14.08.2017
Taubertalfestival

Schlamm- und Rock-Fest mit bunten Untertönen

Regen, Schlamm und Rock'n'Roll – für viele der Dreiklang, den das Taubertal Open Air auf den Rothenburger Eiswiesen ziert wie selbstverständlich. Und auch wenn es bei der 22. Auflage des dreitägigen Spektakels an der Tauber wieder mal ungemütlich von oben her war – die Botschaften auf und rund um die Bühne waren ebenso fröhlich wie die Stimmung der Gäste. Wer genau hinsah, der erlebte auch so manchen politischen oder gesellschaftskritischen Ton.
Publikum beim Taubertal Openair 2017
Die Rockfans trotzden beim Taubertal Openair 2017 dem schlechten Wetter mit Regenklamotten und umfunktionierten Müllsäcken.

 

Zwei Besonderheiten erschlossen sich auf dem in diesem Jahr verbreiterten Gelände nicht auf den ersten Blick. Da wäre zum einen die Initiative des Landkreises "Tanzen statt Torkeln". Dabei wollen die Organisatoren des Festivals im Schulterschluss mit der Behörde die Jugendlichen, Erziehungsberechtigen und Einzelhändler über die Gefahren des Alkoholkonsums aufklären.

Bei einem Festival wie dem Taubertal Open Air, bei dem heuer rund 18.000 Fans feierten, zelteten und dabei in Sachen Party gerne auch mal über das Ziel hinausschossen, keine Selbstverständlichkeit. Freilich gehört Alkohol für viele mit dazu, wenn Bands wie Rise against, In Extremo oder Casper auftreten. Aber der Feier-Spaß wird durch zu viele Promille eben oft getrübt und stört auch andere. Eine Verantwortung, der man sich bei den Veranstaltern bewusst ist.

Neues Sicherheitskonzept

Ebenso wie die geleistete Aufklärungsarbeit zum Thema Müll: "Love your tent" hieß eine Aktion, bei der Festivalbesucher darauf sensibilisiert wurden, ihr abgewracktes Zelt nach dem Feiern nicht einfach stehen und entsorgen zu lassen, sondern selbst für das Wegwerfen zu sorgen – sollte man sich seiner Behausung nach drei oder vier Tagen entledigen wollen. Zudem war auf dem Campingplatz "Berg" ein sogenanntes "Green-Camp" eingerichtet worden, auf dem es umweltbewusste Zelter etwas ruhiger haben sollen.

Das Sicherheitskonzept war in diesem Jahr noch einmal überarbeitet worden – nicht zuletzt im Hinblick auf die terroristischen Anschläge der vergangenen Monate. Unter anderem fanden sich an den Zufahrten zum Gelände tonnenschwere LKW-Poller aus Beton, die verhindern sollen, dass ein großes Fahrzeug einfach in die Menschenmenge rast.

Lockerer Spruch für die Journalisten

Zusätzliche Taschenkontrollen und Rucksackverbote gehören mittlerweile schon zur Realität – so auch beim Taubertal Open Air, dessen Hauptorganisator Volker Hirsch bei der Auftakt-Pressekonferenz die Stirn in Falten legte und sich und den Rest der Anwesenden fragte, wo das alles eigentlich noch hinführen sollte mit den Sicherheitsvorkehrungen. Für den alten Hasen der Branche ein nach wie vor ernüchternder Zustand.

Auch die Pressevertreter erlebten zum zweiten Mal die Auswirkungen des neuen Sicherheitskonzeptes: Als "Privilegierte" mit Kamera-Taschen auf dem Gelände unterwegs, mussten sie knallrosa Leibchen tragen. Und zogen sich damit nicht selten den Spott der Zuschauer zu. Und auch von Jennifer-Rostock-Sängerin Jennifer Weist, die während ihrer energiegeladenen Show auch mal einen lockeren Spruch für die Journalisten übrig hatte.

Doch an ernst zu nehmender Botschaft war die Show der aus Usedom stammenden Band nicht arm: Klare Kante gegen Nazis zeigte die Band nicht nur in ihren Ansagen. Auch die Regenbogenfahne wurde geschwenkt, die in vielen Kulturen weltweit für Aufbruch, Veränderung und Frieden gilt.

Das nächste Taubertal-Openair findet vom 8. bis 12. August 2018 statt. Karten können bereits erworben werden.

 

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