Der 17-jährige Felipe lebt in Brasilien, liebt Bücher und Serien – und seinen Nachbarn Caio. Felipe ist dick, schwul und wird in der Schule gemobbt.

Als seine Mutter ihm eröffnet, dass Caio für fünfzehn Tage bei ihnen wohnen wird, gerät seine Welt ins Wanken. Was als Ferien beginnt, wird zu einer emotionalen Reise zwischen Unsicherheit, Nähe, Scham, Mut und der zarten Hoffnung auf Erwiderung.

Heraus aus der Komfortzone

Dabei wird Felipe, der sich am liebsten in seine Bücher zurückzieht, durch Caio aus seiner Komfortzone gerissen.

"Ich stehe im Wohnzimmer und hoffe darauf, dass ein Meteorit einschlägt und mich vor dieser peinlichen Situation bewahrt – oder dass sich unter meinen Füßen ein schwarzes Loch auftut und mich verschluckt. Ich bin da nicht wählerisch."

Anfangs ist er überfordert von der Nähe seines Schwarms, doch langsam entwickelt sich eine vorsichtige Freundschaft. Caio begegnet Felipe mit Respekt und Wärme – etwas, das Felipe nicht gewohnt ist. Die beiden tauschen sich über Ängste, Träume und ihre Vergangenheit aus. Am Ende gesteht Felipe seine Gefühle – und Caio erwidert sie. Es ist kein dramatisches Happy End, sondern ein leiser, ehrlicher Moment der Hoffnung: Zwei Jungen, die sich gefunden haben.

Zugänglicher Stil, nie banal

Seinen Debutroman schreibt der in Sao Paulo lebende Autor Vitor Martins in der Ich-Perspektive mit einem Ton, der jugendlich, reflektiert und vor allem humorvoll ist. Felipe spricht uns Leser:innen direkt an und schafft dadurch Nähe. Der Stil ist zugänglich, aber nie banal – Martins gelingt es, komplexen Themen wie Body Positivity, Mobbing und queere Identität Leichtigkeit und Tiefe gleichzeitig zu geben. Besonders stark ist die Darstellung der inneren Monologe: Felipe ist verletzlich, wütend, witzig – und immer authentisch.

"Ich beiße mir auf die Lippe. Schließe die Augen. Und küsse Caio. Er küsst zurück, und ich versuche das richtige Verhältnis von Zunge und Spucke zu finden. Es ist kein perfekter Kuss, nicht wie die, die man in Filmen sieht (…). Aber ich hätte nie gedacht, dass Küssen sich so anfühlt. Schön und ein bisschen glitschig."

"Fünfzehn Tage sind für immer" erinnert an die Netflix-Serie "Heartstopper". Beide erzählen eine queere Coming-of-Age-Geschichte mit viel Herz, in der der Körper eine besondere Rolle, oft ein Hindernis, darstellt. Dabei ist "15 Tage sind für immer" introspektiver, prägnanter. Beide eint die Normalisierung queerer Liebe und das Überwinden von Klischees.

Der Roman macht Jugendlichen (und Erwachsenen) Mut, sich selbst zu lieben und mutig zu sein. Nicht nur queeren, sondern allen.

Vitor Martins (2022): Fünfzehn Tage sind für immer, One Verlag, Bastei Lübbe, 280 Seiten, 12,99 Euro.

Hier im sozialen Buchhandel Buch7 bestellen