2.06.2013
Weidenkirche

Weidenkirche Petersaurach: Besinnung im Grünen

Die Weidenkirche in Petersaurach lädt zur Besinnung im Grünen ein.
Weidenkirche Petersaurach
Die Weidenkirche in Petersaurach wird errichtet

Petersaurach im Landkreis Ansbach ist eine typisch fränkische Gemeinde: 5000 Einwohner, eine Hauptstraße mit Bäcker und Metzger, zwei Kindergärten und eine Kirche. Aber der Ort bietet noch mehr: Viele Freiwillige packten mit an, um 2011 einen 4,5 Kilometer langen Hirtenweg mit zwölf Stationen zu bauen. Und letztes Jahr folgte eine Weidenkapelle.

Ein Ehepaar gab sich in dem Natur-Kirchlein kurz nach der offiziellen Weihe im September 2012 schon das Ja-Wort. Für dieses Jahr haben sich mehrere Eltern mit ihrem Nachwuchs für Taufen angemeldet.

Naturkirche aus Weiden in Petersaurach

Es ist ein sonniger Frühlingstag im Mai - angenehme 20 Grad hat es im Schatten. Vögel zwitschern in der lauen Luft und die ersten Hummeln summen umher. Auf dem sogenannten Kapellwasen, der zwischen den beiden Ortschaften Petersaurach und Altendettelsau liegt, wuseln mehrere grüne Daumen des ökumenischen Arbeitskreises vor sich hin. Hans Schäf lädt zusammen mit seiner Frau Hildegard und Horst Hengelein seinen Hänger ab - frische Zweige für die Weidenkapelle.

Die dunkelhaarige Monika Grimm, die viel Spaß an ihrer Arbeit hat, gibt neue Erde in das bunte Meer aus Pflanzen, das die Weidenkapelle außen wie ein Ring umschließt: Lungenkraut, Kamille, Dill, Margeriten, Iris, Veilchen und tränende Herzen. "Gleich in der Nähe vom Kreuz", sagt Hildegard Schäf vom ökumenischen Arbeitskreis. "Denn wo das Kreuz ist, da ist man mit dem Herzen dabei, und es fließen auch Tränen." Insgesamt zwölf Bögen tragen die Weidenkapelle und der Boden ist seit Kurzem gepflastert, damit die Bräute mit ihren hochhackigen Hochzeitsschuhen nicht mehr in der Wiese stecken bleiben. Zwölf Eichen-Baumstümpfe stehen als Sitzplätze im Inneren der Kapelle, bald möchte Hildegard Schäf noch zwölf runde Kissen dafür nähen. "Plastikstühle wollte ich nicht mehr", sagt die rüstige Rentnerin, die gern und viel lacht. "Und wenn die Baumstümpfe auch noch Kissen bekommen, dann sieht das einfach einladender aus, und bei Veranstaltungen wissen die Leute, sie sind uns auch etwas wert."

Altar der Weidenkirche ist aus Wurzelstock

Der Altar, ein alter Wurzelstock, ist ebenso wie die Eiche eine Spende. Horst Hengelein organisierte eine Glasplatte - und so zählt der Altar in der Weidenkapelle wohl zu den ungewöhnlichsten überhaupt.

Auch Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm hat sich das Natur-Kirchlein angesehen. Zum 700-jährigen Jubiläum der Kirche St. Peter in Petersaurach reiste er an. Hans Schäf überzeugte ihn, einen kurzen Abstecher zur Weidenkapelle einzulegen. "Was ihn begeistert hat, war, dass wir was machen, das wenig kostet und viel Wirkung hat", erzählt Schäf. "Ich sage immer, wir bauen eine Kirche und wir zahlen nicht mal etwas für die Backsteine."

