Christen im Irak
Junge, engagierte Menschen aus dem Irak haben sich Ende Oktober im Norden des von Kriegen und Bürgerkriegen gebeutelten Zweistromlands zu einer ersten "Friedens- und Dialog-Akademie" getroffen. Das Vorbild dafür: sommerliche Begegnungsfreizeiten in Oberbayern. Zum Organisationsteam gehörte der Münchner Atran Youkhana (37) von der evangelischen Stiftung "Wings of Hope". Gibt es für die Minderheiten im Nahen Osten eine Zukunft?
Atran Youkhana von der Stiftung "Wings of Hope"
Atran Youkhana koordiniert die Friedensarbeit der Stiftung Wings of Hope im Nahen Osten.

Was wir als "Nahen Osten" bezeichnen, ist eine Gegend vieler Völker, Religionen und Ethnien: Da sind die Assyrer, Maroniten, Armenier und andere Christen, die Alawiten und Aleviten, Jesiden, Kurden, Zoroastrier, Bahai, Mandäer, Ahl-e Haqq und viele andere. Die meisten stehen schon lange unter großem Druck durch die islamisch-arabischen Mehrheitsgesellschaften.

In Dokan im kurdischen Nordirak kamen nun 17 junge Erwachsene im Alter zwischen 18 und 28 Jahren aus den unterschiedlichsten ethnischen und religiösen Hintergründen für eine gute Woche zusammen. Um gemeinsam mit einem fünfköpfigen Leitungs- und Expertenteam herauszufinden, wie man mit und voneinander lernen kann, wie eine Zukunft friedlicher Vielfalt im Irak gelingen könnte.

Atran, du stammst selbst aus einer dieser Minderheiten, dein Vater Emanuel Baito Youkhana (62) ist Erzdiakon, also Pfarrer der assyrischen Kirche des Ostens. Wie geht es den Minderheiten im Irak heute?

Atran Youkhana: Nicht besonders gut. Auch wenn es seit dem Sieg über den IS für die Menschen dort eine gewisse Sicherheit gibt, sitzen viele auf gepackten Koffern. Das hat zum einen mit wirtschaftlicher Perspektivlosigkeit zu, mit fehlenden Berufsmöglichkeiten, um die eigene Familie zu ernähren. Zum anderen stellen sich manche Jugendliche, aber auch ihre Eltern und Familien, vor allem jesidische und christliche, die Frage: Wird das, was wir erlebt haben, noch einmal passieren?

Vielleicht bin ich zu pessimistisch, aber denkt man beispielsweise an den IS, dann sprechen leider viele Faktoren für ein hohes Risiko, das das alles erneut passieren könnte. Es werden nicht die richtigen Schlüsse gezogen.

"Und deswegen besteht die Gefahr, dass sich die Geschichte wiederholt."

Was läuft falsch? Und woher kommt dieser unglaubliche Vernichtungswille gegenüber Minderheiten?

Atran Youkhana: Ich würde zwei Punkte nennen: Zum einen ist es so, dass wir in den letzten Jahrzehnten leider erleben, dass die wahhabitische Auslegung des Islam enorm an Unterstützung und Anhängerschaft gewonnen hat. Wie im Christentum gibt es ja auch im Islam verschiedene Auslegungen und Strömungen. Vor allem in den letzten 20 Jahren hat die wesentlich tolerantere frühere Mainstream-Auslegung des Islam an Boden verloren. Die Finanzierung kommt aus den Golfstaaten. Diese Entwicklung bedeutet eine Bedrohung vor allem für die Minderheiten, aber auch für die Mehrheitsgesellschaft der Muslime.

Der zweite Punkt: Seit 2003 wird der Irak nicht mehr von Saddam und einer sunnitischen Regierung regiert. Seit 18 Jahren regiert eine Mehrheit von schiitischen Parteien. Natürlich kommen diese nicht an Saddams Brutalität heran, aber in der nunmehr unterdrückten sunnitischen Gemeinschaft, die ihre Privilegien verloren hat, hat das Revanchegefühle befördert. Viele haben den IS als Befreier oder als Verbündete gesehen, um diese verhasste Regierung zu beseitigen.

