Die Dirigentin, Organistin und Pianistin Ekaterina Porizko wird Landeskirchenmusikdirektorin der bayerischen evangelischen Landeskirche. Am 17. April wird die 36-Jährige in München offiziell in ihr Amt eingeführt. Sie folgt damit auf Ulrich Knörr, der Ende Dezember dieses Jahres in den Ruhestand geht. Zuletzt war Porizko als Referentin für Kirchenmusik im Landeskirchenamt der Evangelischen Kirche im Rheinland tätig. Zudem leitet die Musikerin drei Festivals in Deutschland.
"Erfahrene und leidenschaftliche Kirchenmusikerin"
Oberkirchenrat Stefan Blumtritt sagte zu der Personalentscheidung, Porizko bringe eine "außergewöhnliche Verbindung" aus künstlerischer Exzellenz, pädagogischer Erfahrung und strategischem Weitblick mit für ihre neue Aufgabe. Man gewinne mit Porizko eine "erfahrene und leidenschaftliche Kirchenmusikerin, die mit künstlerischem Engagement, pädagogischer Kompetenz und visionärem Denken unsere Kirchenmusik in Bayern bereichern wird", sagte der Oberkirchenrat. Man werde mit ihr "neue musikalische Wege gehen".
Die 36-Jährige selbst verstehe Kirchenmusik "als Herzstück kirchlichen Lebens". "Ich möchte gemeinsam mit vielen Engagierten daran arbeiten, dass unsere Kirchenmusik vielfältig, qualitätsstark und strukturell zukunftsfähig bleibt", sagte Porizko. Berufliche Stationen führten die Musikerin in mehrere europäische Länder und in die USA. Konzerttätigkeit, Opernerfahrung und die Gründung von Festivals prägen ihre Handschrift. Per Fundraising habe sie schon sechsstellige Budgets zusammengetragen.
Wir haben ihr drei Fragen gestellt.
Frau Porizko, was ist für Sie das Besondere an Kirchenmusik?
Ekaterina Porizko: Ich merke bei jedem Konzert, bei jedem Gottesdienst, bei jeder Chorprobe, dass die Musik auf die Menschen wirkt. Ich sehe, wie verändert die Menschen danach rausgehen. Das ist für mich das Entscheidende: die Verkündigung, die durch die Musik strömt. Als ich klein war, habe ich immer zu meiner Mutter gesagt, wenn ich es schaffe, dass ich auch nur einem Menschen in meinem Leben mit der Musik die Seele erleuchten kann, dann lebe ich nicht umsonst. Seitdem waren es, denke ich, schon sehr viele Menschen.
Welche Aufgaben haben Sie als Landeskirchenmusikdirektorin?
Es ist eine sehr vielfältige Tätigkeit, angefangen bei der Personalführung. Ich sorge dafür, dass die Stellen besetzt sind, dass die Kirchenmusikerinnen und -musiker vor Ort sich wohlfühlen und sich weiterentwickeln können. Dazu kommen viele konzeptionelle Fragen, wohin wir gehen und was wir erreichen wollen. Unsere Gesellschaft hat sich stark verändert und unsere Kirche soll sich verändern. Auch die Kirchenmusik soll innovativ mitgehen, ohne dass man die Tradition verliert. Bei mir liegt ebenfalls die Frage der Ausbildung der nebenamtlichen und hauptamtlichen Kirchenmusiker. Es gibt auch einen künstlerischen Anteil, bei dem ich eigene Projekte durchführen kann.
Mir ist wichtig, dass wir Kirchenmusik in aller Vielfalt, die sie bietet, ausüben können. Lange Zeit brachte der Beruf ein Gefühl des Einzelkämpferseins mit sich. Ich wünsche mir, dass sich die Kolleginnen und Kollegen vor Ort als Teamplayer fühlen. Und ich möchte die Kirchenmusik noch mehr vernetzen, etwa die Festivals miteinander verknüpfen, damit das, was wir machen, noch mehr Ausstrahlung bekommt.
Sie sind seit dem 1. Januar im Amt. Wie war die erste Zeit für Sie?
Es war wunderbar, ich fühle mich sehr wohl. Ich war immer wieder erstaunt, welchen großen Schatz die bayerische Landeskirche hat - und das sind die Kirchenmusiker vor Ort. Ich fühle mich sehr gesegnet, dass ich mit so vielen tollen Menschen zusammenarbeiten kann. Ich war schon in Nürnberg, Bayreuth, Ansbach, Aschaffenburg, Pappenheim und an vielen anderen Orten. Jede Woche lerne ich mindestens 50 neue Menschen kennen, glaube ich. Wir haben nicht nur Online-Sitzungen, sondern auch viele Treffen vor Ort. Es bereitet mir große Freude, mit den Menschen zu arbeiten.