5.02.2019
Literatur

"Gottschalk liest?": Über Thomas Gottschalks Literatursendung im BR

Mit einer eigenen Literatursendung im Bayerischen Fernsehen möchte Thomas Gottschalk die Menschen zum Lesen bringen. Und das, obwohl er sich nie als Mann der Kultur gesehen hat.
Anke Mai, Dr. Reinhard Scolik undThomas Gottschalk
Anke Mai, Leiterin des BR-Programmbereichs Kultur, BR-Fernsehdirektor Dr. Reinhard Scolik undThomas Gottschalk bei der Vorstellung der neuen Literatursendung

Was hat er wohl an? Diese Frage stellen sich wohl viele der Reporter tatsächlich als Erstes, als sie am Montagmorgen in der Bibliothek des Literaturhauses München auf den berühmten ehemaligen "Wetten, dass...?"-Moderator Thomas Gottschalk warten. Als der Entertainer, mit dem viele etliche Samstagabende verbracht haben, dann auftaucht, sind einige Gäste der Pressekonferenz fast schon enttäuscht: Die grauen Stiefeletten mit Reißverschluss glänzen zwar, die braune Hose ist aus Leder, aber mit dem grünen Pullunder und dem grauen Jackett wirkt er erstaunlich gedeckt und unauffällig.

Ein Unterhalter will also übers Lesen sprechen. Thomas Gottschalk möchte die Erinnerungen an den großen Samstagabend-Moderator, die viele immer noch haben, nutzen, um Menschen zum Lesen zu animieren. Gemeinsam mit dem Fernsehdirektor des Bayerischen Rundfunks (BR), Reinhard Scolik, und Anke Mai, Leiterin des BR-Progammbereichs Kultur, ist er nach München gekommen, um seine neue Literatursendung vorzustellen. "Das Lesen kommt immer mehr jungen Leuten abhanden. Ich möchte Büchern wieder mehr Gehör verschaffen", sagt Gottschalk. Und:

"Mit Speck fängt man Mäuse."

Wenn jemand erst mal nur einschalte um zu sehen, welche Jacke er gerade trage, sei das auch in Ordnung.

"Gottschalk liest?" soll viermal im Jahr aus verschiedenen bayerischen Regionen ausgestrahlt werden. In der Sendung will er vor Publikum mit Gästen über deren Neuerscheinungen und andere Kulturthemen sprechen. Die erste Ausgabe kommt am Dienstag, dem 19. März, um 22 Uhr aus Augsburg. "Das Fragezeichen im Sendungstitel ist bewusst gewählt - es soll für Irritation sorgen", sagt Gottschalk. Er befinde sich in einer Phase seiner Karriere, in der er nichts mehr zu verlieren habe, stellt er klar. Er gehe aber schon ehrgeizig an die Sache heran. "Ich habe den Anspruch, dass möglichst viele Leute die Sendung sehen. Es wäre für mich ein Erfolg, wenn jemand nach der Sendung ein Buch liest und sagt, das hätte ich sonst nicht gelesen."

Wie ein Wasserfall redet er und man hat das Gefühl, das Zugpferd funktioniert noch - immer wieder lacht das Publikum. "Ich sehe mich immer noch als Unterhalter und habe auch nicht vor, jemand anderer zu werden." Natürlich muss trotzdem auf die Ur-Literatursendung - das Literarische Quartett - verwiesen werden. In Anspielung auf Marcel Reich-Ranicki stellt Gottschalk, der selbst Germanistik studiert hat, klar: "Ich bin kein Literaturpapst, höchstens ein Literaturkaplan". Er habe auch nicht vor, Bücher zu zerreißen. "Wenn ich etwas nicht verstanden habe, werde ich das aber schon sagen."

Redaktionell sind noch einige Dinge offen, etwa, ob die Gäste alle gleichzeitig im Studio sein werden oder erst nacheinander eintreffen und wie viel über die Bücher der Gäste und wie viel über andere Kulturthemen gesprochen wird. "Bitte überfordert mich nicht mit der Gästeliste", bittet Gottschalk die für die Sendung verantwortlichen Scolik und Mai. "Ich gehe aber davon aus, dass ich Leute treffen werde, die ich sonst nicht getroffen hätte." Sarah Kuttner, Martin Mosebach, Ferdinand von Schirach und Vea Kaiser sind die Gäste der ersten Sendung. Bleibt nur noch die Frage, ob Gottschalk sie auch mal zu Wort kommen lassen wird.

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