Es geht im Kern also um die Frage, wie Staaten funktionieren, wie sie dafür sorgen, dass ihre Bürger gleich oder möglichst gleich behandelt werden unabhängig von ihrer ethnischen oder religiösen Zugehörigkeit. Das ist im Irak nach dem Sturz von Saddam, aber auch nach dem Sieg über den IS nicht passiert. Diese Fehler macht man weiterhin. Und deswegen besteht die Gefahr, dass sich die Geschichte wiederholt.

Zur Person

Atran Youkhana wurde 1984 in Dohuk (Nordirak) geboren. Seit 1995 lebt er mit seiner Familie in Deutschland. Er hat Politikwissenschaft studiert und arbeitet in München als Projektkoordinator der Stiftung "Wings of Hope" für den Nahen Osten. Die Stiftung wurde 2003 von der Landeskirche, dem Kuratorium der Dachauer Versöhnungskirche und dem Traumatherapeuten und Diakon Peter Klentzan gegründet.

Minderheiten wie die Christen kamen und kommen immer unter die Räder, wo die Großen um die Macht ringen. Die Geschichte hat ja nicht erst 2003 begonnen. Da war der Völkermord an den Armeniern, es gibt praktisch keine Juden mehr im Irak ..

Atran Youkhana: Für Angehörige von ethnischen und religiösen Minderheiten in der Region, insbesondere für Nichtmuslime, Christen, Jesiden, Kaka’i, war es schon immer schwierig, sich in diesen muslimisch dominierten Gesellschaften zu behaupten. Aber auch die sunnitischen Kurden mussten als Nicht-Araber ähnliche Kämpfe führen – die in allen Fällen weitestgehend nicht erfolgreich waren.

Die Kurden waren zwar nicht religiös durch den sogenannten Dhimmi-Status als Menschen zweiter Klasse diskriminiert, aber von einem säkularen Nationalismus betroffen. Tatsächlich ist es so, dass nichtmuslimische Gemeinschaften nie die gleichen Rechte hatten. In der aktuellen Verfassung des Irak vielleicht auf dem Papier, aber de facto sehr oft nicht.

"Eine Gleichberechtigung gibt es weder auf dem Arbeitsmarkt oder im normalen Alltag, noch im Fall von Gewalt und Krieg."

Und das ist bis heute so?

Atran Youkhana: Es verändert sich durchaus etwas zum Positiven, weil diese Gruppen vor allem seit 2014 bis 2017, also seit der Zeit des IS, weltweit Aufmerksamkeit und Unterstützung erfahren. Da hat sich so etwas wie eine Anwaltschaft in der internationalen Gemeinschaft entwickelt. Bei immer mehr Menschen entsteht ein Bewusstsein, dass diese Menschen Gleichbehandlung verdienen. In der Praxis merkt man allerdings, dass in einem Staat, der sehr stark durch Kleptokratie, Vetternwirtschaft und Korruption geprägt ist, Angehörige der Minderheiten durch ihre fehlenden Beziehungen und Netzwerke oft schon von vornherein verloren haben. Aber das gilt auch militärisch, weil es im eigenen Land kaum jemanden gibt, der sagt, okay, das sind die Gruppen, die ich mit Waffengewalt verteidige, wenn es dazu kommt. Das heißt: Eine Gleichberechtigung gibt es weder auf dem Arbeitsmarkt oder im normalen Alltag, noch im Fall von Gewalt und Krieg.

Du arbeitest für die Stiftung "Wings of Hope", die von der Landeskirche, dem Kuratorium der Dachauer Versöhnungskirche und dem Traumatherapeuten und Diakon Peter Klentzan gegründet wurde. Welche Rolle spielen die Stiftung und ihre Geschichte in der Region für euer Akademie-Projekt?

