Nun ist es also soweit. Sowohl US-Präsident Donald Trump als auch der iranische Präsident Masoud Pezeshkian haben das Abkommen unterzeichnet, das den Krieg gegen den Iran nach einer längeren Waffenruhe endgültig beenden soll. Am Ende bleibt vor allem eine unbequeme Frage: Ein milliardenschwerer Krieg, entfesselt mit großen Worten und noch größeren Versprechen – und was genau ist das Ergebnis?

Die Straße von Hormus ist wieder offen, der Schiffsverkehr läuft wieder. Damit ist das Problem gelöst, das erst durch die Eskalation entstanden war. Ansonsten bleibt von den vollmundig verkündeten Kriegszielen der US-Regierung wenig übrig. Wurden sie mehrfach verändert? Allerdings. Wurde eines davon erreicht? Nein.

Donald Trump wollte als Präsident der Stärke auftreten – als jemand, der Amerikas Gegner mit Härte in die Knie zwingt. Stattdessen ließ er sich offenbar in einen Konflikt hineinziehen, dessen Dynamik er selbst kaum kontrollieren konnte und vermutlich nie verstanden hat. Eine Recherche der "New York Times" zeigt, wie Israels Premierminister Benjamin Netanjahu – wie bereits zuvor bei mehreren US-Präsidenten erfolglos – versuchte, Washington zu einer militärischen Konfrontation mit dem Iran zu bewegen. Dieses Mal mit Erfolg.

Der Irrglaube, Konflikte mit Gewalt lösen zu können

Manche glauben, Trump habe nur schlecht verhandelt. Das greift jedoch zu kurz. Das Problem war nicht der letztlich ausgehandelte Deal am Ende des Krieges. Das Problem war die Illusion, dass sich ein Konflikt wie dieser mit maximaler militärischer Überlegenheit brachial lösen ließe, so wie Alexander der Große einst den gordischen Knoten durchschlug.

Der Iran hatte mit der Straße von Hormus ein Druckmittel, das die gesamte Weltwirtschaft treffen kann. Hochrangige US-Militärs wussten das und warnten Trump. Vergeblich. Trotzdem wurde die Eskalation riskiert.

Und genau hier sollte Europa, insbesondere Deutschland, hinschauen. Denn auch bei uns wächst die Begeisterung für Aufrüstung und militärische Stärke. In den Medien wird ständig mehr gefordert: mehr Waffen, mehr Soldat:innen, mehr Abschreckung, mehr Härte. Doch der Iran-Krieg zeigt, wie gefährlich diese simple Logik ist.

Sicherheit entsteht nicht durch Gewalt

Sicherheit entsteht nicht allein dadurch, dass man stärker zuschlagen kann als der Gegner. Und Frieden entsteht nicht, indem man die eigene Zerstörungskraft erhöht. Nein, Krieg – oder auch nur die demonstrative Bereitschaft dazu – ist keine Lösung für komplexe Probleme. 

Die einzigen, die zuverlässig von Kriegen profitieren, sind jene, die daraus Macht oder Gewinn ziehen, oft beides. Sorgen, dass sie selbst oder ihre Verwandten unter den Folgen des angezettelten Irrsinns leiden könnten, müssen diese Menschen nicht haben. 

Diplomatie ist keine Schwäche

Die Lehre aus diesem Konflikt müsste deshalb eigentlich unbequem sein: Nicht die Fähigkeit zum Krieg macht einen Staat stark. Sondern die Fähigkeit, ihn zu verhindern.

Auch wenn es seit der vom damaligen Bundeskanzler Scholz ausgerufenen Zeitenwende niemand mehr hören mag: Diplomatie, Austausch und Verhandlungen sind keine Zeichen von Schwäche, sondern von Stärke.

Sie sind politische Werkzeuge. Und manchmal mächtiger als tausende von Raketen und Drohnen.