In Deutschland stehen rund 40.000 Kirchen der katholischen und evangelischen Gemeinden. Ein Drittel davon wird in den nächsten Jahren aufgegeben – weil die Zahl der Gläubigen sinkt, die Unterhaltskosten steigen oder die Kirchen sich aus manchen Regionen zurückziehen.

Doch was passiert mit den Gebäuden? Viele Kirchen verschwanden in den letzten Jahren still: Sie wurden entweiht, umgenutzt, verkauft oder abgerissen. Inzwischen regt sich Widerstand. Vor einem Jahr gründete sich eine Initiative aus Theologen, Kunsthistorikern und Denkmalpflegern, die ein "Kirchenmanifest" verfasste. Über 22.000 Menschen haben die Petition bereits unterzeichnet. Das Manifest fordert, neue Nutzungsformen für Kirchen zu entwickeln. Im Interview erklärt Karin Berkemann die Ziele der Initiative.

Kirchen sind mehr als Orte des Gottesdienstes. Sie prägen das Stadtbild, stiften Identität und schaffen Raum für Begegnung, so das Manifest. Doch wie lassen sich diese Gebäude erhalten und sinnvoll umgestalten? Antworten liefert die Ausstellung "Ressource, Research, Reset – Architektonische Transformation sakraler Räume" im DG Kunstraum Diskurs Gegenwart in München, die bis zum 5. Juni läuft.

Das Kirchenmanifest erklärt Karin Berkemann

Das Kirchenmanifest will das Thema Umnutzung von Kirchen in die öffentliche Debatte einbringen. Karin Berkemann erklärt, wie das aussehen soll.

Umnutzung von Kirchen - wie kann das gehen?

Studierende der Technischen Universität München haben unter der Leitung von Architekturprofessorin Uta Graff zwei Münchner Kirchen untersucht und kreative Entwürfe entwickelt. "Die Modelle zeigen, wie viel Potenzial in diesen Räumen steckt. Kirchen sind gebaute Ressourcen – architektonisch, kulturell, städtebaulich. Sie gehören zu unserer Geschichte und Identität", erklärt Graff bei einer Führung. Die Ausstellung mache deutlich, dass Transformation kein Verlust sei, sondern eine Chance für einen Neuanfang.

Die Studierenden beschäftigten sich mit der evangelischen Kirche St. Johannes in Ingolstadt, einem lichten Bau von Theo Steinhauser aus dem Jahr 1964, und dem katholischen Kirchenzentrum St. Mauritius in München-Moosach, einem massiven Betonbau von Herbert Groethuysen aus dem Jahr 1967. Beide Gebäude stehen vor Herausforderungen: St. Johannes könnte bald seine Funktion als Sakralbau verlieren, und bei St. Mauritius wurden Heizung und Strom bereits abgestellt, da das Gebäude dringend saniert werden müsste.

Entwürfe für die Umnutzung von Kirchen

Die Entwürfe der Studierenden überraschen durch Vielfalt: Sie reichen von einem Schutzhaus für Frauen über ein Café mit Bäckerei bis hin zu einer Schule für Akrobatik, einem Meditationsraum oder einer Wasseraufbereitungsanlage. Graff betont, wie respektvoll die Studierenden mit den sakralen Räumen umgingen. Fast alle versuchten, zentrale Elemente wie den Altar oder den Taufstein zu bewahren oder sinnvoll einzubinden. "Niemand wollte die Kirchen rein wirtschaftlich nutzen. Alle suchten nach Konzepten, die der Gesellschaft zugutekommen", sagt Graff.

Die Ausstellung im DG Kunstraum Diskurs Gegenwart inspiriert und regt dazu an, Kirchen neu zu denken. Sie ist mehr als eine Sammlung studentischer Ideen – sie plädiert für einen kreativen Umgang mit dem baulichen Erbe. Sie zeigt, wie Kirchen als Ressource für die Gesellschaft dienen können: als Wohnraum, Orte der Gemeinschaft, Zuflucht oder Kreativität. Architektin Graff bringt es auf den Punkt: "Wir brauchen neue Ideen und den Mut, sie umzusetzen. Nur so bleiben diese besonderen Orte lebendig. "

Umnutzung von Kirchen: Kirche als Akrobatik-Schule
Umnutzung von Kirchen: Kirche als Akrobatik-Schule. Modell in der DG Kunstgalerie München.
Umnutzung von Kirchen: Wasseraufbereitungsanlage
Umnutzung von Kirchen: Wasseraufbereitungsanlage. Modelle in der DG Kunstgalerie München.

Ausstellung in der DG Kunstgalerie

Ausstellung: Ressource, Research, Reset 
11. April bis 5. Juni 2025

Finissage mit Performance:  Donnerstag, 5. Juni 2025, 19 Uhr
Die Performance von Jin Lee (Tanz) und Alexander Gerner (Saxophon) spielt mit Bewegung und Klang im Raum und interpretiert den Ausstellungstitel ‚Ressource, Research, Reset‘.

DG Kunstraum Diskurs Gegenwart
Deutsche Gesellschaft
für christliche Kunst e.V.
Finkenstraße 4  80333 München

Öffnungszeiten
Dienstag bis Freitag, 12 bis 18 Uhr
Eintritt frei