7.02.2018
Revolution

Der vor 90 Jahren geborene Ernesto »Che« Guevara starb jung - und wurde zur Ikone der Rebellion.
Das Porträt des kubanischen Fotografen Alberto Korda, mit dem Ernesto »Che« Guevara zur Ikone der Revolutionsromantik wurde (März 1960 bei einer Trauerfeier in Havanna).
Das Porträt, mit dem »El Che« zur Ikone der Revolutionsromantik wurde: Der kubanische Fotograf Alberto Korda (eigenetlich Alberto Díaz Gutiérrez, 1928-2001) machte das Bild am 5. März 1960 bei einer Trauerfeier auf der Friedhof Cristóbal Colón in Havanna.

Vor 90 Jahren wurde Ernesto "Che" Guevara geboren. Der argentinische Bürgerssohn wurde als kubanischer Revolutionär zur Legende. Als Ikone der Rebellion ist er auf Fanartikeln bis heute lebendig - ein ewig junges Symbol der Revolution und der Freiheit.

"Heiligenverehrung" auf kubanische Art: Che Guevara gilt auf der Karibikinsel als Verkörperung revolutionärer Tugenden - Selbstlosigkeit, Menschlichkeit, solidarisches, internationales Denken, Aufrichtigkeit, Disziplin. Auch im Kapitalismus haben "Che-Fanartikel" auf T-Shirts und Tassen bei Jugendlichen Konjunktur.

Die rote Fahne mit dem Che-Guevara-Porträt ist 150 mal 90 cm groß, aus Polyester, bei 30 Grad in der Maschine waschbar, laut Hersteller "wind-, wetter- und lichtfest und weht aufgrund des verwendeten Materials bereits bei leichter Brise". Zu kaufen für 12,90 Euro. Der Mythos um Ernesto Guevara de la Serna, Held der kubanischen Revolution und Ikone der 68er, ist praktisch und preiswert geworden, sein Konterfei ein Abziehbild. Revolution war vorgestern.

 

Nachdem am 4. März 1960 der mit Waffen und Munition beladene belgische Frachter »La Coubre« im Hafen Havannas explodierte, fand am Tag darauf unter der Anteilnahme von 150.000 Leuten, darunter Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre, ein Trauerzug durch Kubas Hauptstadt zum Friedhof Cristóbal Colón statt. Dort machte der Fotograf Alberto Korda das Bild, das zur Ikone der 68er-Revolutionsromantik wurde.
Nachdem am 4. März 1960 der mit Waffen und Munition beladene belgische Frachter »La Coubre« im Hafen Havannas explodierte, fand am Tag darauf unter der Anteilnahme von 150.000 Leuten, darunter Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre, ein Trauerzug durch Kubas Hauptstadt zum Friedhof Cristóbal Colón statt. Dort machte der Fotograf Alberto Korda das Bild, das zur Ikone der 68er-Revolutionsromantik wurde.
Kontaktabzug der Fotoserie von Alberto Korda mit dem berühmten Bild von Che Guevara als »Guerrillero Heroico« (vorletzte Reihe Mitte). Das Foto entstand am 5. März 1960 auf dem Friedhof Cristóbal Colón in Havana bei einer Trauerfeier.
Kontaktabzug der Fotoserie von Alberto Korda mit dem berühmten Bild von Che Guevara als »Guerrillero Heroico« (vorletzte Reihe Mitte). Das Foto entstand am 5. März 1960 auf dem Friedhof Cristóbal Colón in Havana bei einer Trauerfeier. In der zweiten Reihe sind Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir zu sehen.
Das Porträt des kubanischen Fotografen Alberto Korda, mit dem Ernesto »Che« Guevara zur Ikone der Revolutionsromantik wurde (März 1960 bei einer Trauerfeier in Havanna).
Das Porträt, mit dem »El Che« zur Ikone der Revolutionsromantik wurde: Der kubanische Fotograf Alberto Korda (eigenetlich Alberto Díaz Gutiérrez, 1928-2001) machte das Bild am 5. März 1960 bei einer Trauerfeier auf der Friedhof Cristóbal Colón in Havanna.
Die Leiche von Ernesto Che Guevara wurde in Bolivien öffentlich zur Schau gestellt. Das Foto machte ein verdeckter Mitarbeiter des US-Geheimdienstes CIA am 10. Oktober 1967, einen Tag nach Guevaras Tod.
Die Leiche von Ernesto Che Guevara wurde in Bolivien öffentlich zur Schau gestellt. Das Foto machte ein verdeckter Mitarbeiter des US-Geheimdienstes CIA am 10. Oktober 1967, einen Tag nach Guevaras Tod.