Atran Youkhana: Die Stiftung "Wings of Hope" hat ja zwei große Säulen und ist schon viele Jahre im Irak aktiv: Die eine ist, durch Traumaarbeit Frieden zu schaffen. Erfahrungen von extremer Gewalt hinterlassen nicht nur körperliche, sondern vor allem auch seelische Wunden. Der Irak ist eine durch Krieg, Gewalt und Bürgerkriege gebeutelte Gesellschaft. Wir möchten Menschen aus helfenden Berufen zu Therapeutinnen, Pädagogen und so weiter ausbilden, damit sie in Traumahilfezentren, Krankenhäusern, in ihren Arbeitsfeldern tätig werden können. Traumaarbeit bedeutet für uns Friedensarbeit, das ist das eine.

Die zweite Säule unserer Arbeit ist Dialogarbeit. Wir sind nicht nur im Irak tätig, sondern auch in Bosnien-Herzegowina und Israel/Palästina. Regionen, wo es zwischen unterschiedlichen ethnischen und religiösen Gemeinschaften eine lange Geschichte von Gewalt und Marginalisierung gibt. Vor allem Jugendliche stehen im Fokus unserer Arbeit. Wir bringen sie in einem sicheren Rahmen zusammen, um in den Dialog zu treten, um mit- und voneinander zu lernen und gemeinsam zu überlegen: Okay, in welcher Gesellschaft möchten wir eigentlich leben und was können wir als Einzelne oder als Gruppen dafür tun, dass es gelingt, damit diese ganze Gewalt, die wir erlebt haben, überwunden werden kann.

Was ist die Jiyan Foundation? Wer steht dahinter und warum arbeitet "Wings of Hope" im Irak mit ihr zusammen?

Atran Youkhana: Die Jiyan Foundation ist die größte Organisation in Sachen Traumaarbeit in Kurdistan-Irak. Sie betreibt mittlerweile zwölf Traumahilfezentren im Land. Ihre Anfänge hat sie in Kirkuk, einer Stadt, wo unter der Regierung von Saddam die Menschen viel Gewalt erlebt haben. Finanziert wird sie durch internationale Geldgeber und private Spenden vorwiegend aus Deutschland und den USA. Für uns war es naheliegend, mit so einem professionellen Partner zu arbeiten. Wir haben dann angefangen, für sie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Psychotraumatologie auszubilden. Dann hatten wir die Idee, unsere Erfahrungen in Sachen Dialogarbeit einzubringen. Der Irak mit seiner großen ethnischen und religiösen Vielfalt ist dafür ja geradezu prädestiniert.

"Die größten Gruppen waren Christen, Muslime und Jesiden."

Aus welchen ethnischen und religiösen Gruppen kamen die 17 Teilnehmerinnen und Teilnehmer?

Atran Youkhana: Wir waren insgesamt sieben Gruppen. Wir hatten Jesiden dabei und Zoroastrier, wir hatten Kaka’i oder Ahl-e Haqq, Christen, Muslime. Es waren Schabak dabei, das sind Muslime, aber aus einer eigenen ethnischen Zugehörigkeit, und als siebte "Gruppe" war eine Person dabei, die sich als Omnist bezeichnet. Das ist eine Denkrichtung, die sagt, wir respektieren und glauben an alle Religionen. Sie glauben, dass die Wahrheit in allen Religionen offenbart wurde. Die größten Gruppen waren aber Christen, Muslime und Jesiden.

Und welche Sprache wird dann gesprochen?

Atran Youkhana: Also, ganz im Sinn der irakischen Verfassung hatten wir zwei "offizielle Sprachen": Arabisch und Kurdisch. Auf Englisch, das auch viele können, haben wir bewusst verzichtet. Untereinander sprechen die Christen dann schon mal Aramäisch oder die Schabak Schabakisch. Mit dem traumapsychologischen Trainer, der bei der Akademie dabei war, habe ich mich immer auf Deutsch unterhalten, weil er ein Kurde aus München ist und ich kein Kurdisch kann.

Die Gruppe der "Friedens- und Dialog-Akademie" im kurdischen Dokan bei der Arbeit
Sitzkreis: Die Gruppe der "Friedens- und Dialog-Akademie" im kurdischen Dokan bei der Arbeit.
Besuch der Gedenkstätte Halabdscha im Nordirak
Die Gruppe beim Besuch der Gedenkstätte Halabdscha im Nordirak.
Die Gruppe der ersten "Friedens- und Dialog-Akademie" im kurdischen Dokan
Mit Vielfalt in eine hoffentlich friedlichere Zukunft für den Irak: die Gruppe der ersten "Friedens- und Dialog-Akademie" im kurdischen Dokan.

