Der leidenschaftliche Biertrinker und Genießer beschrieb seine Mitbürger mit beißendem Spott oder mit liebevoller Ironie. Er war ein kreativer Wortschöpfer: Wörter wie der Fallschirm oder der Geburtshelfer gehen auf ihn zurück.
Literarisch steht er zwischen der Klassik und der Romantik. "Er ist nicht leicht zu lesen", räumt Christian Kreipe ein. Der ehemalige Geschäftsführer des Naturparks Fichtelgebirge kümmert sich um den 2012 vollendeten Jean-Paul-Wanderweg zwischen Joditz (Landkreis Hof) und dem Felsengarten Sanspareil im Landkreis Kulmbach.
Jean Paul und die Natur
Er verbindet damit die Lebensstationen des Dichters, der als Johann Paul Richter, Sohn des Pfarrers in Wunsiedel geboren wurde. Als er zwei Jahre alt war, zog die Familie nach Joditz, wo der Vater eine - besser bezahlte - Pfarrstelle übernahm. Jean Paul bezeichnete das Dörflein später als "die eigentliche Geburtsstadt, und zwar die geistige". Jean Paul liebte die Natur - schließlich benannte er sich nach dem französischen Naturphilosophen Jean Paul Rousseau - und er war ein leidenschaftlicher Wanderer.
"Er ging oft von Hof nach Bayreuth an einem Tag", berichtet Kreipe. 50 Kilometer habe er in rund 12 Stunden Wanderung zurückgelegt und anschließend noch die dabei gefassten Ideen zu Papier gebracht: "Ich kann mich nicht erinnern, dass ein einziger Gedanke in der Stube gefasst wurde, sondern immer im Freien", wird der Dichter oft zitiert.
Auf den großen Text-Stationen auf dem fast 200 Kilometer langen Jean-Paul-Wanderweg kann der Wanderer oder die Wanderin solche Sätze nachlesen. Weil es von ihnen 160 gibt, sollte man sich einzelne Etappen herauspicken, um Zeit zum Lesen zu haben. Selbst Kreipe sagt, der gesamte Jean-Paul-Weg sei kein Muss und mancher Höhenweg sei sicher spektakulärer. Aber vielleicht erlebt der Besucher ja auf ihm das "seltsam-ruhige Gefühl bei dem bloßen Spaziergehen auf einer Landstraße, wenn man die Reisenden in hastigem Fortfahren darauf sieht" - wie es die Station 51 "Beim Gehen" Jean Paul sagen lässt. Sie liegt rund zwei Kilometer südlich von Röslau (Landkreis Wunsiedel).
In und um Bayreuth
"Wo ich geboren bin" ist Station 58 mit einem Ausblick auf Wunsiedel überschrieben. "Ich bin gern in dir geboren, du klein, aber gute lichte Stadt", so Jean Paul, der damit auf eine aufgeklärte Bürgerschaft anspielte. Noch zwei Wegbiegungen auf der Asphaltstraße sind es noch hoch zur Katharinenburg oberhalb Wunsiedels, in einem für das ehemalige Markgrafentum Bayreuth typischen "Bürgerpark" gelegen.
Weil an dieser Stelle beim Durchqueren des Parks nicht ganz klar ist, wo der Jean-Paul-Weg weiterführt, kommt ein freundlicher Herr, der sich vor dem Naturlehrpfad-Haus gerade eine Zigarettenpause gönnt, gerade recht. Nach dem Jean-Paul-Weg habe ihn noch nie jemand gefragt, stellt er verwundert fest, "aber den können Sie heute auch nicht mehr schaffen", sagt er mit Blick auf die noch ausstehenden über 100 Kilometer und des herrschenden Sprühregens an diesem Tag im Fichtelgebirge.
An einem nächsten sonnigeren Tag könnte man sich die 20 Stationen des Jean-Paul-Wegs in und um Bayreuth vornehmen, wo der Dichter von 1804 bis zu seinem Tod lebte. Die großen Stationstafeln sind gespickt mit pointierten Kostproben aus dem unendlichen Schatz Jean Paul’scher Aphorismen, aber auch mit Details über das Leben des originellen Geists.
Oder man begibt sich an den Anfang des Wegs nach Joditz, wo der verstorbene Eberhard Schmidt und seine Frau Karin das Jean-Paul-Museum gegründet haben. Schmidt war auch Initiator des "Jean-Paul-Wegs", dessen Entstehung mit den Feiern zum 175. Todestags Jean Pauls zusammenhängt. Im Jahr 2025 ist am 14. November Jean Pauls 200. Todestag - wieder ein Anlass, des Schriftstellers zu gedenken und ihm und seiner Dichtung ausführlich auf einem Wanderweg zu begegnen.