8.08.2019
Erste Hilfe für Gewaltopfer:

Evangelisch in Zentralamerika: Münchner Stadtdekanin weiht Traumazentrum in El Salvador ein

Im Rahmen einer Partnerschaftsreise nach El Salvador hat die Münchner Stadtdekanin Barbara Kittelberger das neue Traumazentrum in der Hauptstadt San Salvador eingeweiht. Dort sollen Opfer von Gewalt und gescheiterte Flüchtlinge begleitet werden. Das Dekanat München pflegt seit 1992 enge Beziehungen zur Lutherischen Kirche von El Salvador.
Kittelberger El Salvador Einweihung Traumazentrum 2019
Münchens Stadtdekanin Barbara Kittelberger und Christiane Frey, Vorsitzende des El Salvador Ausschusses, grüßen die neuen Pastoren

Das Traumazentrum wurde aus Mitteln des Dekanats München, der Landeskirche, der Stiftung Wings of Hope und des kirchlichen Partnerschaftszentrums Mission Eine Welt in Neuendettelsau finanziert. "Ziel ist, die begonnene Arbeit zu verstetigen und eine Anlaufstelle für Betroffene zu schaffen", sagte Diakon Dietmar Frey, der im Dekanat München für die Notfallseelsorge zuständig ist, dem Evangelischen Pressedienst epd vor Reiseantritt.

Schulungen für Traumaarbeit in der Fläche

Bereits beim vorletzten Besuch in El Salvador habe man zusammen mit den Traumaexperten von Wings of Hope eine Schulung für 16 Pfarrer und Sozialpädagogen durchgeführt. "Sie sind seither befähigt, in ihren Dörfern und Gemeinden Traumaarbeit zu machen", sagt Frey. In einer zweiten Ausbildungsrunde hätten die Absolventen andere Kirchenmitarbeiter aus Honduras, Nicaragua und Costa Rica in Traumapädagogik geschult. "Und als in Guatemala Ende 2018 bei einem Vulkanausbruch viele Menschen ums Leben kamen, hat die Kirche von El Salvador ihre Traumaexperten dorthin geschickt, um bei der Krisenintervention zu helfen", so Frey.

So zieht das Wissen um Traumaarbeit im Raum der CILCA, dem evangelischen Kirchenbund Zentralamerikas, weite Kreise. Wie nötig das ist, zeigt ein Blick auf die politische Situation vor allem in El Salvador.

Das Land, das gerade so groß ist wie Hessen, hat eine der höchsten Kriminalitäts- und Mordraten der Welt.

Das Auswärtige Amt warnt Urlauber vor Überfällen in Taxis, Bussen und auf offener Straße; die Hemmschwelle beim Einsatz von Gewalt sei "sehr niedrig". Entführung, Erpressung und Mord gehören für die Menschen in El Salvador zum Alltag - kaum eine Familie, die davon nicht schon einmal betroffen war. Das Geld, um medizinische oder psychologische Hilfe zu bezahlen, haben die wenigsten.

Bischof Rev. Dr. Medardo E. Gómez von der Iglesia Luterana Salvadorena und Stadtdekanin Barbara Kittelberger
Bischof Rev. Dr. Medardo E. Gómez von der Iglesia Luterana Salvadorena und Stadtdekanin Barbara Kittelberger

Das Traumazentrum solle hier die Funktion einer Clearingstelle übernehmen, als kostenfreien "Eingangsbereich zu Traumaarbeit", wie Diakon Frey es nennt. Vier Räume stehen in dem ehemaligen Verwaltungsgebäude zur Verfügung. Der Probebetrieb im Zentrum, das von der Pfarrerin und Psychologin Wilma Rodriguez geleitet wird, läuft seit November 2018. Der Besuch der Münchner Delegation dient auch einer ersten Auswertung: Wie viele Menschen nutzen das Angebot, welche Themen stehen im Vordergrund?

Neben Traumaarbeit auch Anlaufstelle für Geflüchtete

Schon jetzt zeichne sich ab, dass neben der Erstberatung und Stabilisierung bei akuten Fällen und den längerfristigen Gesprächsangeboten zur Resilienzförderung noch eine weitere Gruppe Hilfe braucht: Die gescheiterten Flüchtlinge, die nach ihrem Auswanderungsversuch in die USA mit traumatischen Erfahrungen mittellos nach El Salvador zurückkehren. "Wir werden mit unseren Partnern beraten, ob wir im Traumazentrum ein Migrationsprojekt aufbauen", sagt Dietmar Frey.

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