kriegen gebe es auch in der Ukraine "nur Verlierer, unzählige Opfer, weil der Machthunger von Despoten nicht zu stillen ist".
 

Erzbischof Schick: Müssen Sanktionen gegen Russland und Folgen akzeptieren

Zum Einsatz für den Frieden in der Ukraine gehört für den Bamberger Erzbischof Ludwig Schick auch der Verzicht eines jeden Einzelnen. "Zur DNA der Christen gehört der Frieden", sagte er in seiner Predigt im Bamberger Dom am Karsamstag laut vorab verbreiteter Mitteilung. "Der Frieden müsse herbeigebetet und herbeigesehnt werden." Dazu gehöre auch, die Selbstverteidigung der Ukraine zu unterstützen, die Sanktionen gegen Russland zu akzeptieren sowie Einschränkungen bei der Lebensmittelversorgung und steigende Energiepreise zu akzeptieren.

Zur Bewahrung des Friedens gehöre vor allem globale Gerechtigkeit, mahnte Schick.

"Das Zuviel hier verursacht ein Zuwenig woanders. Durch Ungleichheit wächst Unfriede, der zu Gewalt und Waffengebrauch umschlagen kann." Wo sich Neid, Habgier, Rache, Machtgelüste, Nationalismus und Populismus in den Herzen breit machten, beginne bereits der Krieg in den Köpfen. "Jeder Krieg beginnt, bevor der erste Schuss fällt. Friedensbemühungen sind meist zu spät, wenn die Truppen aufmarschieren."

Schick appellierte auch an die russisch-orthodoxe Kirche dazu beizutragen, dass die russische Aggression in der Ukraine beendet werde. Der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill hatte immer wieder seine Nähe zum russischen Präsidenten Wladimir Putin und seine Unterstützung für dessen Kriegskurs gegen die Ukraine bekundet.

 

Erzbischof Marx: Ostern ist die "wahre, wirkliche Zeitenwende"

Die Verkündung der Osterbotschaft ist für den Münchner Erzbischof Reinhard Marx angesichts des Ukraine-Krieges nötiger denn je. Auf den ersten Blick könne man sich kaum einen größeren Widerspruch vorstellen als Ostern und Krieg, sagte Marx laut Mitteilung vom Donnerstag am Samstagabend im Münchner Liebfrauendom. Ostern sei aber das "Fest der Auferstehung" und das "Fest der Überwindung der Gewalt". Damit stelle Ostern die "wahre, wirkliche Zeitenwende" dar, betonte der Kardinal.

Marx warnte zugleich vor einem Rückfall in "alte Feinbilder, in die Vorstellung von Gewalt und Gegengewalt, von Hass und Feindschaft zwischen Kulturen und Nationen". Natürlich hätten die Menschen das Recht, ihr eigenes Leben und das ihrer Mitmenschen, der vielen Unschuldigen zu verteidigen und zu schützen. Dennoch stelle sich die Frage, wie das weiter gehe: "Wo sind die Zeichen der Hoffnung? Wo erfahren wir die Zeitenwende, die uns einen Blick öffnet für das Leben, das stärker ist als der Tod?" Auch in der gegenwärtigen Situation seien "Zeichen des Reiches Gottes" zu erkennen, sagte Marx:

"Wir sehen, wo Menschen zueinander finden, gerade jetzt, wo gegen den Hass eine Welle der Hilfsbereitschaft und Solidarität entsteht."

 

Alt-Regionalbischof Nitsche prangert gewissenlosen Krieg gegen Ukraine an

Gott steht nach Überzeugung des früheren Nürnberger Regionalbischofs Stefan Ark Nitsche allen Menschen in Not bei. Er sei etwa auf den Straßen im ukrainischen Butscha, mitten unter den Hungernden in vielen Ländern, zwischen den Ausharrenden in den Kellern von Mariupol, bei den Terroropfern in Tel Aviv oder auf den Intensivstationen, sagte Nitsche in seiner Karfreitagspredigt in der Nürnberger Lorenzkirche laut Manuskript. Nitsche sprach dabei von einem "skrupellos und gewissenlos geführten russischen Krieg gegen die Ukraine".

Jesus sei am Kreuz gestorben, mit einem Schrei aus tiefer Seele: "Mein Gott! Mein Gott! Warum hast du mich verlassen?" Der christliche Glaube habe spätestens seit diesen Stunden im Jerusalem eine irritierende Antwort auf diese Frage aller Menschheitsgenerationen, sagte Nitsche: "'Da. Ich bin da', sagt Gott." Gott wolle sich auf der Seite des Lebens zeigen, mitten unter den Menschen. Das ganze Evangelium hindurch werde sichtbar, welche Verantwortung den Menschen aus der ihnen geschenkten Freiheit erwachse - und wie sich Gott selbst zum Opfer von menschlicher Gewissenlosigkeit und Skrupellosigkeit machen lasse um der Menschen willen.