"Es war klar, dass es keine einmalige Sache sein sollte."

Wie geben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Erfahrungen aus den Begegnungen dann in ihre Gemeinschaften weiter?

Atran Youkhana: Die Idee ist 2018 entstanden. Schon zum ersten Workshop zum Thema Vergangenheitsbewältigung kamen auf einen Facebook-Aufruf und über Mundpropaganda 30 Leute. Es war klar, dass es keine einmalige Sache sein sollte. Voraussetzung für die Mitarbeit war, die Impulse aus den Workshops und Veranstaltungen dann einzeln oder in Gruppen vor Ort weiterzugeben. So sind regionale Gruppen entstanden. Es gibt eine in Kirkuk, eine in Sulaimaniyya, eine in Dohuk, eine in Zakho, die hauptsächlich aus Armeniern besteht, und so weiter. Im Abstand von höchstens sechs Monaten gibt es Workshops und dazwischen treffen sich die regionalen Gruppen und setzen – inspiriert durch ihre gemeinsamen Erfahrungen – Projekte um. Das können zum Beispiel gegenseitige Besuche der unterschiedlichen Gotteshäuser sein, das können aber auch andere gemeinschaftsbezogene Sachen sein, wie Bäume zu pflanzen oder Parkbänke im öffentlichen Raum aufzustellen.

2020 haben wir mit den Planungen zu einer Sommerakademie begonnen, inspiriert durch die Sommerakademien, die Wings of Hope seit 14 Jahren auf dem oberbayerischen Labenbachhof veranstaltet, und auf denen wir gute Erfahrungen gesammelt haben.

"Ich möchte in einer Gesellschaft leben, in der ich nicht nach meiner Zugehörigkeit zu einer Religion oder Ethnie beurteilt werde, ich möchte als Mensch wahrgenommen und aufgrund meines Handelns bewertet werden."

Was sind das für junge Leute, die in diesem Netzwerk mitmachen?

Atran Youkhana: Raneen, eine nichtmuslimische Teilnehmerin, hat es so auf den Punkt gebracht, was sie alle antreibt: "Ich möchte in einer Gesellschaft leben, in der ich nicht nach meiner Zugehörigkeit zu einer Religion oder Ethnie beurteilt werde, ich möchte als Mensch wahrgenommen und aufgrund meines Handelns bewertet werden." Diese jungen Iraker haben für ihr Alter schon unglaublich viel erlebt. Aber das hat sie nicht in die Resignation geführt, sondern dazu, sich für eine friedliche Gesellschaft einzusetzen.

Unsere zentrale Botschaft ist, dass wir alle Religionen und Gruppen mit dem gleichen Respekt behandeln. Auch der wechselseitige Besuch der Gedenkstätten der anderen Gruppen ist eine Säule. Denn es gibt einfach so gut wie kein Wissen über die jeweiligen Nachbarn.

Jeder Tag hat mit einem interreligiösen Impuls begonnen. Was darf man sich darunter vorstellen?

Atran Youkhana: Es ging darum, dass die Teilnehmer unter acht Stichpunkten wie Gerechtigkeit, Wahrheit, Erinnerung, Frieden und so weiter, Gemeinsamkeiten gesucht haben. Jede Gruppe hat Zitate aus ihren heiligen Schriften oder anderen Quellen zum jeweiligen Thema mitgebracht, vorgelesen, vielleicht auch kommentiert. Diese Impulse wurden nicht diskutiert. Aber es stand dann im Raum, wie viele Gemeinsamkeiten es doch zwischen den Religionen gibt.

In den Pausen und sonst wurde aber durchaus über diese Themen gesprochen. Innerhalb der muslimischen Gemeinschaft beispielsweise gab es spannende Diskussionen. Von den sieben Musliminnen und Muslimen der Gruppe hat eine gesagt, ich bin nicht religiös, einer, er sei Agnostiker, andere waren liberal, manche sehr konservativ.

