Markus Bönisch, Leiter der IT der evangelischen Landeskirche in Bayern, beschrieb vor der Landessynode in Bayreuth die aktuelle IT-Strategie, ihre Fortschritte und Herausforderungen.

Deutlich wurde: Die ELKB bewegt sich in einem Spannungsfeld zwischen technologischer Abhängigkeit, politischer Unsicherheit und praktischen Anforderungen vor Ort.  Besonders mit Blick auf die USA wurde klar, dass die Kirche versucht, Risiken abzufedern, ohne vorschnell auf schwer umsetzbare Alternativen umzusteigen.

Bönisch nennt vier zentrale Handlungsfelder

Im Zentrum des Vortrags von "Chief Information Officer" (CIO) Markus Bönisch standen vier zentrale Handlungsfelder ("Hebel"), mit denen die Digitalisierung der Kirche systematisch vorangetrieben wird.

Zunächst betonte Bönisch die Bedeutung des Schutzes der digitalen Infrastruktur als Fundament aller weiteren Entwicklungen. Ein wesentlicher Fortschritt sei die nahezu flächendeckende Einführung der Zwei-Faktor-Authentifizierung (MFA), die das Sicherheitsniveau erheblich gesteigert habe. Während ein Großteil der Nutzenden bereits eingebunden ist, werde für die verbleibenden Gruppen weiterhin sensibilisiert, unter anderem durch Schulungen und simulierte Phishing-Mails. Ergänzend sorge ein Security Operation Center (SOC), unterstützt durch Künstliche Intelligenz, rund um die Uhr für die Überwachung und Abwehr von Bedrohungen. Trotz begrenzter personeller Ressourcen sei so ein hohes Sicherheitsniveau gewährleistet.

Der zweite Schwerpunkt liege auf der Modernisierung und Bereinigung bestehender IT-Strukturen. Veraltete Systeme wie die Kirchensteuer-Software KION würden durch moderne, cloudbasierte Lösungen ersetzt, um Zukunftsfähigkeit und Wartbarkeit sicherzustellen. Auch das neue Meldewesen (KIRIS) stehe kurz vor der Einführung und wird ortsunabhängig nutzbar sein. Diese Umstellungen schafften technische Verbesserungen und ermöglichten auch neue Serviceangebote und effizientere Verwaltungsprozesse.

Entlastung in der kirchlichen Fläche

Ein drittes zentrales Anliegen Bönischs ist die konkrete Entlastung der kirchlichen Fläche, also der Gemeinden und Einrichtungen vor Ort. Hierzu sei eine erweiterte IT-Hotline eingerichtet worden, ergänzt durch einen KI-gestützten Assistenten ("Charly"), der rund um die Uhr Unterstützung bietet. Zudem stelle die Kirche vergünstigte, zentral verwaltete Hardware bereit, die sicher und aktuell gehalten wird, ohne inhaltliche Daten einzusehen. Mit der Initiative "Vernetzte Kirche" würden darüber hinaus digitale Dienste wie Musterwebseiten, Hosting-Angebote, ein zentrales Intranet sowie die Plattform "Evangelische Termine" bereitgestellt, die bereits von mehreren Landeskirchen genutzt würden. Ziel sei es, die digitale Arbeitsfähigkeit vor Ort spürbar zu verbessern und zu vereinfachen.

Der vierte Hebel richtet den Blick in die Zukunft – jedoch unter dem Leitprinzip finanzieller Vernunft. Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz erfolge kontrolliert, datenschutzkonform und praxisorientiert. Mit Projekten wie ELOKI und dem Einsatz von Microsoft Copilot würden neue Möglichkeiten erprobt, insbesondere in einem bewusst als Lernraum angelegten Pilotprojekt. Ein konkretes Anwendungsbeispiel sei die Unterstützung bei der Prüfung von Schutzkonzepten zur Prävention sexualisierter Gewalt: KI könne hier strukturierte Vorprüfungen übernehmen und  Fachkräfte entlasten, ohne deren Verantwortung zu ersetzen. Insgesamt stehe das gemeinsame Lernen über Chancen, Grenzen und Risiken im Vordergrund.

Auch im Bereich Automatisierung und Workflow-Optimierung seien Fortschritte erzielt worden, etwa durch digitale Rechnungsbearbeitungssysteme und effizientere Abläufe in der Personalverwaltung.

