30.08.2020
Kulturfestival Böhmerwiese

Kabarett und Musik mitten in Bamberg

Wenn die Glocken der nahen St. Otto-Kirche leise verklingen, geht es in diesen Tagen auf der Wiese der Bamberger Gärnerei los – das Kulturfestival, mit dem sich der hiesige Veranstaltungsservice Bamberg und eine Reihe regionaler Künstler frei schwimmen von einer bleiernen Zeit der Leere, in der keine Veranstaltungen stattfinden konnten. Kabarettist Wolfgang Krebs hatte daher am Freitag bei seinem Auftritt nicht nur Lachsalven, sondern auch leise und kritische Töne im Gepäck.
Böhmerwiese Bamberg
Wolfgang Krebs zeigte beim Kulturfestival auf der Böhmerwiese Bamberg sein Verwandlungstalent nicht nur bei den Klamotten, sondern auch sprachlich und thematisch.

Eigentlich hätten Gaby Heyder und ihr seit über dreißig Jahren im gesamten nordbayerischen Raum und über die Grenzen Thüringens hinaus in der Konzertorganisation aktives Team in diesem Sommer die gewohnten Spielstätten wie Schloss Eyrichshof, Schlossplatz Coburg oder auch die Seebühne in Bad Staffelstein bespielt.

Allerdings verboten die aktuellen behördlichen Verordnungen jegliche Durchführung der Veranstaltungen aufgrund der zu erwartenden hohen Besucherzahlen. "Seit Mitte März hat unsere Firma keinerlei Konzerte mehr durchführen können", sagt die Geschäftsführerin im Bereich Booking. Die Böhmerwiese sei nach einigen Streamingkonzerten ohne Publikum aus dem Kulturboden ein weiterer Versuch, ein "Lebenszeichen" zu senden und im Rahmen der Auflagen zumindest etwas Kultur und Unterhaltung wieder anzubieten.

Noch bis 6. September

Und die von Gewächshäusern und den Geschäftsräumen begrenzte Wiese erweist sich in diesem Spätsommer als Überraschungslocation. Bis zum 6. September findet hier täglich Kabarett mit Künstlern wie Bodo Wartke, Bembers oder Sebastian Reich statt, dazu gibt’s Musik von Willy Astor bis Viva Voce.

400 Plätze stehen bereit, allesamt mit dem nötigen Abstand, Platz nehmen darf nur, wer sich vorher auf einer Liste eingetragen hat – schließlich muss die Kontaktkette im Falle einer Corona-Infektion nachgewiesen werden. Das Hygienekonzept, das sich der Veranstaltungsservice Bamberg ausgedacht hat, ist stimmig, die ganze Veranstaltungsreihe aber wirtschaftlich mit heißer Nadel gestrickt.

"Kostendeckend ist das Ganze nur durch die großzügige Unterstützung von Sponsoren und die faire Preisgestaltung der Lieferanten von Bühne, Technik oder Material, die auch froh sind, wenigstens etwas wieder tun zu können", meint Gaby Heyder. Es sei einfacher als gedacht gewesen, all diese Menschen für neue Events unter anderen Voraussetzungen als üblich zusammen zu trommeln, da alle im "gleichen Boot" sitzen.

Die Freude darüber, wieder auftreten zu können, merkt man auch Wolfgang Krebs bei seinem Auftritt an – und er betont auch mehrfach, wie arg gebeutelt die Kultur- und Veranstaltungsbranche in dieser Corona-Krise ist, in der ganze Berufszweige sich plötzlich mit einem faktischen Arbeitsverbot konfrontiert sehen.

Krebs schlüpft dabei nahezu mühelos in verschiedenste Rollen: Seinen "Klassiker" Edmund Stoiber nimmt er dabei mit irrwitzigen Versprechern noch aufs Korn, auch Innenminister Horst Seehofer wird eher noch durch Überzeichnen dessen charakteristischen Lachens karikiert.

Aiwanger und Söder kritisch

Bei Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger und am deutlichsten beim bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder wird´s dann schon politischer, und Krebs scheint seine Figuren Dinge sagen zu lassen, die er gerade in Corona-Zeiten gerne mal aus dem Mund des realen Vorbilds hören will: Beispielweise, dass SPD-Politiker und Mediziner Karl Lauterbach derzeit in nahezu jeder Talkshow Angst und schlechte Stimmung verbreitet.

Oder, dass sich CDU-Digitalministerin Dorothee Bär vielleicht weniger um Projekte wie Flugtaxis statt um die Digitalisierung der Schulen kümmern sollte. Bei solchen Spitzen kommt aus dem Comedian, der anfangs noch die Böhmerwiese als einen "Hotspot des Lachens" ausgerufen hatte, plötzlich der mit scharfen Worten gewandte Kabarettist heraus.

Und das kommt wenigstens ebenso gut an wie die leichteren Schenkelklopfer. Krebs beweist dabei, dass er nicht nur rein äußerlich ein geschickter Verkleidungskünstler ist.

Unsichere Zukunft

Noch weiß freilich keiner, wie sich Corona und der politisch-gesellschaftliche Umgang mit dem Virus weiter entwickelt. "Die größte Herausforderung für uns ist, dass wir von politischer Seite keine mittel- oder langfristigen Ansagen bekommen", blickt Gaby Heyder in die Zukunft. Allein der Veranstaltungsservice Bamberg habe bis Weihnachten weitere 70 Veranstaltungen im Verkauf. Man wisse noch nicht final und gesetzlich vorgegeben, welche vielleicht stattfinden können.

"Da sich diese Unsicherheit auch bei den Kartenkäufern widerspiegelt, gehen wir inzwischen davon aus, dass es keinerlei Kultur in diesem Jahr noch geben wird. Insofern fällt auch eine weitere Planung und Buchung von Konzerten für das nächste Jahr immer schwerer. Zu hoffen ist, dass wenigstens die ganzen verlegten Termine in 2021 dann stattfinden können", erklärt sie.

Böhmerwiese Bamberg
Die Wiese der Bamberger Gärtnerei erweist sich als toller Veranstaltungsort.
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Kommentar

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