9.05.2017
Lutherischer Weltbund

LBW-Vizepräsident: Welttreffen der Lutheraner in Namibia soll Ökumene voranbringen

Vor der 12. Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes (LWB) in Namibia hat Bischof Frank Otfried July die Bedeutung des Treffen für die Ökumene betont. "Die lutherischen Kirchen haben lange und Mut machende Erfahrungen in Dialogprozessen, insbesondere mit der römisch-katholischen Kirche", sagte der württembergische Landesbischof, der auch Vizepräsident des LWB ist. Besondere Bedeutung komme der internationalen Begegnung im Jahr des 500. Reformationsjubiläums zu.
Frank Otfried July ist Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg und Vizepräsident des Lutherischen Weltbundes (LWB).

epd: Herr Bischof July, sie nehmen vom 10. bis 16. Mai an der 12. Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes im namibischen Windhuk teil. Was erhoffen Sie sich von dem Ereignis, vor allem mit Blick auf das 500. Reformationsjubiläum in diesem Jahr? Welche Themen stehen im Vordergrund?

Bischof Frank Otfried July: Ich erhoffe mir eine internationale Begegnung, bei der deutlich wird, dass die Reformation eine Weltbürgerin ist. Dass wir voneinander lernen können, was Reformation in kleinen und großen Kirchen, in Minderheits- und Mehrheitskirchen bedeuten kann. Ich erhoffe mir viele neue Ideen und Anregungen auch für unsere Landeskirche, wie wir zum Beispiel dem Mitgliederschwund entgegentreten können.

epd: Für Streit in vielen Kirchen sorgen die Themen Frauenordination und Umgang mit Homosexualität. Auch im LWB. Denken Sie, dass hier Kompromisse gefunden werden? Oder werden die Spannungen zunehmen?

Bischof July: Ich hoffe und wünsche mir, dass wir die Spannungen so lange aushalten, bis wir gemeinsame gangbare Wege gefunden haben. Der LWB hat ja den Gedanken des "Emmaus-Weges" - das heißt, wir bleiben miteinander auf dem Weg mit Christus unter uns bis uns die Augen ganz aufgehen. Freilich sind manche Differenzen schwer auszuhalten. Wir brauchen neue theologische Impulse und müssen zu den Kernthemen unseres Glaubens wieder eine intensive Beziehung aufbauen.

Hier hat der LWB mit neuen Veröffentlichungen zum Schriftverständnis und der Aufgabe der Kirche im öffentlichen Raum wichtige Impulse gegeben. Vollversammlungen dienen dazu, solche Impulse aufzunehmen und zu verstärken - und vor allem: einander zu begegnen und miteinander über diese Fragen konstruktiv ins weiterführende Gespräch zu kommen.

Special

Lutherischer Weltbund (LBW) - Vollversammlung in Namibia

LBW LogoDer Lutherische Weltbund (LWB) trifft sich vom 10. Mai bis 16. Mai zur Vollversammlung in Windhuk (Namibia). Unsere Redakteurin Christiane Ried berichtet live aus Namibia. In unserem Dossier finden Sie alle aktuellen Artikel zum Thema: www.sonntagsblatt.de/weltbund .

 

 

 

epd: Die konfessionellen Unterschiede innerhalb des Protestantismus werden offenbar zumindest in Deutschland kaum mehr wahrgenommen. Was ist der besondere Beitrag der lutherischen Kirchen - vor allem für die Ökumene?

Bischof July: Der "communio-Gedanke" der lutherischen Weltgemeinschaft stellt die lutherischen Kirchen - über individuelle Partnerschaften hinaus - in einen großen Kontext in "weltkirchlicher" Art und Weise Kirche weltweit verbindlich zu leben. Das von Martin Luther geprägte theologische Denken trägt dazu bei, dass lutherische Kirchen gleichermaßen Weltverantwortung wahrnehmen, konstruktiv-kritische Beziehungen zum Staat pflegen können und eine gottesdienstliche Liturgie haben, die zugleich entwicklungsfähig und reformbar ist, ohne jedem Quartalsgeschmack nachzugehen.

Die lutherischen Kirchen haben lange und Mut machende Erfahrungen in Dialogprozessen, insbesondere mit der römisch-katholischen Kirche. Das Dokument "Vom Konflikt zur Communio" ist ein Weg weisendes Ergebnis eines solchen Dialogprozesses und trägt damit zu einer Intensivierung der Beziehungen innerhalb der evangelischen Kirchen bei. Außerdem ist in Deutschland insbesondere die Catholica-Arbeit der VELKD zu nennen, die allen Kirchen der EKD zu Gute kommt.

Hintergrund

Was ist der Lutherische Weltbund?

Der Lutherische Weltbund (LBW) ist die Dachorganisation von weltweit mehr als 74 Millionen lutherischen Christen. Die Lutheraner berufen sich auf die Theologie ihres Namensgebers Martin Luther (1483-1546), während sich reformierte Christen etwa an Johannes Calvin (1509-1564) oder Ulrich Zwingli (1484-1531) orientieren.

Zum LWB gehören 145 Kirchen in 98 Ländern. Er wurde am 1. Juli 1947 im schwedischen Lund gegründet und hat seinen Sitz in Genf. Präsident ist seit 2010 der palästinensische Bischof Munib A. Younan. Als Generalsekretär amtiert seit dem gleichen Jahr Martin Junge, ehemaliger Präsident der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Chile.

Die meisten lutherischen Christen leben in Deutschland. Im Ursprungsland der Reformation gibt es elf Mitgliedskirchen mit rund 12 Millionen Mitgliedern. Die Zahl der Lutheraner in der Bundesrepublik ist aber deutlich höher, da auch den unierten Landeskirchen viele lutherische Christen angehören. Größte Mitglieder im Weltbund sind die Kirchen von Äthiopien, Tansania und Schweden.

Das oberste Leitungsgremium des Lutherischen Weltbundes ist die Vollversammlung. Sie tritt alle sechs bis sieben Jahre zusammen, zuletzt 2010 in Stuttgart. Die 12. Vollversammlung tagt vom 10. bis 16. Mai 2017 in Namibia. Die Delegierten treffen grundsätzliche Entscheidungen, legen das Arbeitsprogramm fest und wählen den Präsidenten sowie den Rat. Der Rat ist das oberste Leitungsgremium zwischen den Vollversammlungen. Ihm gehören 48 Vertreter der Mitgliedskirchen sowie Präsident und Schatzmeister an.

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