 

Am 14. Juni wäre Ernesto "Che" Guevara 90 Jahre alt geworden. Geboren 1928 im argentinischen Rosario, lernte der junge Arzt mit 27 Jahren in Mexiko-Stadt Fidel Castro kennen und schloss sich dem kubanischen Widerstand an. "Ich werde für das Volk kämpfen und weiß, dass ich die Barrikaden und Schützengräben mit dem Geheul eines Besessenen stürmen, meine Waffen in Blut tauchen und rasend vor Wut jedem Besiegten den Hals durchschneiden werde", schrieb er damals. Diesen Kampfesmut gibt es heute zum Überstreifen: Zwischen zwölf und 25 Euro kosten die Che-T-Shirts, es gibt sie auch in Kindergrößen und in der Girlie-Version.

Viele Todesurteile verhängt

Ab 1959 wurde Che Guevara Teil der kubanischen Nomenklatur. Als wichtiges Mitglied der Revolutionsgerichte verhängte er Todesurteile gegen Anhänger des gestürzten Diktators Fulgencio Batista, als Industrieminister und Notenbankchef verstaatlichte er die in Kuba tätigen US-Konzerne und führte die Wirtschaft Kubas an den Rand des Zusammenbruchs - Geldbörsen mit seinem Porträt, wahlweise vor rotem Stern, sind heute für 19,90 Euro zu haben, ein Geldclip kommt etwas günstiger.

In Bolivien führte der Guerillero ab 1966 eine Widerstandsgruppe von knapp fünfzig Kämpfern an. Aber anders als erhofft schlossen sich ihnen die verarmten Bauern nicht an. Am 8. Oktober 1967 wurde Che Guevara bei einem Gefecht mit den Regierungstruppen bei La Higuera gefangen genommen und am Mittag des folgenden Tages erschossen. Dem Mythos des Revolutionärs sollte mit einer brutalen Schändung seiner Leiche entgegengewirkt werden. Das Gegenteil war der Fall: "Er sah aus wie ein Christus", erinnert sich die Ordensschwester Antonia Maria Freude.

"Wir werden sein wie Che!"

Auf Kuba avancierte er zum Helden der Revolution: "Wir werden sein wie Che" singen kubanische Schulkinder bis heute. In Europa wurde der revolutionäre Guerillakämpfer zur Symbolfigur des 68er-Widerstandes. Kaum eine Wohngemeinschaft kam ohne Che-Poster aus. Als Vorlage dient bis heute meist ein Foto, das Alberto Korda im März 1960 aufnahm: Der bärtige Che, den Blick in die Ferne gerichtet - Ikone der Revolutionsromantik.

Die 68er, die Che Guevara verehrten, wurden inzwischen erwachsen, einige fanden eine kritische Position zu dem einstigen Idol. Der Historiker Gerd Koenen (geboren 1944) schrieb in einem Essay: "Die phantastischen Weltbrandstiftungsszenarien eines Che Guevara, die noch aus der 'atomaren Asche' den Neuen Menschen entstehen sahen, können sich mit der Dschihadistenlyrik eines Bin Laden ohne weiteres vergleichen." Aber was schert das seine Fans. Sie kaufen Anhänger fürs Handy mit seinem Konterfei, Streichholzschachteln, Krawatten, Kaffeetassen.

"Ich verkaufe, was immer die Leute kaufen möchten", antwortet der Inhaber der Flamingo-Boutique in Union City, New Jersey, auf Kritik von Exilkubanern.

Identifikation mit dem Rebellen

"Die Produkte werden stark nachgefragt, weil sich die Jugendlichen sehr stark mit dem 'Rebellen' identifizieren", weiß Murat Kaleciklioglu vom deutschen Internet-Anbieter happyfans.de. Che Guevara strahle "Unabhängigkeit" aus. "Er hat für das gekämpft, woran er geglaubt hat", sagt Jana Fuchs. Eine rosa Tasche mit Che-Guevara-Bildnis hängt über der Schulter der 19-jährigen Abiturientin. "An dem kann er sich ruhig ein Beispiel nehmen", meint Manuela Oppitz, 28, die für ihren dreijährigen Sohn Jasper ein Che-Guevara-Shirt gekauft hat. Weitergehende Fragen führen ins Leere. Die Vergangenheit verschwindet hinter einem Mythos. Che Guevara stillt noch immer eine Sehnsucht.

 

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