Evangelische Kirche in Bayern
Die evangelische Christuskirche Utting ist eine einzigartige Holzknüppelkirche. Sie wurde durch einen Großbrand fast vollständig zerstört. Nun soll die Kirche wieder aufgebaut werden. Ein Blick in die Geschichte.
Evangelische Christuskirche Utting
Evangelische Christuskirche Utting - vor und nach dem Brand im August 2021.

Die evangelische Christuskirche ist architektonisch ein Unikum: Die Holzkirche ist eine der wenigen "Holzknüppelkirchen" in Deutschland. Sie orientiert sich an den Stabkirchen aus dem skandinavischen Raum oder in den ukrainischen Karpaten. Diese Kirchen bestehen aus einem viereckigen, festen Holzrahmen, sogenannte Masten bilden die Wände. Auf den Stäben lastet auch die gesamte Dachkonstruktion. Die Entstehung der Holzkirche ist eng mit der Geschichte der Evangelischen im oberbayerischen Utting verbunden.

Christuskirche Utting bei Großbrand vernichtet

Holzkirchen prägen häufig den Beginn einer Kirchbaugeschichte in einer Region, weil sich Holzbauten schnell und preiswert errichten ließen. Allerdings halten die meisten Holzkirchen der Alterung nicht stand - oder verbrannten. Die evangelische Christuskirche in Utting erlitt ebenfalls dieses tragische Schicksal: Sie brannte in der Nacht vom 25. auf den 26. August 2021 fast vollständig aus.

Evangelische am Ammersee

Die Region am Ammersee ist traditionell eher katholisch geprägt. Die evangelischen Gläubigen waren meist "Zugezogene" und trafen sich zunächst in Privaträumen oder nutzten für den Gottesdienst die Räume der Volksschule. Später wurde die kleine Gemeinde von einem evangelischen Reiseprediger aus Weilheim versorgt. Sein Gebiet erstreckte sich vom Starnberger See über den Ammersee bis nach Mittenwald, Partenkirchen und Oberammergau.

1921 gründeten einige Gemeindemitglieder den "Evangelischen Verein Utting". Der bei der Gründung 22 Mitglieder zählende Verein wuchs rasch. Über Schenkungen und einen Grundstückstausch konnte 1926 ein Grundstück auf einem unbebauten Hügel mit Blick über den Ammersee erworben werden.

Evangelischer Betsaal Utting

1927 entstand nach den der "Betsaal Utting", ein schlichtes Gemeindehaus aus Holz. Errichtet wurde sie nach Plänen des Schlossermeisters Geiß und des Architekten Gradl. Die kleine Kirche wurde am 10. Juli 1927 eingeweiht. Vier Jahre später, am 19. April 1931, wurden die drei Glocken des neu errichteten Glockenturms geweiht. Die Gemeinde zählte 1927 rund 700 Mitglieder, im Jahr 1939 waren es etwa 800 Mitglieder.

Gemeindezentrum Utting

In den 1970er Jahren wuchs die Gemeinde in Utting auf über 3.000 Mitglieder, und so gründete die Gemeinde unter Pfarrer B. Busch einen "Förderverein Gemeindezentrum Ammersee-West". Mit den Spendenmitteln wurden der Turm und die Fundamente der Kirche saniert. Am 17. Juli 1983 folgte die Einweihung eines neuen Gemeindezentrums. In den folgenden Jahren wurde die Uttinger Kirche nach den Plänen des Architekten Wolf-Eckart Lüps umgebaut und neu gestaltet. Am 1. Advent 1988 wurde die Christuskirche Utting, wie sie jetzt hieß, neu eingeweiht.

Großbrand - und Neubau?

Die Christuskirche wurde in der Nacht vom 25. August 2021 durch einen Brand völlig zerstört. Die Gemeinde reagierte geschockt. 2027 wäre die Christuskirche 100 Jahre alt geworden. Erste Gedanken zur Feier hatte sich die Gemeinde bereits gemacht. Nun soll die Holzkirche aber wieder errichtet werden. Ein Spendenkonto hierfür wurde schon eingerichtet.

Evangelisch am Ammersee

Die evangelischen am Ammersee hatten ihre erste Station in Dießen. 1898 gründete sich in Dießen ein "Evangelischer Verein", der 1899 das Gelände der alten Schießstätte samt Schützenhaus kaufte. Das Gelände wurde aufgegeben, im Jahr 1900 dann die Friedenskirche in Dießen eingeweiht.

Ab 1926 wurde das Ammersee-Westufer zur Tochterkirchengemeinde der evangelischen Gemeinde Weilheim. Damit wurde die Region zum sogenannten "Exponierten Vikariat". Nun betreute ein Vikar die Gemeinde mit Gottesdienst, Unterricht und Seelsorge.

Holzkirchen in Bayern

Holzkirchen in Deutschland sind eine Seltenheit. Die Bauweise ist anfällig und nicht alterungsbeständig. In Bayern gibt es mehrere Holzkirchen zu bewundern:

  • Die sogenannte Napoleons-Kapelle in Tittling im Museumsdorf Bayerischer Wald wurde errichtet von einem Überlebenden von Napoleons Feldzug und stammt von 1828.
  • Die Holzkapelle Lindberg stammt ursprünglich aus Hermannsried bei Bischofsmais im Bayerischen Wald. Die Kirche von 1885 wurde versetzt und gehört heute zum Bauernhofmuseum in Lindberg.
  • Die Kirche St. Maria im Münchner Fasangarten gehört zur rumänisch-orthodoxen Gemeinde. Die kleine Kapelle stammt von 2016 und wurde von Meistern aus der Maramures geschnitzt.
  • Die katholische Marienklause am Steilufer der Isar in München-Harlaching stammt aus dem Jahr 1866 und wurde von Architekt Helmut Achleitner errichtet - als Dank dafür, dass die Mutter Gottes ihn "mehrfach vor dem Tod gerettet" habe.

Spendenkonto für den Wiederaufbau der Uttinger Kirche

Die Uttinger Kirche soll wieder aufgebaut werden. Die Gemeinde hat dafür ein eigenes Spendenkonto eröffnet.

IBAN DE66 7005 2060 0000 1055 69,

BIC BYLADEM1LLD,

Betreff „Wiederaufbau Christuskirche“.

Die ausgebrannte Christuskirche in Utting
Die evangelische Christuskirche in Utting ist bei einem verheerenden Brand im August 2021 fast komplett zerstört worden.
Die ausgebrannte Christuskirche in Utting
Die ausgebrannten Überreste der historischen Kirche am Ammersee.
Evangelische Christuskirche Utting
Der Innenraum der evangelischen Christuskirche in Utting vor dem Brand.

Evang.-Luth. Pfarramt Dießen-Utting

Laibnerstraße 20

Evangelische Kirchen in Bayern

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Evangelische Dekanate in Bayern

Im evangelischen Bayern gibt es insgesamt 66 Dekanatsbezirke. Sie umfassen insgesamt 1538 Kirchengemeinden. Die Dekanate oder Dekanatsbezirke organisieren das kirchliche Leben in einer Region. Die Dekanatsbezirke sind wiederum in sechs Kirchenkreisen zusammengefasst. In unserem Dossier stellen wir alle evangelischen Dekanate in Bayern vor.

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