25.07.2018
Mitgliederschwund

Kirchen verlieren 2017 mehr als 600.000 Mitglieder

Der Mitgliederschwund in den beiden großen Kirchen setzt sich fort. Schuld ist zum einen der demografische Wandel: Mehr Mitglieder sterben, als neue hinzukommen. 2017 stieg in beiden Kirchen aber auch die Zahl der Austritte.
epd-Grafik Kirchenmitgliedschaft in Deutschland - Zahlen für 2004-2017
Der Mitgliederrückgang geht weiter. Dennoch gehört noch mehr als die Hälfte (54 Prozent) der Bevölkerung einer der beiden großen Kirchen an.

Die großen christlichen Kirchen in Deutschland verlieren weiter Mitglieder. 2017 sank die Zahl der Mitglieder der evangelischen Kirche auf 21,5 Millionen. 23,3 Millionen Menschen gehörten der katholischen Kirche an, wie aus den von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der katholischen Deutschen Bischofskonferenz veröffentlichten Statistiken hervorgeht. Die 20 protestantischen Landeskirchen haben dabei 390.000 Mitglieder verloren, die 27 katholischen Bistümer 270.000.

Der Mitgliederschwund summierte sich damit bei beiden Kirchen auf 660.000. 2016 waren es insgesamt rund 530.000 verlorene Mitglieder. Dennoch gehört noch mehr als die Hälfte (54 Prozent) der Bevölkerung einer der beiden großen Kirchen an. Hinzu kommen Christen aus orthodoxen oder Freikirchen.

Ursache des Mitgliederschwunds ist zum einen der demografische Wandel. 350.000 Mitglieder der evangelischen Kirche starben 2017. Die katholische Kirche zählte rund 240.000 Bestattungen. Zugleich stieg im vergangenen Jahr, in dem die Protestanten das 500. Reformationsjubiläum feierten, die Zahl der Kirchenaustritte. Rund 200.000 Menschen kehrten der evangelischen Kirche den Rücken, 2016 waren es etwa 10.000 weniger. Auch die katholische Kirche verzeichnete 2017 mehr Austritte – rund 168.000 (2016: 162.000).

Statistik ohne Todesfälle

Dass sich das Reformationsjubiläum nicht positiv auf die Mitgliederzahl der evangelischen Kirche ausgewirkt hat, überrascht den Religionssoziologen Gert Pickel nicht. "Junge oder nicht gläubige Menschen sind der Kirche so fern, dass sie das Jubiläum höchstens am Rande wahrgenommen haben", sagte der Professor für Religionssoziologie der Universität Leipzig dem epd. Mit der Feier habe die EKD allerdings die Beziehung zu den Menschen gestärkt, die bereits mit der Kirche verbunden gewesen seien.

Nach Rechnung der EKD lag die Zahl neu oder wiedergewonnener Mitglieder höher als die der Austritte (ohne die Gestorbenen). Rund 205.000 Menschen wurden den Angaben zufolge 2017 in der evangelischen Kirche getauft oder aufgenommen, etwa so viele wie im Vorjahr. Die katholische Kirche gewann durch Taufe, Eintritt oder Wiederaufnahme rund 180.000 Mitglieder. Die Differenz zum Gesamtverlust ergibt sich nach Angaben der EKD unter anderem aus Wegzügen aus Deutschland und Ungenauigkeiten durch Rundungen und Hochrechnungen, weil noch nicht alle Landeskirchen zum Stichtag 31. Dezember 2017 endgültige amtliche Daten vorlegen konnten.

"Passt das hier und jetzt noch so?"

In Bayern lebten im vergangenen Jahr rund 2,4 Millionen evangelische und 6,4 Millionen katholische Christen. Die Ein- und Austrittszahlen bewegen sich dabei auf konstantem Niveau. Im vergangenen kehrten 23.647 Menschen der Landeskirche den Rücken, 2.734 sind eingetreten, im Vorjahr waren es 22.694 beziehungsweise 2.870. Dazu kamen im vergangenen Jahr mehr als 22.000 Taufen, aber auch fast 28.000 Bestattungen.

Die Landeskirche reagiert auf den Rückgang der Mitgliedszahlen mit dem Reformprozess "Profil und Konzentration" (PuK). "Wir wollen, dass die Menschen spüren, dass ihnen der Glaube guttut und hilft", sagte Oberkirchenrat Nikolaus Blum. Man müsse darüber diskutieren, wie man Kirche von heute organisieren sollte, damit die Menschen möglichst gut in Kontakt mit dem Evangelium kommen. Die zurückgehenden Mitgliedszahlen hätten ihren Grund aber auch in gesellschaftlichen Prozessen, die nicht durch "immer noch höheres Engagement der kirchlichen Mitarbeiter" ausgeglichen werden könne. Bisher habe man sich häufig darauf verlassen, dass die Menschen zur Kirche kommen und sich mit Gemeindeformen identifizieren, die Hunderte von Jahren alt sind. Die Gottesdienstzeiten orientierten sich etwa am Tagesablauf der Landwirte. Mit dem PuK-Projekt stelle man sich die Frage: "Passt das hier und jetzt noch so?", sagte Blum.

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