18.03.2021
"Gedenkenswert"

Kirche bietet mit neuem Projekt "Gedenkenswert" einen Ort zum digitalen Trauern an

Digital um Verstorbene trauern - das soll mit einem Online-Friedhof möglich werden. Wie Gedenken im Netz funktioniert.

Erinnerungen pflegen, Mitgefühl ausdrücken, Kerzen anzünden: Was während der Corona-Pandemie auf dem Friedhof vielen Trauernden versagt blieb, will die bayerische Landeskirche jetzt zumindest online ermöglichen.

Unter www.gedenkenswert.de können User mit einem Foto und einem kurzen Text an Verstorbene erinnern, teilte der Projektverantwortliche Rainer Liepold dem Sonntagsblatt mit.

Digitalisierungsschub in der Abschiedskultur

"Corona hat auch mit Blick auf die Abschiedskultur einen Digitalisierungsschub ausgelöst", sagte der Pfarrer. Er sei sich sicher, dass das Bedürfnis nach einem Online-Friedhof unabhängig von den aktuellen Beschränkungen bestehe.

"Gerade bei unseren Abschieden brauchen wir ein soziales Netz" betonte er. Aufgrund der zunehmenden Mobilität und hoher Arbeitsbelastung verlören viele Menschen die Pflege eines Grabes aus dem Auge, obwohl ihnen die Erinnerungen an den Verstorbenen eigentlich wichtig wären.

An dieser Stelle sei die digitale Vernetzung eine große Chance.

"Gedenkenswert" steht für lebensbejahende Beiträge offen

"Uns ist wichtig, dass lebensbejahend über den Tod gesprochen wird", sagte Liepold. Deshalb sind auf der Seite auch Beiträge willkommen, in denen Menschen davon berichten, was ihr Leben lebenswert macht oder was ihnen nach dem Tod eines Angehörigen geholfen habe.

"Gedenkenswert" werde von der "Bayerischen Stiftung Hospiz" gefördert, teilte Liepold mit. Eine Reihe von Pfarrerinnen und Pfarrer beteiligten sich am redaktionellen Rahmen. 

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