Klimaschutz und Nachhaltigkeit
Zum 26. Mal treffen sich die UN-Staaten zu einer Klimakonferenz. Wie viel bringen diese Treffen, die vor allem auf Freiwilligkeit setzen und deren Ziele immer wieder verfehlt werden? Ein Kommentar von Lea Maria Kiehlmeier.

Seit dem 31. Oktober beraten und diskutieren Staats- und Regierungschef*innen, wie wir den Klimawandel eindämmen können. Das Wort "stoppen" möchte ich in diesem Zusammenhang gar nicht in den Mund nehmen. Es wird also geredet und Einigungen werden vorgestellt. Beispielsweise am Dienstag: Über 100 Staaten haben einen Pakt geschlossen, dass Wälder nicht mehr vernichtet werden. Bis 2030 soll die Zerstörung gestoppt werden.
Die Initiative stammt vom britischen Premierminister Boris Johnson, er beschreibt sie als "beispiellos".

Ein beispiellos freiwilliger Plan

Da kann ich ihm nur zustimmen. Diese Initiative ist wirklich beispiellos. Beispiellos heuchlerisch. Denn unter den Unterstützern ist unter anderem Brasilien. Gerade Brasilien. Seit Jahren wird dort der Regenwald immer schneller abgeholzt. Im Dezember 2020 verschwand dort Wald von einer Größe von drei Fußballfeldern - pro Minute.

Aber vielleicht hat Jair Bolsonaro endlich den Schuss gehört und verwandelt sich auf dieser Klimakonferenz in einen echten Umweltschützer? Wohl kaum, denn der Plan von Johnson ist weder bindend noch schnell genug. Außerdem muss ich bei dieser Initiative an den Spruch denken "Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht". Wurde doch bereits auf der Klimakonferenz 2014 in New York das Ziel festgesetzt, das Abholzen der Wälder bis 2020 stark zu reduzieren.

Was bleibt am Ende?

Die Klimakonferenzen hinterlassen bei mir jedes Mal einen schalen Nachgeschmack. Auf der einen Seite finde ich es gut, dass sich die Staaten immer mehr mit dem Thema beschäftigen und es auf ihre Agenda setzen. Auf der anderen Seite habe ich bisher noch kein Ziel gesehen, das realistisch erreicht werden kann. Klar, wir wollen die Erwärmung auf 1,5 Grad begrenzen, aber nur, weil das auf einer Konferenz zu beschlossen wurde, heißt das nicht, dass es dann auch wirklich so kommt.

Es wird viel gesprochen, kaum etwas ist verbindlich und was bleibt am Ende übrig? Bei mir auf jeden Fall das Gefühl, dass der Klimaschutz auf den Schultern der Einzelnen abgeladen wird. Produzier weniger Müll, fahr weniger Auto und fliegen geht eh nicht. Während auf der anderen Seite neue Kohlekraftwerke ans Netz gehen, Massentierhaltung immer noch zum Alltag gehört und Fast-Fashion-Unternehmen Kleidung zum Spottpreis auf den Markt werfen – oder am Ende ungetragen verbrennen.

Aber vielleicht passiert ein kleines Wunder – und Bolsonaro und der Rest der Schmutzfinken entdecken statt Dollar-Zeichen in den Augen doch noch ihr grünes Herz. Oder vielleicht sollten wir es statt Freiwilligkeit mal mit Verbindlichkeit versuchen. So viel Zeit bleibt uns nämlich nicht mehr.

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