Solidarität während der Corona-Pandemie
Die evangelische Kirchengemeinde in Utting kämpft seit August mit den Auswirkungen eines Kirchenbrandes, der es unmöglich gemacht hat, im eigenen Gotteshaus Gottesdienste abzuhalten. Die Solidarität, der die Gemeinde als Antwort auf die Katastrophe begegnet ist, ist enorm.
Bild von Alexandra Eberhardt vor einem Mikrofon im Pfarrgewand.
Alexandra Eberhardt, Pfarrerin der evangelischen Christuskirche in Utting am Ammersee, die Ende August durch ein Feuer zerstört wurde.

Die Hilfsbereitschaft gegenüber der evangelischen Kirchengemeinde in Utting im Landkreis Landsberg am Lech, deren Kirche im August abgebrannt ist, ist weiter groß. Inzwischen sei eine fünfstellige Spendensumme für den Wiederaufbau zusammengekommen, sagte Pfarrerin Alexandra Eberhardt im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Viele Menschen identifizierten sich offenbar ganz stark mit ihrer Kirche.

Eberhardt erzählt, dass eine Kirchenvorsteherin gleich nach dem Brand gesagt habe: "Wir haben unser Kirchengebäude verloren, aber die Gemeinde ist nicht abgebrannt! Wir sind lebendig und halten zusammen." Und eine Frau habe ihr gemailt: "Gott sei Dank ist die Gegenwart Gottes nicht von einem Gebäude abhängig. Wir als Jesusnachfolger sind alle zusammen sein Haus." Sie sei dankbar über so viel Solidarität, sagte Eberhardt.

Die abgebrannte Kirche in Utting, umgeben von einem Bauzaun, der mit Sonnenblumen dekoriert ist.
Die evangelische Kirche in Utting nach dem Brand im August.

Übergangskirche im katholischen Pfarrheim

So stelle die katholische Gemeinde ihr Pfarrheim in Utting als Ausweichmöglichkeit zur Verfügung. Genauso wie Vereine oder auch das Seniorenheim im Ort. Bislang habe die Gemeinde wegen des guten Wetters oft noch auf der Kirchenwiese Gottesdienste feiern können. Auch für Weihnachten plane man Open Air: Man wolle einen Weihnachtsbaum, Bierbänke und eine Leinwand aufbauen.

Von daher sei die Corona-Pandemie eine gute Übung gewesen, "für das, was noch vor uns liegt", sagte Eberhardt. Man wolle es schaffen, diese Überbrückungsphase hin zur neuen Kirche gut zu gestalten. Das andere große Ziel ist natürlich der Wiederaufbau der niedergebrannten Holzkirche im ähnlichen Stil.

Brand im August

Retten können habe man nur einzelne Dinge, etwa den Taufkelch. Aus den geschmolzenen Orgelpfeifen wolle man Christuskirchen im Miniaturformat herstellen - zum Verkauf oder als Geschenk für die Spender. Das müsse man noch überlegen. Auch die Glocken wolle man aufbewahren, auch wenn man sie nicht mehr zum Läuten verwenden könne, sagte Eberhardt. "Und wir würden gern die alte Eingangstür von 1927 in die neue Kirche einbauen."

Die Uttinger Christuskirche war im August niedergebrannt. Ob es sich bei dem Unglück um Brandstiftung oder einen technischen Defekt handelt, ist laut Polizeiangaben immer noch unklar. Der Schaden beläuft sich wohl auf eine siebenstellige Summe. Von der Versicherung abgedeckt ist laut Gemeinde der "Wiederaufbau in gleicher Art und Zweckbestimmung unter Berücksichtigung der aktuell rechtlichen Vorgaben".

Zusatzausgaben für mehr Klimaschutz oder technische Ausstattung müssten jedoch über Spenden und weitere Zuschüsse finanziert werden. Die Uttinger sind deshalb in engem Austausch mit der Nürnberger Kirchengemeinde St. Martha, deren Kirche 2014 ebenfalls abgebrannt war und wieder aufgebaut wurde.

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