18.09.2017
Fliegenplage in Kirche

Die Martin-Luther-Kirche in Krumpendorf am Wörthersee gehört laut Reiseführer zu den 111 Orten am Wörthersee, die man gesehen haben muss. Aber nicht, weil sie so eine besondere Sehenswürdigkeit ist, sondern wegen ihrer mysteriösen Geschichte.

Wer am türkisblauen Wörthersee entlang von Pörtschach nach Klagenfurt radelt, kommt an einer eher unscheinbaren modernen Kirche vorbei, die etwas unheimlich und unbelebt wirkt, obwohl sie noch gar nicht alt ist und erst 1969 eingeweiht wurde.
Doch seit 2010 konnte sie nicht mehr als Gotteshaus benutzt werden, weil sich abertausende Fliegen dort angesammelt hatten. Sie schwirrten um die Köpfe der Gläubigen und  der Pfarrerin , alles war übersät von Fliegenleichen und es wurde unmöglich dort einen Gottesdienst abzuhalten.
Böse Zungen behaupteten, dass jetzt der »Eingang zur Hölle» entdeckt wurde, denn der Teufel wird im Volksglauben auch als Herr der Fliegen beschrieben.  Und  es dann wohl doch stimme, » was Katholiken und Co. schon immer ahnten: Lutheraner zu sein führt direkt in die Hölle«.
Die Zeugen Jehovas waren überzeugt davon, dass die Fliegenplage  ein Vorzeichen der Wiederkunft des Herrn sei.

Ein Hotelier sah das Ganze eher als Attraktion:

» Marienerscheinungen gibt’s überall, aber einen Eingang zur Hölle, das hat nicht jeder.«

Die eher nüchternen Protestanten dagegen nahmen das Problem in Angriff und engagierten Kammerjäger, um  dem Problem auf den Grund zu gehen. Die Spezialisten versuchten mit diversen Methoden der Plage Herr zu werden, aber sie hatten keinen Erfolg.
Da wegen der Fliegen die Kirche vor jedem Gottesdienst zwei Stunden lang geputzt werden musste, haben die Protestanten  aus Verzweiflung Gottesdienste im Hotel abgehalten, und letztendlich dann doch die katholische Gemeinde um Asyl gebeten.
Und so hatte die Fliegenplage doch noch etwas Positives, denn die Ökumene vor Ort wurde gestärkt. Das Miteinander zwischen den katholischen und evangelischen Christen funktionierte hervorragend.
Doch was soll mit der Kirche passieren? Über Verkauf und Abriss wurde nachgedacht, aber gottseidank wurde das nicht  gleich umgesetzt.
Denn seit einem Jahr ist Pfarrer Martin  Madrutter im Amt.» Meine Geschichte mit der Fliegenkirche ist kurz, aber intensiv. Vielleicht war das auch ein Grund, warum einige in der Pfarrgemeinde gesagt haben:

» einmal probieren wir es noch …«

Details über die Plage will er nicht erzählen, denn, »wir sind gerade in guter Hoffnung die Fliegenplage los geworden zu sein. Wir haben eine eigentlich kleine bauliche Maßnahme gesetzt , eine Fuge unter dem Dach mit einem Fliegengitter versehen, und seither ist die Anzahl der Plagegeister massiv weniger geworden. Wir warten noch ab, ob dies auch in kühleren Tagen weiter anhält (es war immer im Oktober am schlimmsten), dann beginnen wir uns richtig zu freuen.«
Zur Zeit finden die Gottesdienste finden wieder in der Martin-Luther-Kirche statt, im Oktober sogar ein Konzert. Dann hoffen wir doch, dass nach so vielen Jahren ein Wunder passiert.

 

 

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efa