Abschließend zog Bönisch ein positives Fazit: Die Vision einer zentral unterstützten, flächendeckend wirksamen IT rücke näher. Die laufende Verwaltungsreform biete zusätzliche Chancen zur Standardisierung und Modernisierung. Gleichzeitig eröffneten sichere digitale Identitäten neue Möglichkeiten für vollständig digitale Geschäftsprozesse, etwa durch den Ersatz klassischer Unterschriften. In einer kleiner werdenden Kirche solle die digitale Stärke weiter wachsen und so die Handlungsfähigkeit langfristig sichern.

Der Umgang mit Trump und Microsoft

Im anschließenden Austausch mit der Synode wurde deutlich, dass die angesprochenen IT-Themen nicht nur strategisch, sondern auch ganz praktisch und politisch diskutiert werden – insbesondere mit Blick auf die Abhängigkeit von US-amerikanischen Anbietern.

Ein zentrales Thema war die Frage nach dem Umgang mit den USA und großen Konzernen wie Microsoft vor dem Hintergrund politischer Entwicklungen, insbesondere unter US-Präsident Donald Trump. Die Sorge aus dem Plenum: Ist der Datenschutz bei US-Unternehmen wirklich gewährleistet, und was passiert, wenn sich die Rahmenbedingungen drastisch ändern sollten?

Bönisch machte deutlich, dass diese Unsicherheit nicht nur die Kirche betrifft, sondern ganz Europa. Die ELKB habe deshalb vorgesorgt: Alle bei Microsoft gespeicherten Daten würden zusätzlich bei einem europäischen Anbieter gesichert. Damit sei zumindest gewährleistet, dass im Krisenfall – etwa wenn politische Entscheidungen den Zugriff auf US-Dienste einschränken – die eigenen Daten weiterhin verfügbar bleiben.

Gleichzeitig relativierte er die kurzfristige Umsetzbarkeit eines vollständigen Wechsels weg von US-Anbietern. Ein solcher Schritt hin zu Open-Source- oder rein europäischen Lösungen sei technisch und organisatorisch äußerst anspruchsvoll. Schon kleinere Umstellungen führten in der Praxis zu großen Herausforderungen für die Nutzenden.

Der Wechsel ganzer Systeme würde erhebliche Schulungsaufwände verursachen und könnte die Arbeitsfähigkeit über längere Zeit beeinträchtigen. Bönisch betonte, dass ein solcher Wandel nur gemeinsam mit staatlichen Stellen und auf europäischer Ebene gelingen könne – nicht durch eine einzelne Organisation wie die Kirche. Große Anbieter wie Microsoft seien zudem stark vom europäischen Markt abhängig, was eine gewisse gegenseitige Stabilität schaffe.

Unterstützung vor Ort

Neben diesem geopolitischen Schwerpunkt wurden auch praktische Fragen aus dem Alltag aufgegriffen. So ging es um die Unterstützung vor Ort durch IT-Dienstleister. Hier plant die ELKB, stärker auf ein Netz zertifizierter Partner zu setzen, um Qualität zu sichern und Preise zu vereinheitlichen. Eigene flächendeckende Vor-Ort-Services seien aufgrund der Größe Bayerns und begrenzter Ressourcen kaum realisierbar.

Ein weiterer Themenblock betraf die Nutzerperspektive. Es wurde angemerkt, dass viele Menschen Unterstützung benötigen, um neue digitale Werkzeuge tatsächlich effektiv nutzen zu können. Bönisch verwies hier auf bereits vorhandene Schulungsangebote, etwa über das Intranet, sowie kurze, leicht zugängliche Lernformate. Gleichzeitig räumte er ein, dass die Organisation selbst noch lernen müsse und auf Rückmeldungen aus der Praxis angewiesen sei.

Auch die Situation Ehrenamtlicher wurde angesprochen. Die günstigeren Lizenzmodelle bringen funktionale Einschränkungen mit sich, etwa die Nutzung über den Browser statt installierter Programme. Hier zeigte sich Bönisch offen für pragmatische Lösungen im Einzelfall, betonte aber zugleich die Notwendigkeit, wirtschaftliche Aspekte zu berücksichtigen.