Das chinesische Neujahrsfest ist mit den berühmten roten Lampions, beeindruckendem Feuerwerk, vielen Traditionen und großen Familienessen der wichtigste Feiertag Chinas.

Doch gefeiert wird nicht nur in China: Auch in Vietnam, Korea, Singapur und in asiatischen Communities weltweit ist das Fest verbreitet. Dort kennt man es auch als Frühlingsfest oder Mondneujahr.

Der Termin richtet sich nach dem traditionellen chinesischen Lunisolarkalender und fällt stets zwischen den 21. Januar und 21. Februar. Üblicherweise ist es der zweite, selten der dritte Neumond nach der Wintersonnenwende. 2026 beginnt das Fest am Dienstag, den 17. Februar, und leitet das Jahr des Feuer-Pferdes ein.

Das Tierkreiszeichen des Feuer-Pferdes (chinesisch 丙午, bǐngwǔ) steht für Mut, Freiheit, Bewegung und Dynamik. Das Element Feuer verstärkt Energie, Leidenschaft, Kreativität und Aufbruchsstimmung. Die Kombination Pferd plus Feuer gilt als besonders kraftvoll und wiederholt sich nur alle 60 Jahre – zuletzt 1966.

Die größte Reisewelle der Welt

Millionen Menschen nutzen das Neujahrsfest, um ihre Familien zu besuchen – eine Bewegung, die in China "Chunyun" genannt wird und als größte regelmäßige Migration der Welt gilt. Für die rund 40-tägige Reisezeit um den 17. Februar 2026 rechnet die nationale Entwicklungs- und Reformkommission mit etwa 9,5 Milliarden Einzelreisen, darunter rund 540 Millionen Bahnfahrten und etwa 95 Millionen Flüge. Viele Menschen nehmen dafür bis zu 30 Stunden Zugfahrt in Kauf, um einmal im Jahr länger bei ihrer Familie zu sein.

Traditionell dauert das Fest 16 Tage: Es beginnt am letzten Abend des alten Jahres und endet am 15. Tag des neuen Jahres mit dem Laternenfest, das 2026 auf den 3. März fällt. Heute nehmen die meisten Menschen fünf bis acht Tage frei; in China gibt es drei gesetzliche Feiertage, oft ergänzt durch Urlaubstage.

Vorbereitung, Rituale und Legenden

Die Vorbereitungen beginnen meist rund zwei Wochen vorher: Häuser werden gründlich geputzt und mit roten und goldenen Dekorationen, Lampions und Schriftbändern geschmückt. Rot steht für Glück, Freude und Wohlstand und soll das "Jahresmonster" Nian vertreiben. Das Ende des Jahres gilt als Zeit der Erneuerung: Wände werden neu gestrichen, neue Kleidung gekauft, Einkäufe für das Festessen erledigt, und ein Friseurbesuch gehört dazu. Auch Opfergaben spielen eine Rolle: Familien bringen etwa süß-klebrigen Reis an den Küchengott Zao Jun, der sieben Tage vor Neujahr zum Jadekaiser aufbricht und vier Tage nach Neujahr mit Tee und Früchten empfangen wird.

Am letzten Abend des Jahres versammelt sich die Familie zum großen Festessen. Hühnchen, Fisch und andere symbolische Speisen stehen auf dem Tisch. Der Fisch bleibt absichtlich nicht vollständig aufgegessen, denn "yú" (Fisch) klingt wie "Überfluss" und soll Wohlstand sichern. Kinder erhalten Geld in roten Umschlägen, den Hongbao, deren Höhe symbolische Bedeutung hat. Ab etwa 23 Uhr ziehen viele Menschen auf die Straßen, zünden Feuerwerk und feiern mit Drachen- und Löwentänzen das neue Jahr – auch wenn in manchen Städten Feuerwerk aus Sicherheits- oder Umweltgründen eingeschränkt ist.

Die Legende erzählt vom menschenfressenden Monster Nianshou, das einmal im Jahr aus Bergen oder Meer kam. Die Menschen vertrieben es mit Lärm, Feuer und roten Lampions, Papieren und Kleidungsstücken – ein Brauch, der "Guònián" genannt wird, also "den Jahreswechsel begehen".

Fünfzehn Tage voller Bräuche

Die 15 Tage nach Neujahr sind ebenfalls reich an Traditionen: Am ersten Tag trifft sich die Kernfamilie zum Frühstück, spricht Segenswünsche aus und verteilt rote Umschläge an unverheiratete Angehörige. Am zweiten Tag kehren verheiratete Töchter mit ihren Ehemännern ins Elternhaus zurück, gefeiert mit Festessen. Dritte und vierte Tage dienen Besuchen entfernter Verwandter, sind aber auch Tage, an denen leicht Streit entstehen kann.

Am fünften Tag wird in Nordchina das Wiedereröffnen von Läden gefeiert und der Wohlstandsgott geehrt. Der siebte Tag gilt als Geburtstag aller Menschen ("Rénrì"), am neunten Tag verehren Daoistinnen und Daoisten den Jadekaiser. Am 15. Tag endet das Frühlingsfest mit dem Laternenfest: Tangyuan aus Klebreis werden gegessen und rote Laternen entzündet.

Heute wird das chinesische Neujahrsfest weltweit gefeiert – auch in Deutschland, etwa in Berlin, Hamburg und Frankfurt, mit Umzügen, Bühnenprogrammen, Märkten, Löwentänzen und roten Laternen. 2024 wurden das Frühlings- und das Qiang-Neujahrsfest von der UNESCO in die repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen, was die kulturelle Bedeutung dieser Tradition unterstreicht.