Ehrenamt
Bundesweit engagieren sich rund 31 Millionen Menschen ehrenamtlich. Trotzdem sei das Thema in der Corona-Pandemie nur wenig beachtet worden, kritisiert der Referent fürs Ehrenamt in der Diakonie Bayern, Harald Keiser. Der Ausnahmezustand habe aber auch zu positiven Entwicklungen geführt.
Harald Keiser, Referent für bürgerschaftliches Engagement und Ehrenamt in der Diakonie Bayern
Harald Keiser, Referent für bürgerschaftliches Engagement und Ehrenamt in der Diakonie Bayern

Den Millionen von Ehrenamtlern in Deutschland wird nach Expertenmeinung in der Corona-Pandemie zu wenig Beachtung geschenkt. Die wirtschaftlichen Hauptthemen seien in der öffentlichen Debatte vor allem Homeoffice und Kurzarbeit gewesen, sagte Harald Keiser, Referent fürs Ehrenamt in der Diakonie Bayern, dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Rande des Bayerischen Ehrenamtskongresses am Donnerstag in Nürnberg. Beides sei aber für Ehrenamtliche, die im unmittelbaren Dienst am Menschen stehen, nicht möglich.

Keiser: Ehrenamt mit direktem Kontakt zu Menschen besonders von Pandemie betroffen

Dazu komme, dass die "Bezahlung" in Form von Dankbarkeit, Wertschätzung oder dem Gefühl, etwas Gutes zu tun, für viele Ehrenamtliche ebenfalls weggefallen sei, sagte Keiser weiter. Insgesamt gibt es laut Bundesinnenministerium rund 31 Millionen Ehrenamtliche in Deutschland, bayernweit sind es mehr als fünf Millionen.

Vor allem das "aufsuchende" Ehrenamt mit direktem Kontakt zu den Menschen habe in der Pandemie stark gelitten, sagte Keiser. So hätten etwa Besuchsdienste in Pflegeheimen und Krankenhäusern vorübergehend eingestellt werden müssen - zum einen wegen der strengen Hygieneregeln, zum anderen weil die Ehrenamtlichen meist älter seien und selbst zur Corona-Risikogruppe gezählt hätten. Senioren und Pflegebedürftige seien in der Folge dann isoliert gewesen.

Keiser: Corona hat Digitalisierung des Ehrenamts vorangetrieben

Wie sich das Ehrenamt in diesen Bereichen weiter entwickeln werde, sei die große Frage, sagte Keiser. Nach dem langen Lockdown gebe es nun zwar Lockerungen, es sei wieder mehr Nähe möglich. Dennoch bleibe vielen Ehrenamtlichen die Frage im Hinterkopf, ob im Herbst die nächste Corona-Welle komme. Und nicht jeder komme mit dem ständigen Wechsel von Nähe und Distanz zurecht. Und auch nicht jeder kehre nach dem langen Lockdown in sein altes Ehrenamt zurück, betonte Keiser.

Dennoch hofft er, dass sich nun auch Menschen fürs Ehrenamt interessieren, für die es bislang keine Rolle gespielt hat. Denn die Corona-Pandemie habe auch in vielen ehrenamtlichen Bereichen die Digitalisierung vorangetrieben, so dass nun auch mehr technik-affine Menschen begeistert werden könnten, unterstrich Keiser, der beim Bayerischen Ehrenamtskongress am Donnerstag einen Workshop über die Auswirkungen der Corona-Pandemie aufs Ehrenamt gehalten hat.

Bayerischer Ehrenamtkongress erstmals digital

Der zweitägige Bayerische Ehrenamtskongress in Nürnberg, der erstmals digital stattfindet, dauert noch bis Freitag. Erwartet wird dann auch der frühere Bundespräsident Joachim Gauck. Gefördert wird der Ehrenamtskongress vom bayerischen Sozialministerium.

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