8.11.2009
Das Beste aus der Bibel

Was die Bibel übers Lügen sagt

"Du sollst nicht lügen!" In den Zehn Geboten steht das, anders als oft behauptet, nicht. Dennoch verurteilt die Bibel das Lügen.
Pinocchio-Figuren
Pinocchio hat ein Problem mit dem Lügen: Immer wenn die Figur aus dem Kinderbuch eine Unwahrheit erzählt, wächst ihre Nase beträchtlich.

Lügen kostet das Leben

Wer ist eigentlich der Leidtragende einer Lügengeschichte? Jedenfalls nicht nur der Belogene. Wer lügt, lügt sich selbst in die Tasche. Denn der Lügner lädt Schuld auf sich und tut sich selbst nicht gut. Das weiß auch die biblische Tradition der Weisheit, die viele kluge und lebenserfahrene Ratschläge parat hat. "Hütet euch nun vor unnützem Murren und bewahrt die Zunge vor böser Nachrede", heißt es da, denn "der Mund, der lügt, bringt sich den Tod"  (Weisheit 1, 11). Zur selben Zeit wurden die "Stücke zum Buch Daniel" verfasst, ein apokryphes Bibelbuch. Dessen Verfasser formuliert noch drastischer:

"Mit deiner Lüge bringst du dich selbst um dein Leben." (Stücke zum Buch Daniel 1, 59)

Lügengeist

Wie seltsam: Ein "Lügengeist" bittet Gott um Erlaubnis, die Propheten zu verwirren. Gott erlaubt es ihm sogar! Das erinnert an den Dialog zwischen Gott und Satan am Beginn des Hiob-Buches. Die Verfasser des Königsbuches erklären mit einem Lügengeist, dass viele Propheten zur Zeit Ahabs (um 860 v. Chr.) Lügen verbreiteten. Religionswissenschaftler halten die Vorstellung von Lügengeistern für ein Relikt des alten Glaubens an die Heerscharen des Belial, des Herrn der Finsternis.

"Er sprach: Ich will ausgehen und will ein Lügengeist sein im Munde aller seiner Propheten!" (1. Könige 22, 22f.)

Dossier

Basiswissen Christentum

Das Christentum ist die größte Religionsgemeinschaft der Welt. Rund 2,3 Milliarden Menschen bekennen sich zu Jesus Christus. Aber woran glauben Christen genau? Welche Bedeutung haben Feste und Feiertage wie Weihnachten, Ostern, Himmelfahrt und Pfingsten? Und was steckt hinter dem Vaterunser oder der Begrpredigt? Lesen Sie es nach in unserem Dossier!

Lügen als Sucht

Wie heute, gab es schon in biblischen Zeiten Menschen, die sich ans Lügen dermaßen gewöhnten, dass sie es gar nicht mehr sein lassen konnten. Das weiß auch der weise Jesus Sirach. In seinem Buch bezeichnet er die Lüge als "hässlichen Schandfleck an einem Menschen". Leider sei die Lüge trotzdem "im Munde unerzogener Leute gang und gäbe".

"Gewöhne dich nicht an die Lüge; denn das ist eine Gewohnheit, die dir Schaden bringt." (Sirach 7, 14)

 

Der Teufel ist der Vater der Lügen

Diese Bibelpassage hat viel Unheil angerichtet. Antijudaisten und Antisemiten aller Zeiten beriefen sich auf sie und meinten, ihre unselige Hetze biblisch begründen zu können. In seinem Evangelium schildert Johannes ein Streitgespräch zwischen Jesus und Jerusalemer Juden. Da sie in Jesus nicht Gott erkennen, ihn sogar töten lassen wollen, dürften sie sich nicht auf Gott berufen. Die unverständigen Juden seien Kinder des Teufels, der wiederum "Vater aller Lügen" sei. Solche judenkritischen Passagen aus dem Zusammenhang der Bibel zu reißen und für ideologische Zwecke zu missbrauchen, ist hochgradig unredlich. Denn das Volk Israel ist und bleibt nach der Gesamtsicht der Bibel das Volk Gottes.

"Ihr habt den Teufel zum Vater…er ist ein Lügner und der Vater der Lüge." (Johannes 8, 44)

 

"Legt die Lüge ab!"

Wer an Christus glaubt, erneuert seinen Geist und Sinn - davon ist Apostel Paulus überzeugt. Der Gemeinde von Ephesus gibt er Tipps, was sich im "neuen Leben" des Glaubens ändern sollte. Das Lügen solle aufhören, das Stehlen, das Schwätzen und Lästern.

"Darum legt die Lüge ab und redet die Wahrheit, ein jeder mit seinem Nächsten, weil wir untereinander Glieder sind." (Epheser 4, 25)

 

Lügenapostel unterwegs

Die ersten christlichen Gemeinden sahen sich ganz unterschiedlichen Bedrohungen ausgesetzt. Eine bestand darin, wahre von falschen Aposteln zu unterscheiden. In Korinth traten solche "Lügenapostel" auf, "betrügerische Arbeiter", die sich als "Apostel Christi" tarnen (2. Korinther 11, 13). Auch die Christen in Ephesus mussten die Kunst des Unterscheidens lernen. Offensichtlich ist ihnen das gelungen, denn in der Offenbarung werden sie dafür gelobt.

"Du hast die geprüft, die sagen, sie seien Apostel und sind's nicht, und hast sie als Lügner befunden." (Epheser 4, 25)

 

Am Ende bleiben die Lügner ausgeschlossen

Wer im Leben für seine Lügen nicht gestraft wird, bekommt am Ende die Quittung. Beim Jüngsten Gericht werden die Lügner von der endzeitlichen Wiederkunft Jesu Christi ausgeschlossen sein. Das Schicksal teilen sie nicht nur mit Hunden, sondern auch mit Ketzern, Killern und Unzüchtigen. Einen kleinen Hoffnungsschimmer lassen die letzten Zeilen der Bibel jedoch: "Der Geist und die Braut sprechen: Komm!" Ob sie damit auch die Lügner einladen, bleibt im Unklaren.

"Draußen sind die Hunde und die Zauberer und die Unzüchtigen und die Mörder und die Götzendiener und alle, die die Lüge lieben und tun." (Offenbarung 22, 15)

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