 

Erzbischof Schick: Gekreuzigter weist auf Geflüchtete hin

Laut dem Bamberger Erzbischof Ludwig Schick weist der gekreuzigte Jesus auf vor Krieg und Unrecht geflüchtete Menschen hin. In der Ukraine, aber auch im Jemen, in Syrien, im Sudan oder in Afghanistan litten Menschen seit Jahren unter Krieg, Verfolgung und Missachtung der Menschenrechte, sagte Schick im Karfreitagsgottesdienst im Bamberger Dom laut Mitteilung.

Der Karfreitag stelle die Frage, ob "wir überhaupt noch weinen, trauern und klagen" können, sagte Schick: "Wir sind doch so gern cool, überlegen und distanziert." Am Karfreitag solle man um Jesus trauern. Dabei lade Jesus ein, Mitleid und Barmherzigkeit für alle Leidenden zu zeigen", sagte Schick:

"Trauern, Mitleiden und Beten sind Voraussetzungen für Veränderungen und mehr Menschlichkeit." "Jesus Christus, Gott und Mensch, hat sich kreuzigen lassen. Er hat am Kreuz die Arme weit ausgestreckt, um alle Menschen in den Pakt der Liebe zu holen", sagte der Erzbischof.

 

Bischof Bedford-Strohm: Leid und Tod haben nicht das letzte Wort

Donnerstag, 14. April 2022, 14.03 Uhr: An Ostern wird laut dem bayerischen Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm deutlich, "dass Leid und Tod nicht das letzte Wort haben". Denn der von den Toten auferweckte Christus ist derselbe, der am Karfreitag gekreuzigt wurde und starb", sagte der evangelische Theologe am Donnerstag laut Mitteilung in seiner Osterbotschaft. Beim Osterfest gehe es um die Erneuerung der Seele.

"Einer Seele, die nicht mehr kann. Die gebeugt ist, erschöpft ist, fast taub geworden ist über all den Nachrichten von Hass, von Gewalt, von Leid und von Tod in diesen Zeiten."

Auch die verzweifelten Menschen in der Ukraine hätten daher einen Platz an diesem Osterfest, sagte Bedford-Strohm.

"Wir wollen sie an diesem Osterfest in unsere Mitte nehmen, auch wenn sie weit weg sind. Und wir wollen auch die russischen Soldatenmütter in unsere Mitte nehmen, deren Söhne als Soldaten einer Angriffsarmee gefallen sind, die aber genauso um sie trauern."

Die Kirche wolle aber auch Ostern feiern mit all den Traurigen und Verzweifelten in Deutschland und den Verlorenen in dieser Welt, die kaum noch zur Kenntnis genommen werden:

"Wir wollen sie an diesem Osterfest in unsere Mitte nehmen, auch wenn sie weit weg sind. Und wir wollen auch die russischen Soldatenmütter in unsere Mitte nehmen, deren Söhne als Soldaten einer Angriffsarmee gefallen sind, die aber genauso um sie trauern."

EKD-Ratsvorsitzende Kurschus: Osterjubel wird heuer leiser sein

Donnerstag, 14. April 2022, 08.17 Uhr: Laut der Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Annette Kurschus, bringt Corona und der Ukraine-Krieg die Menschen in eine "seelisch arg belastende Gemengelage". Dieses Jahr werde der Osterjubel leiser sein, sagte die westfälische Präses in ihrer Osterbotschaft: Der Ausruf "Christus ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!" wäre sonst "schamlos, ja, er könnte sich anhören, als sei er eine Gotteslästerung".

Sie glaube an die Auferstehung aus dem Tod, an das Ende von Gewalt und Krieg, sagte Kurschus.

"Und ich wünsche mir, dass es viele sind und dass es mehr werden, die das mit mir zusammen glauben. Jetzt erst recht."

Die biblischen Ostergeschichten träfen mitten hinein in enttäuschte Glaubenszweifel, sagte sie: 

"Die österliche Botschaft ist keine Schönwetterangelegenheit, sie bricht sich nur langsam Bahn inmitten von Not und Tod und löst keineswegs automatisch Jubel aus."

Kurschus berichtete von alten Menschen erzählen, die sich sehr bildhaft an ihre persönlichen Fluchtgeschichten aus dem Zweiten Weltkrieg erinnern. Sie höre von Retraumatisierungen, sagte die EKD-Ratsvorsitzende. Die alten Menschen mit ihren Kriegserfahrungen seien "gerade jetzt ungeheuer wichtig", sagte Kurschus:

"Sie, die am eigenen Leibe erlebt haben, was Krieg bedeutet, müssen uns jetzt warnen. Wir brauchen sie bitter nötig mit ihrer Stimme, die eindringlich zum Frieden ruft."

Heinrich Bedford-Strohm

EKD-Ratsvorsitzender und Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern
Evangelische Kirche in Deutschland (EKD)

Heinrich Bedford-Strohm ist seit 2011 Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (ELKB) und war von 2014 bis 2021 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Bedford-Strohm wurde 1960 in Memmingen geboren. Er studierte Theologie in Erlangen, Heidelberg und Berkeley (USA) und promovierte anschließend. Als Professor lehrte und lehrt er an verschiedenen Universitäten, u.a. in Gießen, Bamberg, New York (USA) und Stellenbosch (Südafrika). Sein Vikariat absolvierte er in einer Kirchengemeinde in Heddesheim, als Pfarrer war er in Coburg tätig.