Was war für dich persönlich der wichtigste Eindruck dieser ersten Irak-Akademie?

Atran Youkhana: Zu Beginn hat sich jede Gruppe kurz vorgestellt: woran sie glauben, was ihr persönlicher Bezug zum Glauben und die Geschichte ihrer Community sind. Ich werde nie den Blick der jungen Jesiden und Kaka’i vergessen, als der Trainer nach ihrer Präsentation sehr wertschätzend von ihrer Religion gesprochen hat. Dieser Stolz, diese Freude, diese Anerkennung von einem Experten erfahren und in einer Runde von anderen, die nicht zu dieser Gemeinschaft gehören, das muss ihnen die Welt bedeutet haben. In einem Land, wo die Anerkennung für nicht-muslimische Gemeinschaften fehlt, ist eine solche Erfahrung allein schon ein großes Geschenk für die Teilnehmer.

Am fünften Tag haben wir Halabdscha besucht. Dort gibt es eine Gedenkstätte, die an den Gasangriff durch die Saddam-Regierung im März 1988 erinnert, bei dem 5000 Menschen starben. Geführt hat uns ein Zeitzeuge, der damals 40 Angehörige verloren hat und zusammen mit einer weiteren Person als Einziger seiner Familie überlebte. Er sagte: Ich mache diese Führungen, damit sich so etwas nie wiederholt. Aber das, was den Jesiden unter dem IS widerfahren ist, zeigt, dass wir nichts aus unserer Geschichte gelernt haben. Dieser Satz hat mich und uns alle seither nicht mehr losgelassen. Der Tag war sehr emotional, es sind viele Tränen geflossen. Aber auf der Heimfahrt wurde dann getanzt und gesungen. Da musste viel Stress und Anspannung raus.

" Ich erkenne die alte Heimat an, aber gleichzeitig sage ich: Okay, an welchem Ort das Herz hängt, ist irgendwie egal."

Deine Eltern haben dich Atran getauft. Das heißt auf Aramäisch (oder Assyrisch) "unser Land" oder "unsere Heimat". Deine Geschwister heißen Hedra – Glanz, Yotrana – Nutzen – und Etota – Existenz. Gewöhnlich geben aramäische Christen ihren Kindern doch biblische Namen, oder? Was bedeutet dir der Name – gerade als Assyrer in Deutschland?

Atran Youkhana: Ich habe eine ambivalente Beziehung zu meinem Namen. Zum einen hat er natürlich emotional einen großen Wert, weil das der eigene Name ist. Zum anderen weiß ich, was er auch emotional für meine Eltern bedeutet hat, als sie mich so taufen ließen, und ihnen immer noch bedeutet. Meine Eltern waren in der Zeit der Akademie ebenfalls im irakischen Kurdistan. Ich habe dort wieder gemerkt, wie beheimatet sie sich fühlen an dem Ort, wo ich getauft wurde. Ihnen bedeutet dieses Land viel mehr als mir. Von daher gibt es natürlich dieses Wertschätzende, Anerkennende der emotionalen Verbundenheit der Eltern zu diesem Namen, zu diesem Ort. Ihre Liebe zur Heimat, die sie so leben und atmen, das erkenne ich immer wieder an.

Andererseits würde ich mich selbst als Menschen bezeichnen, der wirklich wenig von Landesgrenzen hält. Das bedeutet einen gewissen Widerspruch zu einem bestimmten Ort. Ich habe viel mehr Zeit meines Lebens in einem anderen Land gelebt, hier in Deutschland, wo ich meine Heimat habe. Ich erkenne die alte Heimat an, aber gleichzeitig sage ich: Okay, an welchem Ort das Herz hängt, ist irgendwie egal. Während mein Vater sagen würde: Nein, das Herz muss am Ende hier sein – im Irak.

 

Spendenhinweis

Stiftung Wings of Hope Deutschland
Evangelische Bank eG
IBAN: DE27 5206 0410 0003 4036 37
BIC: GENODEF1EK1

www.wings-of-hope.de

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