Klimagipfel der UN
Die finanzielle Unterstützung armer Staaten ist eines der vielen Themen, die auf der Tagesordnung des diesjährigen UN-Klimagipfels in Glasgow stehen. Der Finanzexperte der Entwicklungsorganisation Germanwatch, David Ryfisch, erläutert in einem Gespräch den Konflikt, der eng damit verbunden ist.

Die finanzielle Unterstützung armer Länder im Kampf gegen die Erderwärmung ist einer der Knackpunkte beim Weltklimagipfel in Glasgow. Das Thema sorgt seit Jahren für Streit zwischen Industrie- und Entwicklungsstaaten. David Ryfisch, Finanzexperte der Entwicklungsorganisation Germanwatch, verfolgt in Glasgow die Verhandlungen. Im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) erläutert er die Konfliktlinien.

Herr Ryfisch, die Industrieländer haben bislang ihr Versprechen nicht erfüllt, 100 Milliarden US-Dollar jährlich für Klimaschutz und Anpassung in armen Ländern zur Verfügung zu stellen. Nun haben Deutschland und Kanada einen Plan vorgelegt, wie das Ziel bis spätestens 2023 erfüllt werden kann. Können die Entwicklungsländer nun sicher sein, dass bald genügend Mittel fließen?

David Ryfisch: Bereits 2016 wurde ein solcher Plan vorgelegt, letztlich erfolglos. Das muss man im Hinterkopf behalten. Aber die Summen, die Industriestaaten nun kurz vor und beim Glasgower Gipfel zusätzlich zugesagt haben, geben einen Pfad vor, der es wahrscheinlich macht, dass die 100 Milliarden Dollar übernächstes Jahr erreicht werden. Wichtig ist, dass die zusätzlichen Mittel aus den Staatshaushalten kommen. Von privaten Investitionen in den Klimaschutz darf man sich nicht abhängig machen.

epd: Der Großteil der Klima-Hilfen wird laut OECD als Kredite gewährt, nicht als Zuschuss. Ist das für die armen Länder ein Problem?

Ryfisch: Es kommt darauf an, was mit dem Geld passieren soll. Erneuerbare Energien sind mittlerweile wettbewerbsfähig und können gut mit Krediten gefördert werden, vor allem wenn sie günstiger sind als am Finanzmarkt. Anders sieht es bei der Anpassung an die Folgen des Klimawandels aus. Damit lässt sich kein Geld verdienen. Hier sind deshalb Zuschüsse nötig. Leider fließen noch viel zu wenig Mittel in die Anpassung, also beispielsweise in den Hochwasserschutz.

epd: Die Entwicklungsländer verlangen auch Entschädigungen für klimabedingte Schäden und Verluste. Denn für die Erderwärmung tragen sie praktisch keine Verantwortung. Wie kommen die Verhandlungen in diesem Bereich voran?

Ryfisch: Hier gibt es seit Jahren eine Blockadehaltung der Industrieländer. Dabei sind die Schäden in den armen Staaten enorm. Ein Vergleich: Nach der Hochwasserkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz wurde ein Wiederaufbaufonds von 30 Milliarden Euro aufgelegt - für Deutschland stellt das kein finanzielles Problem dar. Aber ein Land wie Madagaskar, das unter katastrophalen Dürren leidet, ist mittellos. Es wäre dringend ein Fonds nötig, der schnell und unkompliziert beim Umgang mit Schäden und Verlusten unterstützt. Bemerkenswert ist auch ein Vorschlag, den Tuvalu gemeinsam mit Antigua und Barbuda in Glasgow vorgelegt hat: Demnach soll eine Kommission ins Leben gerufen werden, die juristische Wege für Entschädigungsansprüche prüfen soll.

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