Kirche
Der evangelische Pfarrer Matthias Dreher wurde für seine Äußerungen zur Seenotrettung im Oktober 2020 bundesweit scharf kritisiert. Daraufhin musste der Nürnberger seine Gemeinde verlassen. Nun kehrt er zurück.
Der Nürnberger Pfarrer Matthias Dreher vor seiner Modelleisenbahn im Pfarrhaus der Nürnberger Melanchthon-Gemeinde. Dort hatte der Kirchenvorstand nach seinen umstrittenen Äußerungen zur so genannten Seenotrettung seiner Abordnung zugestimmt.

Der wegen seiner umstrittenen Äußerungen zur Seenotrettung bundesweit kritisierte Nürnberger evangelische Pfarrer Matthias Dreher kehrt an seine alte Wirkungsstätte zurück. Am 19. Juli trete er wieder seinen Dienst in der evangelischen Gemeinde Melanchthonkirche an, sagte er dem Evangelischen Pressedienst (epd). Er freue sich, dass nach Beratungen dieses Ergebnis erzielt worden sei und er voller Elan ans Werk gehe.

Dreher musste Gemeinde aufgrund einer scharf kritisierten Äußerung verlassen

Im Korrespondenzblatt des bayerischen Pfarrer- und Pfarrerinnenvereins vom Oktober 2020 hatte Matthias Dreher mit Verweis auf die Selbstverantwortung der Migranten die kirchliche Seenotrettung massiv kritisiert. Der Gaimersheimer Pfarrer Ulrich Eckert hatte vorher die These aufgestellt, man könne als Christ in keinem Fall Menschen ertrinken lassen. Dem widersprach Dreher in einem Leserbrief. Im Anschluss distanzierten sich der Kirchenvorstand der Gemeinde ebenso wie das Nürnberger Pfarrkapitel von Pfarrer Dreher.
Sieben Monate später bezeichnet Dreher seinen Text als »Debattenbeitrag«, der beim Prozess der Ermöglichung seiner Rückkehr keine Rolle gespielt habe und nicht mehr thematisiert werden müsse. Alexandra Dreher, Ehefrau von Matthias Dreher und bislang ebenfalls Pfarrerin der Nürnberger Kirchengemeinde Melanchthonkirche, verlässt dagegen zum 1. Oktober die Gemeinde und wird Pfarrerin in Schwarzenbuck (Dekanat Altdorf), wohin das Paar auch umziehen wird.

Weitere Zusammenarbeit wurde in gemeinsamen Gesprächen geklärt

Christopher Krieghoff, Dekan im Prodekanat Nürnberg-Nord, erklärt dazu auf der Homepage der Gemeinde, dass Kirchenvorstand und Pfarrer Dreher die Zeit seiner dienstlichen Abordnung an die Thomaskirche in Nürnberg-Großreuth intensiv genutzt und die weitere Zusammenarbeit geklärt hätten. Mit dabei waren auch eine Moderatorin der Gemeindeakademie Rummelsberg sowie die Nürnberger Regionalbischöfin Elisabeth Hann von Weyhern.

»Beide Seiten sind zuversichtlich, dass dadurch künftige Konflikte vermieden werden können«, meint Krieghoff. In teils kontrovers geführten Gesprächen habe man eine neue Arbeitsgrundlage herstellen können. »Grundlagen wurden erarbeitet und dienen nun allen Beteiligten als Richtschnur«, erklären neben Dreher selbst Pfarrer Gerhard Wild als Vertreter der hauptamtlichen Mitarbeitenden sowie Ulrike Rimane und Jürgen Bergmann als Vertrauensleute für den Kirchenvorstand.

Bedford-Strohm macht sich für Seenotrettung im Mittelmeer stark

Drehers Äußerungen hatten vor allem innerhalb der evangelischen Kirche für heftige Kritik gesorgt: Der bayerische Landesbischof und Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hat sich öffentlich in den vergangenen Jahren immer wieder für eine humanitäre Flüchtlingspolitik und die Seenotrettung im Mittelmeer starkgemacht.

Konkret unterstützt die evangelische Kirche das Bündnis "United4Rescue", das wiederum zivile Rettungsschiffe unterstützt. 

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In diesem Beitrag geht es nicht um die Frage, ob ein Christ Menschen ertrinken lassen kann. Es geht um einen Pfarrer, der mit seinem "Ja" einen Beitrag zu einer Debatte leisten wollte. In einem kircheninternen Blatt wählte er als Überschrift eines Leserbriefs provokant "Ein Christ kann ertrinken lassen" – und erlitt von Amts wegen Schiffbruch. Dieser Fall ging bundesweit durch die Medien und wirft die Frage auf, wie es um die Debattenkultur in der evangelischen Kirche bestellt ist.

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