21.03.2018
Sanierungsbedürftiges Kulturdenkmal

Spenden-Hilfe für den Ansbacher Stadtfriedhof

Der Ansbacher Stadtfriedhof mit seinen Gruften ist etwas Besonderes. Die jahrhundertealten Gräber aus Sandstein bröckeln vor sich hin. Die müssen dringend saniert werden, doch der Kirche fehlt das Geld. Eine Initiative soll beim Geldsammeln helfen.
Stadtfriedhof Ansbach
Die zum Teil jahrhundertealten Gräber auf dem Ansbacher Stadtfriedhof müssen dringend saniert werden.

Still und leise bröckelt und bröselt seit Jahrzehnten ein monumentales steinernes Zeugnis der Stadtgeschichte Ansbachs vor sich hin. Die 160 Gruften auf dem Stadtfriedhof bei der Heilig-Kreuz-Kirche sind in keinem guten Zustand. Kaputter Sandstein, abblätternder Putz, morsches Holz, undichte Dächer, verrostetes Metall - die Mängelliste ist lang. Und sehr teuer. Um die 6,5 Millionen Euro würde eine Komplettsanierung kosten, sagt Simon Schäffler, Leiter des evangelischen Kirchengemeindeamtes Ansbach. Viel Geld, das die Gesamtkirchengemeinde als Eigentümer des Friedhofs nicht hat. Trotzdem soll bis 2021 ein erster Teil saniert sein.

"Es gab in den vergangenen Jahrzehnten schon mehrere Anläufe, den Stadtfriedhof auf Vordermann zu bringen", sagt Schäffler, der seit 2015 in Ansbach lebt und arbeitet. Bislang aber seien alle Versuche schnell im Sande verlaufen - und der Zustand der Gruftanlagen wurde schlechter. "Jetzt gibt es eine reelle Chance", sagt der Kirchengemeindeamts-Chef. Seit kurz vor Weihnachten 2017 läuft nämlich eine stadtgesellschaftlich breit angelegte Rettungsaktion: "Der Stadtfriedhof braucht ihre Hilfe!" Mit Flugblättern, einer Homepage sowie stadtbekannten Fürsprechern wird Geld für den ersten Bauabschnitt mit 22 Gruftanlagen gesammelt.

Ein Sammelsurium aus Epochen, Stilen und Geschmäckern

Schöne und besondere Friedhöfe gibt es in Bayern natürlich viele - der Ansbacher Gottesacker nahe der Altstadt allerdings ist wirklich ziemlich einmalig. Erbaut wurde er ab 1521, weil die Pestepidemie einen Friedhof außerhalb der Stadtmauern erforderte - neben der an 1461 ursprünglich als Pilgerkapelle errichteten Heilig-Kreuz-Kirche. Als Markgraf Alexander ab 1776 aus "sanitären Gründen" weitere Bestattungen von Adligen in der St. Gumbertuskirche untersagte, wurden die einzelnen Gruftanlagen auf dem Friedhof verbunden - so entstand das markante Gruft-Viereck. Seit Ende des Zweiten Weltkrieges ist es eher noch ein Gruft-Hufeisen.

Die Gruften sind ein einzigartiges Sammelsurium aus Epochen, Baustilen und Geschmäckern. Beinahe jede ist unterschiedlich breit, manche sind ein wenig höher als andere. Ein paar sind optisch aufgemöbelt mit neuer Farbe und neuen schmiedeeisernen Gittern - doch eigentlich sind sie alle baufällig, erläutert Schäffler: "Es gibt keine Gruft, an der laut Gutachten nichts zu machen wäre - und sei es nur eine neue Dacheindeckung." Das Problem dabei ist: Für die Nutzungszeit von mindestens 30 Jahren nach jeder Beerdigung geht der Bauunterhalt der Gruft auf die "Mieter" über. Also: die dort bestatteten Toten oder auch deren nächste Verwandte.

Stadtfriedhof Ansbach
Die Grüfte auf dem Ansbacher Stadtfriedhof sind ein monumentales steinernes Zeugnis
der Stadtgeschichte.
Stadtfriedhof Ansbach
Die 160 Grüfte auf dem Stadtfriedhof bei der Heilig-Kreuz-Kirche sind in keinem guten Zustand
Stadtfriedhof Ansbach
Ein Großteil der Grüfte müsste dringend saniert werden.
Stadtfriedhof Ansbach
Blick in eine sanierungsbedürftige Gruft
Simon Schäffler
Simon Schäffler, Leiter des evangelischen Kirchengemeindeamtes Ansbach
Grab Kaspar Hauser
Eines der prominentesten Gräber auf dem Ansbacher Stadtfriedhof: Die Ruhstätte von Kaspar Hauser

Ungefähr zwei Drittel der Gruftanlagen sind derzeit noch belegt, um den nicht genutzten Rest müsste sich die Gesamtkirchengemeinde kümmern. Da das vor allem die besonders sanierungsbedürftigen Gruften sind, die man nicht mehr an Nutzer vergeben konnte, wäre die Belastung für die Kirche extrem hoch. Der erste geplante Bauabschnitt rund um die Kirche im Bereich des Haupteingangs besteht aus vielen besonders baufälligen Anlagen. Um diese 22 Gruften zu sanieren, sind mindestens 1,2 Millionen Euro notwendig. Und weil das alles noch nicht kompliziert genug ist: das Ensemble ist denkmalgeschützt und seine Sanierung besonders heikel.

Knapp ein Drittel der Kosten könnten über den Entschädigungsfonds Bayern finanziert werden, ein weiteres Sechstel über Zuschüsse oder Denkmalschutzprojekte - die Hälfte müsste der Eigentümer aufbringen, also die Gesamtkirchengemeinde oder eben die Nutzer. "Das Geld haben wir schlicht und einfach nicht, und wir können diese Rechnungen auch nicht einfach weiter an die Nutzer reichen", sagt Schäffler. Deshalb soll nun Geld gesammelt werden. "Ganz ohne Beteiligung der Nutzer wird es nicht gehen", räumt er ein. Oberstes Ziel müsse es sein, den Friedhof in Gänze als Baudenkmal und Ansbacher "Geschichtsbuch" zu erhalten.

Ungeahnte Blicke in die Vergangenheit

Denn: Ein Bummel über diesen Friedhof ermöglicht ungeahnte Blicke in die Vergangenheit. Neben dem bekannten Grab des Findelkinds Kaspar Hauser sind auf dem Stadtfriedhof auch der Barockdichter Johann Peter Uz, der bayerische Ministerpräsident Friedrich Krafft Graf von Crailsheim (1841-1926), der dieses Amt von 1890 bis 1903 als "Vorsitzender des Ministerrates" ausübte" oder der ersten griechische Kriegsminister der Neuzeit, Johann Christian von Schmaltz dort beerdigt - daneben aber auch "Normalos". Eine Gruft ist nämlich längst kein bourgeoiser Luxus mehr, sie kostet heute für 30 Jahre Nutzungsdauer 4.600 Euro.

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