31.12.2018
Neujahrsbotschaften

Evangelische Bischöfe fordern stärkeren Einsatz für Frieden

In den Neujahrsbotschaften der Kirchen steht das Thema Frieden im Mittelpunkt. "Am Reden vom Frieden fehlt es nicht. Am Handeln machmal schon", kritisierte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ruft zu gesellschaftlichem Zusammenhalt auf.
Feuerwerk

Spitzenvertreter der evangelischen und katholischen Kirchen haben einen stärkeren Einsatz für Frieden und Zusammenhalt gefordert. In seiner Botschaft zum Jahreswechsel kritisierte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, die deutsche Rüstungsexport-Politik. "Am Reden vom Frieden fehlt es nicht. Am Handeln manchmal schon." Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, sagte, Europa stehe im kommenden Jahr vor der Aufgabe, besonders den armen und schwachen Menschen Möglichkeiten zu eröffnen und zu zeigen, wie Vielfalt und Einheit im Miteinander möglich seien.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) rief zu mehr Zusammenhalt international sowie in Deutschland auf. Nur so seien die Herausforderungen unserer Zeit zu meistern, sagte sie in ihrer Neujahrsansprache. Als wichtigste Themen nannte die Kanzlerin den Klimawandel, die Migration und den Kampf gegen den internationalen Terrorismus. Im eigenen Interesse könne man all diese Fragen am besten lösen, "wenn wir die Interessen anderer mitbedenken". Die Regierungschefin beklagte, dass diese Überzeugung heute nicht mehr von allen geteilt werde. Gewissheiten der internationalen Zusammenarbeit würden unter Druck geraten. Merkel kündigte an, dass sich Deutschland mit der Übernahme eines Sitzes im UN-Weltsicherheitsrat am 1. Januar für globale Lösungen einsetzen werde.

Kardinal Marx ruft zu Erneuerung der katholischen Kirche auf

Marx rief zudem zu einer Erneuerung der Kirche nach dem Missbrauchsskandal auf. Diese Notwendigkeit ergebe sich angesichts des Versagens und der Unfähigkeit der Kirche, auf die Herausforderungen und Missstände angemessen zu reagieren, betonte der Kardinal laut vorab verbreiteter Meldung in seinem Predigtmanuskript für den Silvestergottesdienst im Münchner Dom. Das gelte vor allem für die Verantwortlichen in der Kirche im Blick auf "das ungeheure Geschehen des sexuellen Missbrauchs, das im Kern ein Missbrauch geistlicher Macht war und ist".

Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki entschuldigte sich bei den Missbrauchsopfern. "Wir haben hier Schuld und Versagen einzugestehen", sagte Woelki in seiner Silvesterpredigt laut Manuskript im Kölner Dom. Die Missbrauchsstudie habe gezeigt, dass Verantwortliche in der Kirche Betroffenen nicht geglaubt hätten, sondern eher bereit waren, die Institution Kirche zu schützen. "Das tut mir von ganzem Herzen weh und leid", sagte der Kardinal. Deshalb wolle er sich am letzten Tag des Jahres noch einmal ganz bewusst für alles "Versagen, Verschweigen und Vertuschen" entschuldigen. 

Evangelische Bischöfe setzen sich für Frieden ein

Wie weitere evangelische Bischöfe stellte Bedford-Strohm die Notwendigkeit für mehr Friedensengagement in den Mittelpunkt seiner bereits einige Tage vorab verbreiteten Rede: "Frieden kann nur entstehen, wo die Spirale der Gewalt durchbrochen wird." Die Anwendung von militärischer Gewalt sei immer eine Niederlage, sagte der Theologe. "Gleichzeitig ringen wir mit der Frage, ob es Fälle gibt, in denen die Anwendung von Gewalt das kleinere Übel ist", sagte der bayerische Landesbischof. Um für einen gerechten Frieden einzutreten, brauche es Leidenschaft, aber auch "die Besonnenheit, damit die Leidenschaft nicht in den Fanatismus abgleitet". 

Der evangelisch-reformierte Kirchenpräsident Martin Heimbucher betonte, um Politik friedlich zu gestalten, sei es unabdingbar, populistische Scharfmacher zu entlarven. Dazu sei ein demokratisches Miteinander nötig, das bereits früh eingeübt werden müsse - zum Beispiel in der Schule und dem Konfirmandenunterricht.

Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister sagte dem Evangelischen Pressedienst (epd): "Wachsende Auseinandersetzungen, darunter auch kriegerische wie zwischen Russland und der Ukraine, fordern uns permanent heraus. Und wir müssen uns fragen, was in den vergangenen Jahrzehnten an Friedensinitiativen eigentlich gelungen ist." Deutschland sei immer noch unter den Top fünf bei der Waffenproduktion. "Die Kriege in aller Welt sind auch unsere Kriege, denn wir exportieren unsere Waffen dorthin."

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