Homophobie und Intoleranz
Die Gemeinde Rentweinsdorf hat den umstrittenen Prediger Olaf Latzel eingeladen, der wegen homophober Äußerungen in der Kritik steht. Pfarrer Gerhard Barfuß sagt, er sei kein Fan von Latzel, verteidigt die Einladung aber. Die Regionalbischöfin äußert sich ebenfalls.
Olaf Latzel
Der wegen seiner homophoben Aussagen umstrittene Prediger Olaf Latzel.

Der umstrittene Bremer Pfarrer Olaf Latzel wird noch bis Sonntag in der evangelischen Gemeinde in Rentweinsdorf predigen. Latzel ist ein evangelikaler Prediger, der wiederholt mit erzkonservativen und homophoben Aussagen aufgefallen ist. Er weigert sich, gleichgeschlechtliche Paare zu segnen und lehnt auch die Frauenordination ab. In einem Eheseminar sprach Latzel 2019 unter anderem von einer angeblichen "Homolobby", auch das Wort "Genderdreck" fiel in diesem Zusammenhang. Eine Aufnahme dieser Aussagen wurde mit Latzels Einwilligung auf Youtube hochgeladen.

Pfarrer Gerhard Barfuß: Wollten Latzel direkt erleben

In Rentweinsdorf wusste man vor der Einladung von den Aussagen, aber wollte Latzel laut eigenen Angaben nicht auf diese Äußerungen reduzieren. "Wir haben ihn eingeladen, weil wir ihn einfach auch einmal direkt erleben wollen", sagt der Rentweinsdorfer Pfarrer Gerhard Barfuß gegenüber sonntagsblatt.de.

Dass die Einladung von Latzel hohe Wellen schlagen würde, davon sei auszugehen gewesen, "aber der Entschluss Olaf Latzel einzuladen ist einstimmig im Kirchenvorstand gefasst worden". Provokation und Medienpräsenz sei in keiner Weise das Ziel gewesen. "Wir haben die Veranstaltungen nicht anders beworben wie sonst auch". Auch beschreibt er seine Gemeinde als erzkonservativ, sie sei dem "traditionellen landeskirchlichen Milieu" zuzuordnen.

Auftritt am Reformationstag "Statement für die Freiheit"

An drei auf einander folgenden Abenden sowie am Reformationstag wird Olaf Latzel in der Rentweinsdorfer Kirche sprechen. Am Donnerstagabend fand die erste Veranstaltung statt, die laut Barfuß sehr gut besucht war. An die 250 Kirchen Besucher, schätzt der Rentweinsdorfer Pfarrer, hatten den Weg nach Unterfranken gefunden.

"Seine Anhängerschaft ist groß, wir haben aus vielen Teilen Deutschlands Anfragen, ob die Veranstaltungen auch stattfinden."

Barfuß selbst bezeichnet sich nicht als "Fan" von Latzel, er vertritt auch persönlich eine andere Linie. Auch von den homophoben Äußerungen distanziert sich Barfuß. Latzel habe sich aber unlängst für diese Aussagen entschuldigt. Deswegen gelte für Barfuß auch die Toleranz-Regel. Er bezeichnet es als "Statement für die Freiheit", Latzel auch am Reformationstag in Rentweinsdorf predigen zu lassen.

Dreieinigkeitskirche Rentweinsdorf
Die Dreieinigkeitskirche in Rentweinsdorf.

Regionalbischöfin Greiner vermisst Menschlichkeit bei Latzel

Die Bayreuther Regionalbischöfin Dorothea Greiner beruft sich auf das Kanzelrecht, das besagt, dass Ortspfarrer*innen entscheiden dürfen, wer in der Kirche predigen darf. Sie verstehe jedoch nicht warum ausgerechnet auf Latzel zugegangen worden sei, sagt sie gegenüber sonntagsblatt.de. Sein Handeln wirke sich spaltend aus unter den Christ*innen, so Greiner weiter.

"So unterstellt er zum Beispiel der Kirchenleitung, sie würde das Wort Gottes entmachten, doch er selbst baut unnötige Widersprüche auf zwischen einem wissenschaftlichen und einem existentiellen Zugang zur Heiligen Schrift." Letztendlich wirke sich sein Zugang zur Heiligen Schrift auf viele Bereich polarisierend aus – auch auf den der Sexualität:

"Unsere Richtschnur zur Heiligen Schrift ist die Menschenfreundlichkeit unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus. Die vermisse ich bei ihm."

Landesbischof: Aussagen von Olaf Latzel sind unerträglich

Auch die bayerische Landeskirche äußert sich kritisch zu den Auftritten Latzels. "Ob Herr Latzel in Rentweinsdorf auftritt, liegt im Entscheidungsbereich der Kirchengemeinde", sagt ein Sprecher der Landeskirche sonntagsblatt.de. Zu den Äußerungen und Predigten von Herrn Latzel habe sich der bayerische Landesbischof und EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm bereits 2020 klar geäußert:

"Intoleranz ist gegen das Evangelium, abwertende und diskriminierende Haltungen dürfen in der Kirche keinen Platz haben. Die Aussagen von Olaf Latzel sind unerträglich. Jesus steht für eine radikale Menschenliebe."

Ob Olaf Latzel für seine Aussagen juristischer Ärger droht, ist indes noch offen. Das Amtsgericht Bremen hat ihn 2020 in erster Instanz wegen Volksverhetzung zu einer Geldstrafe verurteilt. Da der Bremer Geistliche in Berufung ging, ist das Urteil aber noch nicht rechtskräftig. Das neue Verfahren wird voraussichtlich Anfang 2022 beginnen.

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