Viel besser kann ein Porträt kaum beginnen, denn in diesem einen Satz steckt schon erstaunlich viel von dem, was diesen jungen Mann ausmacht. Da ist kein kalkulierter Auftritt, keine einstudierte Bescheidenheit, sondern ehrliches Erstaunen, beinahe Ungläubigkeit.

Schieblich wirkt nicht wie einer, der sich seit Monaten auf den großen Moment vorbereitet, innerlich schon im Präsidium Platz genommen und jede Wendung vorausgedacht hat. Er wirkt eher wie jemand, dem andere etwas zutrauen und der dann nicht zurückzieht, wenn er plötzlich Verantwortung übernehmen soll.

Genau das ist in Bayreuth geschehen. In der Stichwahl setzte er sich mit 71 zu 30 Stimmen gegen den Windsbacher Dekan Klaus Schlicker durch. Der 21-Jährige aus Kulmbach, ohnehin das jüngste Synodenmitglied, rückte damit auf einen Schlag in den Mittelpunkt. Dass ausgerechnet einer wie er dort landet, sagt auch etwas über diese neue Landessynode aus, die sich sichtbar verändert hat und in der viele neue Gesichter auf einmal Verantwortung übernehmen.

Vom Nebenjob zur Synode: Wie ein 21-Jähriger Verantwortung übernimmt

Neben seinem Studium arbeitet er in einer Drogerie. Dort kam irgendwann der Impuls. Die langjährige Synodale Christina Flauder habe zu ihm gesagt, junge Leute müssten in die Synode, sie selbst mache es nicht mehr, sie war schließlich 30 Jahre dabei, aber er solle das tun.

Erst habe er darüber gestutzt, dann die Idee eine Woche mit sich herumgetragen und sich schließlich gefragt: Warum eigentlich nicht? 

"Ich bin eh so ein Gremienmensch", sagt er im Gespräch fast beiläufig.

Das ist ein Satz, über den man bei einem 21-Jährigen kurz schmunzeln könnte, der bei ihm aber erstaunlich plausibel klingt. Denn Schieblich redet nicht so, als wolle er bloß irgendwo mitreden. Er redet so, als habe er wirklich Lust darauf, Kirche mitzugestalten.

Verwurzelt in Kulmbach: Warum gelebte Kirche überzeugt

Wer mit ihm spricht, merkt schnell, dass sein Bezug zur Kirche ehrlich ist. Schieblich ist in der Kulmbacher Petrikirche aktiv, und wenn er über diesen Ort spricht, da blüht er auf. "Das ist einfach eine Wucht. Das ist gigantisch, finde ich", sagt er über die Kirche. Für ihn ist die Petrikirche nicht bloß ein schöner Bau, sondern ein Teil seines Lebens. Er kommt aus einer Gemeinde, aus kirchlichem Alltag, in der Kirche eben nicht nur aus Beschlüssen und Debatten besteht, sondern aus Begegnungen, Aufgaben und Verantwortung vor Ort.

Vielleicht ist genau das einer seiner größten Pluspunkte: Er kann über Kirche reden, ohne dass man gedanklich nach drei Sätzen aussteigt. Wenn er Freunden oder seiner Familie erklären müsse, was die Landessynode eigentlich sei, sage er, das sei "das Pendant zum Landtag, so ein bisschen nur für die Kirche". 

Persönlicher Glaube: Zwischen Erfahrung, Zweifel und Zuversicht

Auch sein Glaube klingt nicht wie etwas, das man für Interviews hervorholt. Schieblich beschreibt, wie aus einem kindlichen Vertrauen im Lauf der Jahre etwas Eigenes geworden ist. In der Konfirmandenzeit, sagt er, habe er gemerkt, dass Kirche für ihn eben nicht nur ein Gebäude sei, sondern mehr. Christsein bedeutet für ihn, "die Hoffnung nie zu verlieren", gerade in schweren Zeiten darauf zu vertrauen, dass da jemand ist, der mitgeht.

Einer, der nicht nur da ist, wenn es dunkel wird, sondern auch in den guten Momenten. Besonders eindrücklich erzählt Schieblich von einer Sommerfreizeit der Evangelischen Jugend im Jahr 2022. Auf dem Weg nach Spanien brannte der Bus ab. Niemand wurde verletzt. Für ihn ist das bis heute mehr als nur eine glückliche Verkettung von Umständen. "Es gibt keine Zufälle", sagt er. Für ihn sei da "noch eine andere Hand mit im Spiel" gewesen.

Spannend ist auch, wie nüchtern Schieblich auf die Kirche schaut. Er sagt nicht einfach, es müsse alles moderner, lockerer oder jugendlicher werden. Seine Kritik sitzt an einem anderen Punkt.

Die Kirche, so sein Eindruck, sei gerade dabei, "mehr zu verwalten, als tatsächlich auch wieder den eigentlichen Auftrag der Menschen, Seelsorge, zu machen".

Darin steckt keine billige Kirchenkritik. Es steckt vielmehr die Sehnsucht nach einer Kirche, die wieder näher an ihren Kern rückt. Schieblich wünscht sich eine Kirche, die bei den Menschen ist, vor Ort, da, "wo der Schuh drückt", wie er sagt. Weniger Selbstbeschäftigung, weniger Blick auf große Strukturen, dafür mehr Präsenz im Alltag der Menschen.

Hoffnung statt Niedergang: Eine neue Perspektive für die Kirche

Bemerkenswert ist, dass Schieblich dabei nicht im kirchlichen Abgesang hängen bleibt. Er gehört nicht zu denen, die nur noch den Niedergang verwalten und Zukunft bestenfalls als Schadensbegrenzung denken. Im Gegenteil: Er ist überzeugt, dass Kirche noch lange nicht ihr letztes Wort gesprochen hat. In zwanzig Jahren, sagt er, könne sie sogar noch wichtiger sein als heute, gerade in einer Welt, die ständig auf mehr, schneller und weiter setze.

Davon ist er überzeugt, dass es im Menschen etwas gibt, das sich nicht mit Geld, Einfluss oder Dauerablenkung füllen lässt. Schieblich formuliert das so: Man könne so viel Macht, Zuneigung oder Besitz haben, wie man wolle, aber am Ende bleibe etwas leer, das nur durch Glauben oder Gott erfüllt werden könne. Das ist ein großer Gedanke für einen jungen Mann, der in Bayreuth plötzlich in ein kirchenleitendes Amt gewählt wurde.

Mehr als Symbolik: Was Schieblichs Wahl wirklich bedeutet

Dass ausgerechnet einer der Jüngsten am Ende so weit vorne landet, ist mehr als eine hübsche Randnotiz dieser Synodentagung. Es ist ein Hinweis darauf, dass Kirche manchmal doch schneller überraschen kann, als man ihr gemeinhin zutraut. Und vielleicht ist das schon für sich genommen eine ziemlich gute Nachricht.Formularbeginn