18.06.2018
Kirchentag Dortmund

Leyendecker: Kirchentag will Auseinanderdriften der Gesellschaft zum Thema machen

Der nächste Deutsche Evangelische Kirchentag wird das Auseinanderdriften der Gesellschaft zu einem inhaltlichen Schwerpunkt machen. Die "gespaltene Mitte" der Gesellschaft sei ein ganz zentrales Thema, so Kirchentagspräsident Hans Leyendecker bei seinem Redaktionsbesuch im Sonntagsblatt.
Hans Leyendecker Journalist Süddeutsche Zeitung SZ 2018
Hans Leyendecker ist Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentags (DEKT) in Dortmund

Obwohl es den Menschen so gutgehe wie wohl nie zuvor, hätten die Ängste zugenommen, sagt der Kirchentagspräsident Hans Leyendecker. Das habe nicht allein mit einer Aversion gegen Flüchtlinge oder dem Islam zu tun, sondern mit Problemen im eigenen Umfeld - am Arbeitsplatz oder in der Stadt. Es sei deshalb ein wichtiges Projekt des nächsten Kirchentages, der vom 19. bis 23. Juni 2019 in Dortmund stattfinden wird, dass "diese möglicherweise auch diffusen Ängste eine Stimme bekommen".

Leyendecker seit 1970er Jahren auf dem Kirchentag

Leyendecker war 1975 zum ersten Mal auf dem Kirchentag und kehrt seither regelmäßig zurück. Als Alt-68er habe er ganz wichtige Fragen auf dem Kirchentag entdeckt: "Kirchentage sind ein Stück Wegweiser, und da kann sich Politik und Gesellschaft auch ein Stückweit orientieren", so Leyendecker. Den Rollenwechsel vom Journalist zum Präsidenten erlebe er als "große Lebenschance".

Kirchentag in Dortmund agiere gegen Rassismus

Rassistische Parolen werden auf dem nächsten Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dortmund keinen Platz haben. Wie Kirchentagspräsident Hans Leyendecker betont, gehöre es zum Christsein, "dass man nicht ausgrenzt, dass man kein Rassist ist, dass man nicht hetzt".

In den Diskussionen mit AfD-Vertretern werde deutlich, wie diese den Diskurs führen: "Sie machen aus der Sache nichts, sie lernen inhaltlich nichts". Die Kirchentagsbesucher wollten hingegen zuhören, mitdiskutieren, aber sie wollten auch lernen. "Ich sehe keinen in der AfD, von dem ich irgendwas lernen kann", sagt Leyendecker, ehemaliger Leitender Redakteur der "Süddeutschen Zeitung" (SZ).

Der Kirchentag in Dortmund setzt nach Aussage der Generalsekretärin Julia Helmke auf partizipative Formen der Beteiligung. Damit die Besucher den Referenten auch auf Augenhöhe begegnen können, soll es deshalb "Kneipen-Gespräche" geben. Außerdem sei geplant, dass sich die Besucher mit ihren Smart-Phones direkt in die Diskussion einbringen können. Wie Kirchentagspräsident Leyendecker betont, sei Dortmund als Stadt des Umbruchs ein guter Ort, um über Fragen des gesellschaftlichen Wandels, Migration und Integration zu diskutieren.

ShareFacebookTwitterGoogle+Share

Weitere Artikel zum Thema: