8. Februar 2021
Kindertagesstätten und Corona

Beschäftige in Kitas hadern mit der Corona-Situation: Sie fordern eine sofortige Impfung und Schnelltests

Abstandhalten zu Kleinkindern ist nicht möglich: Das Kita-Personal in Bayern will daher schnellstmöglich gegen Corona geimpft und regelmäßig auf das Virus getestet werden. Angst machen den Erziehern derzeit die ansteckenderen Virus-Mutanten.
Kinder Kita Kindergarten Malen Stift

Werden sie auf Lockerungen der Corona-Maßnahmen angesprochen, betonen Politiker, dass Grundschulen und Kitas als erstes wieder öffnen sollen. Nach aktuellem Stand wäre das in Bayern am 15. Februar der Fall.

Die Kleinsten bräuchten ihre soziale Kontakte, Homeschooling und Kinderbetreuung seien für berufstätige Eltern schwierig, so die Argumente. In den Kitas sieht man das genauso, wenn auch mit einem große Aber: Die Beschäftigten möchten schneller gegen Corona geimpft werden, sprich: auf der Prioritätenliste des Bundesgesundheitsministeriums ganz nach oben rücken.

Und sie fordern tägliche, kostenlose Corona-Selbsttests, auch angesichts der aktuell gut besuchten Notbetreuung.

Kindertagesstätten kämpfen mit der Corona-Kris

Brigitte Gulden, Leiterin einer Fürther Kindertagesstätte mit mehr als 100 Kindern, sagt, sie sei "erschüttert" gewesen, als sie die Prioritätenliste gesehen habe, auf der Erzieher sich in Gruppe drei befinden. Denn immerhin seien Erzieher, die allein durchs Wickeln nah an den Kindern dran sind, einem hohen Ansteckungsrisiko ausgesetzt.

Wenn es nach Gulden und ihren Mitarbeitern ginge, müssten Erzieher und Kinderpfleger daher mit höchster Priorität geimpft und regelmäßig getestet werden.

Virus-Mutanten

Angst machen dem pädagogischen Fachpersonal an Kitas aktuell die deutlich ansteckenderen Virus-Mutanten, wie sie etwa bereits an Kitas in Freiburg und Köln aufgetreten sind. Bisher hätten sie und ihre Kollegen wenig Angst vor einer Ansteckung gehabt, doch nun müsse man noch vorsichtiger sein, sagt Gulden, die mit ihren über 60 Jahren selbst zur Risikogruppe gehört.

Ärger machen daher Berichte von impfunwilligen Pflegekräften, die sich eigentlich mit höchster Priorität impfen lassen können. Dafür habe sie kein Verständnis, sagt Gulden. Sie wäre froh um eine schnelle Impfung.

Kritische Nachfragen zur Impfung

Eine ähnliche Rückmeldung erhält man von der Vorständin Bildung und Soziales des Evangelischen Kita-Verbands Bayern, Christiane Münderlein. Kritische Nachfragen zur Impfung erhalten sie keine, die meisten wollten wissen, wie das Impfprozedere ablaufe und wann sie endlich an der Reihe seien.

Erzieher müssten sich täglich kostenlos selbst auf Corona testen können, außerdem müssten sie so schnell wie möglich geimpft werden, noch vor den Lehrkräften an Schulen, fordert Münderlein. Denn Wechselmodelle wie an Schulen seien an Kitas nicht möglich.

Das bayerische Sozialministerium verweist dazu auf Anfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) auf die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission. Diese habe die Gefährdungslage der aufgelisteten Personengruppen fachgerecht bewertet. Kita-Beschäftigte hätten demzufolge ein geringeres Risiko, sich mit dem Coronavirus anzustecken, als Personen, die mit höchster und hoher Priorität geimpft werden sollen.

Dazu zählen etwa Pflegekräfte, die laut Ministerium durch die Betreuung älterer und pflegebedürftiger Menschen mit besonders vulnerablen Personengruppen zusammenarbeiten.

Notbetreuung an Kitas

Für Diskussionen sorgt auch die derzeitige Notbetreuung an Kitas. Jeder, der sie braucht, darf sie in Anspruch nehmen - im Gegensatz zum ersten Lockdown im Frühjahr 2020, als das nur Eltern mit systemrelevanten Berufen durften. Kita-Leiterin Gulden hält die Regelung für richtig:

"Jeder, der denkt, er schafft es nicht mehr, der soll sein Kind ohne schlechtes Gewissen in die Notbetreuung geben."

Denn jeder komme nun einmal unterschiedlich mit Belastungen klar. Auch beim Evangelischen Kita-Verband, der 1.450 Kitas in Bayern mit 15.000 pädagogischen Fachkräften vertritt, sieht man das so.

Zu volle Notbetreuungen?

Die Erzieher-Gewerkschaft GEW kritisiert dagegen, dass die Notbetreuung mancherorts viel zu voll sei. Eine Kita-Belegung von unter 30 Prozent sei akzeptabel, sagte der Vize-Landesvorsitzende der GEW, Gerd Schnellinger, am Mittwoch. Tatsächlich gebe es aber "viele Ausreißer nach oben".

Es brauche daher verbindliche Obergrenzen für die Gruppen. Brigitte Zach, verdi-Landesfachbereichsleiterin Gemeinden, ergänzt: "Notbetreuung darf nicht fast schon Regelbetrieb sein." Laut Sozialministerium besuchten Ende vergangener Woche bayernweit rund 25 Prozent der Kinder die Kita-Notbetreuung.

Entscheidung Mitte Februar

Ob die Kitas und die Schulen in Bayern am 15. Februar tatsächlich wieder öffnen, darüber wollen Kabinett und Landtag kommende Woche entscheiden. Zumindest in einem Punkt will die bayerische Staatsregierung den Wünschen der Kitas nachkommen: Die drei Ministerien für Kultus, Soziales und Gesundheit erarbeiten derzeit ein Konzept für Corona-Testungen an Schulen und Kitas.

Details liegen nach Informationen des Evangelischen Pressedienstes (epd) aber noch nicht vor. Auch ob das Konzept zur anvisierten Öffnung der Schulen und Kitas am 15. Februar steht, sei noch nicht klar, heißt es aus den Ministerien. 

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