11.09.2020
Landessynode 2020

Landessynode 2020 in Geiselwind startet mit einem Gottesdienst

Anders - das ist wohl das treffendste Wort für den Auftakt der konstituierenden Sitzung der neuen Landessynode der bayerischen Landeskirche. Gefeiert und getagt wird in einer Halle in Geiselwind.
Landessynode 2020 Geiselwind

Anders - das ist wohl das treffendste Wort für den Auftakt der konstituierenden Sitzung der neuen Landessynode der bayerischen Landeskirche. Anders ist schon alleine der Tagungsort: Die Event-Halle des Autohofs Strohofer an der A3 bei Geiselwind in Unterfranken. Anders sind die Minuten vor dem Eröffnungsgottesdienst. Es gibt fünf Minuten Stille statt des üblichen Glockengeläuts. Anders ist auch die Verpflichtung der Synodalen durch Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm: ohne Handschlag und mit Abstand. Zumindest aber gewohnte Musik gibt es - etwa direkt von einer mobilen Orgel aus dem Lkw.

Als Bedford-Strohm kurz nach 17 Uhr auf der Bühne in der Event-Halle an den Altar tritt, ist nicht nur bei vielen Synodalen sondern auch beim Landesbischof selbst Spannung und Erleichterung zugleich zu spüren. Hinter ihm hängt eine Wand aus weißen Stoffbahnen, Bühnenstrahler tauchen sie in dezentes evangelisches Violett. "Herzlich willkommen zu diesem besonderen Gottesdienst an diesem so besonderen Tag", sagt der Landesbischof, der auch Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist: "Endlich, endlich sind wir hier zusammen, an einem Ort, den wir uns vor einem Jahr so nicht erwartet hatten."

Gottesdienste während der Tagungen des Kirchenparlaments sind immer etwas Besonderes - die zum Auftakt einer neuen Synodalperiode ohnehin. Schließlich werden im Auftaktgottesdienst alle Synodalen auf ihr sechs Jahre währendes Amt verpflichtet. Die Synode gehört neben dem Landesbischof und dem Landeskirchenrat zu den kirchenleitenden Organen der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Sie ist unter anderem für den Haushalt, Kirchengesetze und die Wahl des Bischofs zuständig. Eigentlich sollte die konstituierende Sitzung schon im März in Bayreuth stattfinden - dann kam die Corona-Pandemie dazwischen.

Die Organisatoren der Synodaltagung haben sich alle Mühe gegeben. Die riesige Event-Halle, die sonst Platz für mehr als 4.000 Menschen bei Veranstaltungen bietet, ist mit einem schwarzen Vorhang zweigeteilt. Auf der einen Seite der Gottesdienstraum, auf der anderen Seite der Sitzungsraum des Plenums mit Tischen. "Wir versuchen es, so feierlich wie möglich zu machen", sagt Kirchenrätin Sandra Bach noch vor dem Gottesdienst zu den Synodalen. Eine mobile Lkw-Orgel aus Ostheim vor der Rhön erklingt, ein Posaunenchor spielt, Sänger des Windsbacher Knabenchors singen - und auch die Synodalen singen. Mit Maske.

Tagung der Landessynode 2020 mit Predigt von Landesbischof

In seiner Predigt spricht der bayerische Landesbischof davon, dass das Christentum "keine Wellness-Religion" sei. Mit Blick auf die vielen neuen Landessynodalen sagt er: "Ihre Verpflichtung wird Zumutungen für Sie mit sich bringen." Und sie werde "Bekenntnis und Einsatz" fordern. Man könne nicht "Salz der Erde und Licht der Welt sein", ohne selbst die Liebe Jesu auszustrahlen, von der man spreche. Zum Christsein gehöre, sich anrühren zu lassen von der Not der anderen. Dabei sei es gleich, ob es sich um Obdachlose, misshandelte Kinder, Sterbende hierzulande oder Kinder in griechischen Flüchtlingslagern handle.

Er verweist auch darauf, dass Kirche zwar nicht blind dem Zeitgeist folgen dürfe, aber auch nicht die Augen vor "wichtigen Entwicklungen und Erkenntnissen" verschließen darf und deswegen vielleicht sogar "ihre eigene Sache verrät". Wenn etwa säkulare Akteure "in ihrem Einsatz für Humanität, für Gerechtigkeit und für die Bewahrung der Natur" vorangehen, sei die Kirche genau dann "Salz der Erde und Licht der Welt", wenn sie sich an die Seite dieser Akteure stelle: "Und wenn es junge Menschen sind, die sich gegen den Klimawandel und damit für die Bewahrung der Schöpfung einsetzen, dann erst recht."

Die Landessynode mit ihren 108 Mitgliedern tagt bis zu diesem Sonntag (13. September). Im Mittelpunkt der Tagung steht zum einen die Wahl eines neuen Präsidiums - es soll allerdings auch ein Gesetz beschlossen werden, das angesichts der Corona-Pandemie auch ein digitales Tagen und Abstimmen rechtssicher möglich machen soll. Das Sonntagsblatt berichtet aktuell in diesem Newsticker.

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