Alle Jahre wieder stellt sich die Frage, wie man Familie und Freunden zu Weihnachten eine Freude machen kann. Mit welchen Geschenken man zusätzlich noch die Umwelt schont, weiß Frauke Steglich vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel. Im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst verrät sie, was sie verschenkt und wie man sich im Dschungel der Gütesiegel zurechtfindet.

Frau Steglich, achten die Deutschen beim Weihnachtseinkauf auf Nachhaltigkeit?

Frauke Steglich: Nachhaltiger Konsum ist auf jeden Fall ein Trend. Befragungen des Konsumverhaltens in Deutschland zeigen, dass die Nachfrage nach Produkten aus fairem Handel zwar nach wie vor relativ gering ist, aber stetig zunimmt. Der Anteil derer, die beim Einkaufen darauf achten, dass Produkte aus fairem Handel stammen, lag im Jahr 2020 bei ungefähr 22 Prozent. 2012 lag dieser Wert noch bei 17 Prozent. Das spiegelt sich zum Teil sicher auch beim Geschenkekauf wider.

Woran liegt das?

Steglich: Globale Entwicklungen wie die Corona-Pandemie oder der Klimawandel verstärken diesen Trend. In der Öffentlichkeit wurde in den letzten Jahren viel über Lieferengpässe, internationale Verflechtung durch Lieferketten und die ökologischen und sozialen Auswirkungen von globaler Produktion diskutiert. Das spiegelt sich zumindest bei Teilen der Bevölkerung schon in verändertem Kaufverhalten wider. Durch die Corona-Pandemie denken Verbraucherinnen und Verbraucher vermehrt über ihr Konsumverhalten nach und greifen öfter zu nachhaltigen Produkten. Eine Umfrage zeigt, dass etwa 27 Prozent der Befragten bereit sind, mehr für nachhaltige Produkte zu bezahlen als vor Corona.

"Durch die Corona-Pandemie denken Verbraucherinnen und Verbraucher vermehrt über ihr Konsumverhalten nach und greifen öfter zu nachhaltigen Produkten."

Auf welche Gütesiegel sollte man beim Kaufen achten?

Steglich: Bei Lebensmitteln kann man darauf achten, saisonal Produkte aus der Region einzukaufen. Natürlich geht das nicht immer. Wir hätten keine derartige Produktvielfalt, wenn wir alles in Deutschland herstellen würden. Bei komplexeren Artikeln, für deren Herstellung viele Produktionsschritte in verschiedenen Ländern nötig sind, ist es nicht immer einfach, die Nachhaltigkeit des Produkts zu beurteilen. Gütesiegel können helfen. Bei Kleidung etwa zeigt das relativ neue staatliche Textilsiegel "Grüner Knopf" eine umweltschonende Produktion an. Wer bei der Vielzahl an Siegeln den Überblick verliert, kann sich auf Plattformen wie www.siegelklarheit.de informieren.

Welche nachhaltigen Produkte eignen sich gut zum Verschenken?

Steglich: Fairtrade-Lebensmittel wie Kaffee oder Schokolade eignen sich gut. Ich versuche auch darauf zu achten, Produkte mit möglichst wenig Verpackung zu bekommen. Ich bevorzuge außerdem Produkte, die reparierbar sind. Wer ein Handy verschenken möchte, könnte ein nachhaltiges Smartphone in Erwägung ziehen, bei dessen Herstellung auf eine faire Produktion und auf Langlebigkeit geachtet wird. Einige Hersteller liefern passendes Werkzeug mit, nehmen defekte Teile zurück und schicken neue, die man dann selbst einbauen kann. Funktioniert gut, ich habe mir selbst vor ein paar Jahren ein Fairphone gekauft.

Wurden Sie schon einmal originell nachhaltig beschenkt?

Steglich: Ja, ich habe letztes Jahr eine Tierpatenschaft geschenkt bekommen. Das heißt, dass meine Familie in meinem Namen eine Spende an eine Umwelt- und Tierschutzorganisation entrichtet.

Was verschenken Sie in diesem Jahr?

Steglich: Auf meiner Liste stehen Bücher und Abonnements für Gemüse oder Gewürze aus ökologischer Landwirtschaft über eine Crowdfarming-Plattform. Bei der Geschenkverpackung versuche ich altes Geschenkpapier möglichst wiederzuverwenden und Papier zu nutzen, das recycelt werden kann.