Die 2024 gegründete Formation um Adrian Belew, Steve Vai, Tony Levin und Danny Carey widmet sich den legendären 80er-Jahre-Alben von King Crimson – "Discipline", "Beat" und "Three of a Perfect Pair". Belew und Levin waren damals Mitglieder der legendären Progressive-Rockband, als besagte Alben eingespielt wurden. Die Band kommt nun erstmals nach Europa. Im folgenden Interview spricht Adrian Belew über die Zusammenarbeit mit seinen Mitmusikern, die Herausforderung dieser komplexen Musik – und darüber, warum Beat weit mehr ist als nur eine Tribute-Band.
Sie haben die Originale dieser Musik bereits mit King Crimson gespielt. Wie ist es für Sie, diese Stücke jetzt mit Steve Vai zu spielen, der stilistisch ganz anders ist als King Crimson-Gitarrist und –Kopf Robert Fripp?
Adrian Belew: Steve hat einen unglaublichen Job gemacht. Ich kannte ihn vorher kaum und war mir nicht sicher, wie er reagieren würde. Aber er war sofort begeistert. Ihm war besonders wichtig, Roberts Parts zu ehren. Er hat fünf Monate intensiv gearbeitet und mir ständig Videos geschickt, um alles perfekt hinzubekommen. Er ist ein großartiger Musiker – und als ehemaliger Zappa-Musiker kann er sowieso alles spielen.
Diese Musik wirkt oft sehr komplex und präzise. Wie schwierig ist es, sie live umzusetzen?
Man muss sie so verinnerlichen, dass sie in den Körper übergeht. Zum Beispiel spiele ich Gitarrenparts in einem Takt und singe gleichzeitig in einem anderen. Das funktioniert nur, wenn man es nicht mehr bewusst denken muss. Wir haben 24 Tage geprobt, und nach ein paar Shows waren wir komplett "eingespielt". Dann läuft es fast automatisch.
Ist Beat eher eine Tribute-Band oder eine echte Weiterentwicklung dieser Musik?
Definitiv keine Tribute-Band. Wir spielen die wichtigen, wiedererkennbaren Teile, aber darüber hinaus soll jeder Musiker wie er selbst klingen. Steve Vai soll wie Steve Vai spielen, Danny Carey wie Danny Carey. So entsteht eine neue Interpretation – mit einem eigenen Sound und sogar einem anderen "Swing".
Wenn Sie auf Ihre Karriere zurückblicken – wo sehen Sie sich heute künstlerisch?
Alles begann für mich mit den Beatles, als ich 13 war. Später kam King Crimson als nächste Entwicklungsstufe. Heute bin ich eine Mischung aus all diesen Einflüssen. Ich kann Popsongs schreiben, experimentelle Musik machen oder einfach das spielen, was ich möchte. Ich fühle mich nicht festgelegt.
Sie haben einmal gesagt, Musik solle wie das Leben selbst sein. Was bedeutet das für Sie heute?
Mein Leben besteht darin, kreativ zu sein, zu reisen, Musik zu machen und mit Menschen zu kommunizieren. Genau das spiegelt meine Musik wider. Ich versuche, alles auf möglichst hohem Niveau zu tun – sowohl künstlerisch als auch privat.
Woher nehmen Sie Ihre Inspiration?
Viel aus der Natur. Ich lebe in einer sehr ruhigen Umgebung mit Wald und einem Bach. Außerdem lese ich unglaublich viel – mehrere hundert Bücher im Jahr. Auch Filme, Familie und das Leben selbst inspirieren mich. Und musikalisch versuche ich immer, etwas Neues zu schaffen, das es so noch nicht gab.
Hat sich Ihre Sicht auf die verbindende Kraft der Musik im Laufe der Zeit verändert?
Nein. Für mich ist Kommunikation der Kern von Kunst. Ich möchte positive Dinge vermitteln. Die Welt braucht das mehr denn je.
Was verbinden Sie persönlich mit Deutschland?
Meine erste Europa-Tour war mit Frank Zappa, und wir haben viel in Deutschland gespielt. Seitdem komme ich immer wieder gern hierher. Die Menschen sind großartig, und die Geschichte des Landes beeindruckt mich sehr.
Gibt es Pläne für neue Musik mit Beat?
Im Moment konzentrieren wir uns darauf, die Show weltweit zu spielen. Das Problem ist, dass alle Mitglieder sehr beschäftigt sind. Wenn wir irgendwann Zeit finden, setzen wir uns zusammen und entscheiden, ob wir ein Album machen. Aber das ist ein aufwendiger Prozess.
Was können Fans von den Konzerten erwarten?
Viele Menschen hatten nie die Chance, diese Musik live zu erleben. Jetzt können sie das nachholen – und ich glaube, wir machen das auf sehr hohem Niveau. Ich bin wirklich stolz auf diese Band.
Info: Karten für das Münchner Tollwood gibt es hier.