Wer an Oberfranken denkt, hat oft Bilder von Provinz im Kopf. Irgendwo zwischen Mittelgebirge, Dorfkirche und viel zu viel Ruhe. Ein Klischee, das sich hartnäckig hält, vor allem südlich der Mainlinie. Genau gegen dieses Bild richtet sich der neue Imagefilm des evangelisch-lutherischen Dekanats Münchberg. Er zeigt Landschaften, Gesichter, Alltag. Und vor allem eines: Warum es sich lohnt, hier im Dekanat Münchberg zu leben und zu arbeiten.
Münchberg ist der ideale Arbeitsort
"Der Film soll nach außen zeigen, wie schön es bei uns ist, in unserer Region und in unseren Kirchengemeinden", sagt Dekan Wolfgang Oertel. Es gehe nicht um Hochglanzbilder oder Marketing-Sprech, sondern um eine Einladung. "Wir wollen zeigen, was hier Tolles geleistet wird und wie sehr wir uns freuen würden, wenn Menschen sich aufmachen, bei uns zu arbeiten."
Die Zielgruppe ist bewusst weit gefasst. Bewerbungen sollen nicht nur aus Oberfranken kommen, sondern aus ganz Bayern. "Wer einmal hier war, der will gar nicht mehr weg", sagt Oertel und lacht. Dann wird er ernst: Oberfranken werde oft unterschätzt. Zu Unrecht. "Die Menschen hier sind aufgeschlossen, herzlich, engagiert. Wer hier ankommt, wird aufgenommen. Man ist schnell Teil von Vereinen, von Dorfgemeinschaften, von kirchlichem Leben." Wer glaube, Oberfranken sei langweilig oder hinterwäldlerisch, sei schlicht noch nie hier gewesen.
Oberfranken ist einfach grandios
Dazu kommt die Region selbst: Mittelgebirgslandschaften, Seen, Wanderwege, Freizeitmöglichkeiten, vielfältige kulturelle Angebote, Infrastruktur. "Es ist alles da. Es ist eigentlich grandios, hier zu sein", sagt der Dekan. Für viele, die aus Ballungsräumen kommen, ist das ein Perspektivwechsel. Weniger Enge, weniger Taktung, mehr Raum zum Atmen. Oertel spricht von Freiheit. Freiheit, Kirche zu gestalten, aber auch Freiheit im Leben jenseits des Dienstplans.
Der Film ist aber nicht nur Liebeserklärung an eine Region, sondern auch Reaktion auf eine reale Herausforderung: vakante Stellen. Die Situation im Dekanat Münchberg ist angespannt. Zwei Pfarrstellen sind derzeit nicht besetzt, dazu kommt eine volle Stelle in der Jugendarbeit, für die händeringend gesucht wird. "Es ist nicht gut, das muss man ehrlich sagen", so Oertel. Der Personalmangel sei kein Münchberger Sonderproblem, sondern überall spürbar. Dennoch will er nicht jammern, sondern einladen.
Dienstordnungen gemeinsam entwickeln
Was Bewerberinnen und Bewerber erwartet, beschreibt der Dekan bewusst anders, als es viele Stellenanzeigen tun. Keine "eierlegende Wollmilchsau", keine unrealistischen Anforderungen. Stattdessen: Spielräume. "Je nachdem, wer kommt, setzen wir die Menschen nach ihren Gaben ein", sagt Oertel. Wer Musik liebt, soll Musik machen. Wer Seelsorge im Krankenhaus im Blick hat, soll dort wirken. Wer Notfallseelsorge möchte, bekommt diese Aufgabe. Wer ein Herz für die Jugendarbeit hat, soll sich dort engagieren. Dienstordnungen werden nicht von oben verordnet, sondern gemeinsam entwickelt. Kirche als Arbeitsplatz, der nicht normiert, sondern entfaltet.
Auch die kirchliche Kultur im Dekanat beschreibt Oertel als offen. Hardrock-Gottesdienste, Männer-Gottesdienste, besondere Osterliturgien, Thomasmessen, Angebote für Familien, Blockhütte im Wald für naturnahe Jugendarbeit. Vieles ist möglich, nichts ist vorgeschrieben. "Hier ist überhaupt kein Zwang. Wer etwas möchte, kann es ausprobieren und findet dafür auch Offenheit." Das ist keine Selbstverständlichkeit in kirchlichen Strukturen. Und genau das soll der Film zeigen: Gestaltungsspielräume, nicht nur schöne Kulissen.
Ohne Ehrenamtliche läuft nichts
Ein weiterer Punkt, den Oertel betont, ist das Miteinander im Team. Hauptamtliche und Ehrenamtliche arbeiten eng zusammen. Kirchenvorstände übernehmen Verantwortung, Ehrenamtliche leiten Kreise und KVs, bringen Ideen ein. Die Pfarrpersonen sind nicht alleinige "Macher", sondern eher Regisseure, Begleiter, Ermöglicher. "Ohne die Ehrenamtlichen funktioniert hier gar nichts", sagt der Dekan. Wer ins Dekanat Münchberg kommt, trifft auf engagierte Menschen – und auf ein multiprofessionelles Team, das sich gegenseitig trägt.
Auch persönliche Töne fehlen nicht. Als Oertel sich auf die Stelle in Münchberg bewarb, war das Dekanat für ihn zunächst "ein unbeschriebenes Blatt". Freunde fragten ihn, warum er ins Oberfränkische Oberland gehen wolle. Heute sagt er: "Ich habe eine große Liebe, meine große Liebe, hier entdeckt." Privat wie dienstlich könne er sich kaum vorstellen, woanders zu arbeiten. Dass das Dekanat in den kommenden Jahren in größere Verbünde eingebunden wird, sieht er nicht als Verlust, sondern als Chance zur Kooperation.
Frieden und Glück finden
Der Imagefilm soll all das nicht erklären, sondern erlebbar machen. Gesichter statt Paragrafen, Alltag statt Strukturpapiere. "Wir suchen keine perfekten Lebensläufe", sagt Oertel sinngemäß. "Wir suchen Menschen mit Liebe, Leidenschaft und Glauben." Wer diese mitbringt, könne hier seinen Platz finden. Oder, wie er es selbst formuliert: "Bring deine Liebe, deine Leidenschaft, deinen Glauben und deine Person mit – und du wirst hier Frieden und Glück finden."
Der Film ist damit mehr als ein Werbeclip. Er ist ein Versuch, eine Region neu zu erzählen. Und eine Einladung an Pfarrpersonen aus ganz Bayern, Oberfranken nicht als ganz weit weg zu sehen zu sehen, sondern als echten Lebens- und Arbeitsort.