Traditionelles Kletzenbrot
Eine traditionelle Süßigkeit, die gleichzeitig als Glücksbringer und Heiratsorakel dient: Das Kletzenbrot wurde traditionell am Heiligabend angeschnitten und musste bis Dreikönig reichen. Manche Bäcker verkaufen es heute noch in der Adventszeit.
Traditionelles Kletzenbrot (Symbolbild)

In der Bäckerei Krätz hat das Kletzenbrot Tradition: Das Rezept stammt von Johann Krätz, der die Backstube in Garmisch-Partenkirchen von 1887 bis 1941 führte. "Wir backen das Kletzenbrot ab Ende November", sagt dessen Enkel Josef, der die Bäckerei seit 20 Jahren führt.

15 Laibe fertigt er in der Vorweihnachtszeit pro Woche - meist sind es Stammkunden, die das Kletzenbrot schätzen. "Aber es wird auch gerne einmal von andere Kunden probiert", sagt eine Verkäuferin.

Traditionelles Kletzenbrot

Das Kletzenbrot ist eines der ältesten Weihnachtsgebäcke. Schneidet man das Brot an, ist es dunkelbraun. Der Teig ist fest und saftig und man sieht Frucht- und Nussstückchen. Es schmeckt würzig-süß. Die Hauptzutat sind getrocknete Birnen, die sogenannten "Kletzen". Die Kletze, Hutze oder Hutzle, hochdeutsch Dörrbirne, ist die getrocknete Birne als Dörrobst.

Alten Rezepten zufolge war der Wecken mit der dünnen Kruste früher fast nur mit gedörrten Birnen gefüllt, "höchstens mit einem Tropfen Schnaps 'gewässert'." Das Brot sollte an Weihnachten die Tage endlich wieder "versüßen" - war doch der Advent ursprünglich eine Fastenzeit, wie die Wochen vor Ostern. Die Brote wurden vor Weihnachten gebacken und "mussten die Rauhnächte überdauern", wie die Zeit zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag am 6. Januar heißt.

Das Backen der Kletzenbrote

In das "Kletzenbrot" des Werdenfelser Bäckers Josef Krätz kommen neben "Kletzen" auch andere getrocknete Früchte wie Datteln, Feigen und Zwetschgen sowie Sultaninen, Haselnüsse, Zitronat, Orangeat, Zimt, Nelken, Rum, Kochwasser von den "Kletzen" sowie Mischbrotteig, der mit der Früchtemasse verknetet wird. Die Laibe werden mit Brotteig umwickelt. Nach dem Backen ist die Fruchtmasse in eine knusprige Kruste gehüllt.

Früher bekam jedes Familienmitglied einen Laib, "dessen Verteilung mit großer Feierlichkeit erfolgte".

Vor dem Anschneiden machte man auf die Unterseite drei Kreuze und übergab dem Hausvater das erste Randstück, den Scherzen. Geschichtsbücher berichten über zahlreiche Rituale, die sich rund ums Kletzenbrot entspannen: Waren erwachsene Töchter im Haus, versuchten diese mit allen Mitteln, dass der Hochzeiter oder Freund den "Scherzen" erhielt - dies war nämlich die Verpflichtung für ihn, sein Mädchen das ganze Jahr zum Tanzen zu führen.

An anderer Stelle wird vom Kletzenbrot als Verlobungsorakel berichtet: "Ein rauer Anschnitt des Brotes bedeutete eine Absage von Seiten des Mädchens. Bei einem glatten Anschnitt war sie mit der Bewerbung des Jungen einverstanden." Sogar die Tiere auf den Bauernhöfen erhielten ihre 'Maulgabe' in Form von Kletzenbrot. Dies sollte Glück im Stall bringen.

Die Tradition des Schenkens

Es wird aber auch erzählt, dass man in jeder Wirtschaft und Krämerei ein Stück Kletzenbrot geschenkt bekam. Viele Bäuerinnen verteilten an den Weihnachtstagen zum Dank für "getreue Dienstleistungen und Gefälligkeiten" ein paar Scheiben vom Kletzenbrot.

Die Ortschronik von Bad Kohlgrub erzählt, dass früher der "Milchfahrer" des Dorfs von jedem Hof ein paar Scheiben mit nach Hause brachte. "Dort wurde neugierig festgestellt, wer heuer das beste Kletzenbrot mit den meisten Birnen gebacken hatte", so die Chronik.

Das alte Früchtebrot hat also starke Wurzeln im Brauchtum vergangener Tage. Über viele der abergläubischen Rituale lächeln Kletzenbrot-Fans heute. Doch dass die Rezeptur die Jahrhunderte überdauert hat, freut viele.

Die Bäckerei Krätz, bereits 1772 von Urahn Ferdinand begründet und heute von Josef in achter Generation geführt, zählt zu jenen, die den alten Brauch weitertragen. Und zugleich noch Verzehrtipps mitliefern: Zum Glühwein, lächelt der 51-jährige Josef Krätz, schmecke eine Scheibe Kletzenbrot mit Butter besonders gut.

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