30.03.2017
Landessynode

Kirchenasyl, Reformprozess und Verfassungsänderung - die Themen auf der Tagesordnung des bayerischen Kirchenparlaments sorgten für viel Diskussionsstoff. Am Donnerstag ist die Frühjahrstagung in Coburg mit weitreichenden Beschlüssen zu Ende gegangen.
Die bayerischen Landessynode tagte vom 26. bis 30. März in Coburg.

Zum Abschluss ihrer Frühjahrstagung in Coburg hat die bayerische Landssynode am Donnerstag den Startschuss für einen umfangreichen Reformprozess gegeben, eine Änderung der Kirchenverfassung beschlossen und die Praxis des Kirchenasyls verteidigt. Mit dem Konzept »Profil und Konzentration« will sich die Landeskirche in allen Bereichen und Arbeitsfeldern neu aufstellen, mit ihren Angeboten besser auf die Lebenswirklichkeit der Menschen eingehen und sich in der digitalen Welt positionieren. Dieses Reformpaket soll mit einer geistlichen Erneuerung verbunden werden.

Nach einer intensiven Diskussion, an der neben Synodalpräsidentin Annekathrin Preidel und Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm auch alle synodalen Ausschüsse beteiligt waren, verabschiedete das Kirchenparlament einmütig »strategische Leitsätze« als die Grundlinie des Konzepts.

Barmer Erklärung kommt in Kirchenverfassung

Auf dem Reformweg ging die Synode selbst mit einem guten Beispiel voran: Die drei Jugenddelegierten, die bisher nur beratende Mitglieder des Kirchenparlaments sind, bekommen volles Stimmrecht. In einem weiteren Beschluss sorgte die Synode für eine Erweiterung der Kirchenverfassung um die Barmer Theologische Erklärung. In dieser Erklärung formulierte die evangelische Kirche 1934 eine biblisch begründete Gegenposition zur NS-Ideologie. Mit ihrer Orientierung an Jesus Christus könne die Barmer Erklärung auch heute der Kirche die Kraft geben, ihre Stimme gegen Nationalismus und Fundamentalismus zu erheben.  

Die hitzige Debatte ums Kirchenasyl und Abschiebungen nach Afghanistan beschäftigte auch die Synode. In den vergangenen Wochen sind immer mehr Fälle bekanntgeworden, in denen Staatsanwaltschaften Ermittlungen gegen Kirchenasyl gewährende Pfarrer aufgenommen hatten. Das Verhältnis zwischen Landeskirche und Staatsregierung sei dadurch nicht mehr »ungetrübt«, sagte der für Asylfragen zuständige Oberkirchenrat Michael Martin. Er sei besorgt darüber, dass inzwischen sogar Ermittlungen »in ganz alten Fällen« eingeleitet würden. Als Beispiel nannte Martin einen Fall, der bereits vor Monaten mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge gelöst worden sei. Die Einleitung solcher Ermittlungsverfahren sei unverhältnismäßig. Derzeit wisse die Landeskirche von 17 Ermittlungsverfahren, die Zahl dürfte aber inzwischen höher liegen, sagte Martin. Die Zahlen sollte man unaufgeregt sehen, »aber aufmerksam auf andere Zeichen möglicher Eskalation achten«.

Bammessel fordert bessere Integration von Flüchtlingen

Diakonie-Präsident Michael Bammessel, der auch Mitglied der Synode ist, kritisierte die Arbeitsverbote für Asylbewerber im laufenden Verfahren. Menschen, die länger in Deutschland leben, müssten integriert werden, unter anderem durch Arbeit. »Ansonsten schneiden wir uns ins eigene Fleisch und stören den sozialen Frieden.« Ohne Perspektive werde man leichter depressiv, aggressiv oder anfällig für Radikalisierung. Der Synodale Markus Blume, der auch stellvertretender CSU-Generalsekretär ist, mahnte, in der Debatte über Abschiebungen und Härtefälle, nicht die anerkannten Flüchtlinge aus dem Blick zu verlieren. Denn diese seien es, die länger oder gar für immer in Deutschland blieben.

Bei der nächsten Tagung der Landessynode im Herbst in Amberg steht der kirchliche Haushalt im Mittelpunkt.

Dossier

Landessynode

Das bayerische Kirchenparlament, auch Landessynode genannt, bestimmt auf ihren Tagungen den Kurs der evangelischen Kirche in Bayern. Die wichtigsten Entscheidungen, aktuelle Entwicklungen sowie Interviews mit den Synodalen finden Sie in unserem Dossier zum Thema Landessynode:  www.sonntagsblatt.de/landessynode

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