Die Weidenkapelle ist beliebt bei den Menschen aus der ganzen Umgebung, erzählt Ruhestandspfarrer Rudi Hackner. Es vergeht kaum ein Tag, an dem er am Kapellwasen vorbeifährt und kein Auto auf der riesengroßen Wiese mit Blick auf das Dorf Altendettelsau parkt. "Mir hat ein Mann erzählt, er kommt regelmäßig mit dem Fahrrad auf dem Weg in die Arbeit hier vorbei und betet. Das finde ich eine schöne Sache", sagt Hackner.

Krimi um eine mittelalterliche Marienkapelle

Bei der Umsetzung der Weidenkapelle stieß der ökumenische Kirchenkreis nach und nach auf die Geschichte einer ehemaligen Marienkapelle an der Stelle. "Es war alles wie ein Krimi", erzählt Hildegard Schäf. Ein Satellitenbild zeigte den Verlauf der Grundmauern. Das Schiff war neun Meter lang und sechs Meter breit. Einen massiven Turm hatte die Kapelle nicht, sondern für eine kleine Glocke nur einen Dachreiter.

Das Landesamt für Denkmalpflege rückte mit einem Echolot an und trug danach den gesamten Fundamentbestand auf dem Kapellwasen als Bodendenkmal ein. Grabungen wird es nicht geben, um das Denkmal zu erhalten. Die Kapelle stammt vermutlich aus dem Jahr 1350 und war vor allem für das einfache Volk ein Ort der Besinnung. Jedes Vierteljahr ließen die Bauern aus den umliegenden Ortschaften dort Messen für die Verstorbenen lesen. "Die Reichen haben sich im Kloster in Heilsbronn einkaufen können, die Bauern hatte dazu nicht das nötige Geld", erzählt Rudi Hackner. "Unter den Leuten hat es auch eine Menge Legenden zu der Kapelle gegeben. Manche haben behauptet, die letzten Steine des Gotteshauses seien bis nach dem Zweiten Weltkrieg hier noch rumgelegen. Aber das hat sich alles als falsch herausgestellt."

Ökumenischer Arbeitskreis macht Hirtenweg

Das eigentlich erste "Baby" des ökumenischen Arbeitskreises ist der Hirtenweg aus dem Jahr 2011. Ein 4,5 langer Besinnungsweg mit zwölf Stationen. An jeder steht eine Stele aus fränkischem Sandstein, auf der sich ein Vers des 23. Psalms "Der Herr ist mein Hirte" findet. Die Stelen, die ein Steinmetzbetrieb aus Neuendettelsau angefertigt hat, sind so angeordnet, dass der Psalm hintereinander abgegangen werden kann, angefangen bei der ersten Station am Kindergarten mit der Stele "Der Herr ist mein Hirte" bis zur zwölften Station an St. Peter mit der Stele "Ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar".

Idyllisch fügen sich die einzelnen Stationen in die scheinbare Unberührtheit der Felder, blühenden Wiesen und Wälder ein. Direkt an der Hauptstraße von Petersaurach lenkt die Skulptur "Das Buch" der Steinbildhauerin Bettina Schlüsselburg aus Mitteldachstetten (Kreis Ansbach) die ersten neugierigen Blicke der Autofahrer auf sich. Auf der Vorderseite ist das Bild eines Hirten mit seinen Tieren und Hirtenstab, auf der Rückseite sind die einzelnen Stationen des Wegs zu sehen.

Durch diesen Hingucker erhoffen sich die Verantwortlichen, auswärtige Besucher auf den Hirtenweg aufmerksam zu machen. Insgesamt beträgt die reine Wanderzeit rund eine Stunde, an der neunten Station stehen Bänke zum Ausruhen und Tische zum Vespern. 42 Mitglieder hat der ökumenische Arbeitskreis und noch viel mehr Unterstützer, die hinter Hirtenweg und Weidenkapelle stecken. "Immer wenn es etwas zu tun gibt, dann sind sofort drei, vier Leute da, um anzupacken", erzählt Hildegard Schäf. Sie selbst ist auch jeden Tag ein paar Stunden unterwegs - Arbeit gibt es genug.

www.petersaurach.de

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