Der Münchner Kardinal Reinhard Marx erlaubt die Segnung von homosexuellen Paaren.

Marx habe in einem aktuellen Schreiben den Seelsorger:innen im Erzbistum München und Freising eine entsprechende Handreichung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) und des Zentralkomitees der Katholiken (ZdK) "als Grundlage ihres pastoralen Handelns empfohlen". Das erklärte das Ordinariat am Dienstag auf Anfrage des Evangelischen Pressediensts (epd). 

Damit bestätigte das Bistum einen Bericht der katholischen Zeitung "Tagespost" aus Würzburg. Marx ist damit der erste Kardinal in Deutschland, der die Segnung homosexueller Paare zulässt.

Handreichung: Segen auch für Geschiedene und queere Paare

Die Handreichung mit dem Titel "Segen gibt der Liebe Kraft" war Anfang April 2025 beschlossen worden. Sie ermöglicht Segensfeiern für geschiedene, wiederverheiratete oder queere Paare.

In dem Papier werden neben Homosexuellen auch Paare aller geschlechtlichen Identitäten und sexuellen Orientierungen als Gruppen genannt, die Segnungen erhalten dürften. Die Mitglieder der Gemeinsamen Konferenz von Bischofskonferenz und Zentralkomitee beriefen sich in ihrem Beschluss auf eine Erklärung von Papst Franziskus vom Dezember 2023, in der

"Abstand genommen wird vom bisherigen kategorischen Nein zu Segnungen von Paaren, für die eine kirchlich sakramentale Ehe nicht möglich ist".

Der Vatikan knüpfte an diese Erlaubnis strenge Vorgaben: Segnungen müssen demnach sehr kurz sein und dürfen nicht in einem Gottesdienst stattfinden. Die Kirche bringe deshalb Paaren, die sich liebten, "Anerkennung entgegen und bietet ihnen Begleitung an", heißt es in der Handreichung.

Die Deutsche Bischofskonferenz hält weiter an ihrem eigenständigen Kurs fest, obwohl der amtierende Papst Leo XIV. sich im vergangenen September gegen eine Änderung der kirchlichen Sexuallehre und gegen Segensfeiern für Homosexuelle ausgesprochen hatte.

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki jedoch lehnt eine Umsetzung der Handreichung ab. Im Erzbistum Köln sind Segnungen homosexueller Paare weiterhin nicht möglich.

Marx an Seelsorgende: Kein Paar soll abgewiesen werden

In seinem Schreiben an die Seelsorger:innen bittet Marx darum, die Handreichung in den Pfarreien und deren Gremien bekannt zu machen und allen, "die sich mit dieser Segnung noch schwertun", deren "theologischen Sinn" zu erläutern. Marx weist ausdrücklich darauf hin, dass kein Paar abgewiesen werden solle. Von Seelsorger:innen, die Segensfeiern nicht selbst leiten wollen, wird erwartet, dass sie Interessenten an den Dekan verweisen oder Kontakte zu anderen Seelsorgern herstellen.

Segensfeiern für queere Paare wurden im Erzbistum München und Freising schon bisher toleriert. Zudem wurde "das seelsorgliche und pastorale Angebot für queere Menschen" seit Ende 2024 durch 16 Ansprechpartner ausgeweitet, heißt es auf der Homepage der Queerpastoral.

Ab Juni sollen die Queerpastoral sowie die Ehe- und Familienpastoral für alle hauptamtlichen Seelsorger:innen Fortbildungen zur Gestaltung der einschlägigen Segensfeiern anbieten.

(mit Material von epd)